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ZUM TAG > 2011 > Das Wort zum Sonntag
Ist Gott schuld, dass ich nicht der Norm entspreche?
Ein Betroffener, d.h. ein „Pädophiler“, hat mir über seine Glaubenskonflikte geschrieben.
Sein Glaube an Gott habe „massiv an Wert verloren, denn er ist schuld das ich diese Veranlagung habe, und er hat mich dann, wo ich ihn am meisten gebraucht habe, im Stich gelassen.“
Darauf habe ich ihm geantwortet:
Ich glaube überhaupt nicht an einen Gott, der "schuldig" ist an unserem Schicksal! Wenn es etwas Höheres gibt, das wir Gott nennen - und daran möchte ich gerne glauben - dann sehe ich darin keine direkte Einwirkungen in unser Leben in dem Sinne, dass es einen Gott gibt, der straft oder so hilft, wie wir es gerne möchten. Das ist eine ganz andere Dimension,aber auch nicht eine, die keinen Einfluss hätte auf uns und unser Leben. Nur eben nicht in dem Sinne, dass wir "Gott" verantwortlich machen können für unser Ergehen!
Diese Antwort hat seine Frage nicht gelöst. Er schrieb zurück:
„Mich würde es wunder nehmen, wenn nicht Gott, wem kann ich dann für meine Neigung, die nicht normal ist, verantwortlich machen, und wem kann ich auch für mein Schicksal verantwortlich machen wenn nicht Gott?“
Seine Frage steht in ganz konkretem Bezug zu seiner Situation in der gegenwärtigen menschlichen Gesellschaft:
Ihn beschäftigt also eine Frage der Schuld:
Darum konnte ihn meine Antwort nicht befriedigen. Sie steht nicht in Einklang mit seinen eigenen Glaubensvorstellungen.
Dazu eine Antwort aus christlicher Sicht, welche die letzte Frage wohl am einfachsten zu erklären vermag: Gott ist „im Himmel“, also unerreichbar und unvorstellbar für uns. Darum hat er „seinen Sohn“ Jesus zu uns „gesandt“ und hat damit eine Verbindung zwischen der unerreichbaren Dimension „Himmel“ und unserer Erde hergestellt und sich uns Menschen, erkenntlich in menschlicher Gestalt, gezeigt.
Nun wäre es naheliegend und auch durchaus im Sinne unseres christlichen Glaubens, Jesus in die Beantwortung dieser offenen Frage mit einzubeziehen.
Ich will mich hier aber auf die „höhere Dimension“ beschränken, weil sich ja mit Jesus eine weitere Frage ergeben könnte: War Jesus wirklich „Gottes Sohn“?
Ich möchte die Frage dieses “Pädophilen“ wie eine Nuss aufknacken, weil es mich nach dem Kern dieser Nuss gelüstet!
Dieser Kern heisst ganz einfach
„Schuld“!
So kann ich mich in der Beantwortung der Frage auf zwei Begriffe beschränken:
„Gott“ und „Schuld“.
Darauf eine Antwort, die meinen eigenen Glaubensvorstellungen vollauf genügt:
Gott und Schuld ist so unvereinbar wie Licht und Dunkelheit!
Brauche ich das noch weiter zu erklären?
Stellt sich da nicht erst die Frage aller Fragen, die ich damit indirekt aus meiner Überzeugung schon beantwortet habe?
Damit ist aber noch nicht geklärt, was Schuld und Dunkelheit gemein haben und ob dieser Vergleich der Frage gerecht wird.
Vergleiche sind letztlich Glaubensfragen. Jesus - um ihn doch nicht ganz ausser Acht zu lassen - hat manche Fragen mit Gleichnissen beantwortet. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Gleichnis und einem Vergleich.
Jetzt dürfte auch begreiflich werden, dass mit meinem Vergleich die Frage erst dann beantwortet sein kann, wenn „Licht“ als etwas angenommen wird, das einen Ursprung hat, also nicht einfach so ein Zustand ist wie Dunkelheit. Ich darf davon ausgehen, dass sich im Denken aller Menschen etwas Gemeinsames finden lässt, nämlich
Das also wäre für mich eine Erklärung, was ich unter einer „höheren Dimension“ verstehe und weshalb für mich der Begriff „Schuld“ mit Gott so unvereinbar ist wie "Dunkelheit" mit Licht!
Aber ich habe ja zur Beantwortung der Frage noch einen anderen bildhaften Vergleich beigezogen:
Die Nuss und deren Kern!
Ist die Kernfrage also beantwortet?
Wahrscheinlich nicht, weil ja die Ursprungsfrage des Lichts eine Glaubensfrage bleibt und diese jeder Mensch nur ganz allein für sich „glaubhaft“ beantworten kann! Zweifelsfrei für jeden menschlichen Verstand steht aber fest, dass „Dunkelheit“ dort herrscht, wo kein Licht hinkommt.
Von der ursprünglichen, ganz individuellen Frage bin ich auf Grundfragen unserer Existenz abgegleitet!
So einsichtig wie das Verhältnis von Licht zu Dunkelheit, dürfte jetzt sein, dass ich mir einen Gott nicht vorstellen kann, der mit Schuld etwas gemeinsam hat. Das heisst, dass Fragen der Schuld „im Licht betrachtet“ einzig mit unserer menschlichen Existenz zu erklären sind, weil für uns Dunkelheit ebenso eine Gegebenheit ist wie Licht. Aber ich kann Gott so wenig für meine Schuld verantwortlich machen, wie die Dunkelheit darüber klagen könnte, weshalb sie denn nicht vom Licht erhellt wird!
Also ist die Frage der Schuld allein eine Frage unseres Menschseins und nicht abhängig von der Frage, ob wir an die Existenz Gottes glauben oder nicht! Wir können nur unseren Mitmenschen gegenüber schuldig werden und tragen damit selber Schuld, für die wir - wenn wir an Gott glauben - um Entlastung davon bitten können, oder die uns sonst niemand abnehmen kann!
Wenn also ein „Pädophiler“ fragt, warum er so ist, wie er ist und darin eine Schuld sieht, muss er nicht Gott anklagen, sondern seine Mitmenschen!
Die Schuld die er „sieht“, besteht allein aus der Sicht seiner Mitmenschen und entbehrt jeglicher „Erleuchtung“ durch eine höhere Einsicht!
Nun braucht es etwas mehr gedankliche Anstrengung, damit ersichtlich wird, dass niemand verantwortlich gemacht werden kann, für das, was jeder Mensch als individuell einmaliges, noch nie dagewesenes und nie wieder seiendes Wesen ist und wie es allenfalls anders zu sein hätte!
Schuld trägt, wer Anderssein jemandem als ein Unrecht vorhält,
weil er so zu sein hätte wie er selber ist!
Damit habe ich aus meiner Überzeugung die Frage beantwortet, die eigentlich gar keine sein dürfte.
Sie dürfte deshalb nicht sein, weil sie von der wesentlichen Frage ablenkt, die mich und jedes menschliche Wesen individuell und im Zusammenleben mit seinen Mitmenschen betrifft:
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