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25.Okt. - Umberto Eco:"Wäre ich pädophil..."

ZUM TAG > 2009 > Oktober 2009


„Wäre ich pädophil, hätte ich über die Pädophilie geschrieben."

(Umberto Eco in der "Sternstunde" , Schweizer Fernsehen, 25.Oktober 2009)

So eine Aussage hätte ich von Umberto Eco wirklich nicht erwartet!

Wie kam er dazu?

Norbert Bischofberger kam im Gespräch mit dem
Schriftsteller und Philosoph Umberto Eco auf sein Buch "Der Name der Rose" zu sprechen und auf das Geheimnis, das sich hinter diesem Namen verbirgt. Ein Geheimnis, das mit Büchern zu tun hat. Eco erwiderte, dass er - ehrlich gesagt - gar nicht beabsichtigt habe, mit diesem Buch solche philosophische Diskussionen auszulösen. Er verstehe nun eben mal etwas von Büchern, deshalb diese Erzählung über dieses geheimnisvolle Buch.

„Ich bin jetzt ganz ehrlich: Als ich „der Name der Rose geschrieben habe, dachte ich in keiner Weise an die philosophischen Probleme die hinterher alle darin gesehen haben.
Ich wollte eine Geschichte erzählen , die im Mittelalter spielte.
Wäre ich pädophil, hätte ich über die Pädophilie geschrieben. Aber ich habe nun einmal das Mittelalter studiert. Ohne zu wollen, habe ich grosse philosophische Fragen aufgegriffen. Diese wurden aber erst hinterher von meinen verschiedenen Lektoren und Übersetzern entdeckt.“*

Er hätte ja ebensogut antworten können, "wäre ich homosexuell, hätte ich über die Homosexualität geschrieben",

Oder hätte er auch erwidern können: "Wäre ich Autonarr, hätte ich über Autos geschrieben" usw.usw.?

War es zufällig von ihm, dass er eine Veranlagung/Neigung als Vergleich herbeizog?
Würde er - darauf angesprochen - zu relativieren, wenn nicht gar zu korrigieren versuchen, dass er diesen Vergleich ohne grosses Nachdenken gewählt hätte?

Wäre das eine glaubhafte Flucht eines Philosophen vor der Auseinandersetzung mit einem heiklen Thema?

Mir jedenfalls bedeutet seine Aussage viel: Er gebraucht den Begriff "pädophil" ohne Wertung und traut sich zu, dass er als "Pädophiler" imstande wäre, über dieses Thema zu schreiben!

Sicher nicht mit dem Hintergedanken, dass er dann - als "potentieller Täter" - verachtet, statt gelesen würde!

(Mehr über Umberto Eco hier) (*Video direkt: hier, und dort bei Minute 19 der zitierte Satz!)

Ein Freund hat mich auf eine weitere erstaunliche Parallele zu Ecos Aussage am Schweizer Fernsehen aufmerksam gemacht:
.
Im



erschien am 2.11.2009 ein Bericht unter dem Titel:

Unwiderstehlicher Zauber

Von Beyer, Susanne und Gorris, Lothar

Der italienische Romancier und Semiotiker Umberto Eco über Listen als Ursprung der Kultur, die Leidenschaft des Sammelns und Aufzählens und die Tragik des Internets

In diesem Inteview sagt Umberto Eco auf die Frage vom

SPIEGEL:
Warum sind ausgerechnet für Sie diese Listen, diese Akkumulationen so wichtig?

Eco:
Die Leute vom Louvre kamen auf mich zu und fragten, ob ich Lust hätte, dort eine Ausstellung zu kuratieren und mir ein Programm mit Veranstaltungen einfallen zu lassen. Für mich war sowieso schon die Vorstellung reizvoll, in diesem Museum zu arbeiten - neulich war ich einmal allein dort und fühlte mich wie eine Figur in einem Dan-Brown-Roman, es war gruselig und großartig. Und: Mir war sofort klar, dass es da um diese Listen gehen sollte. Warum dieses Thema mich so interessiert? Ich kann es Ihnen nicht sagen.
Ich mag Listen genau aus dem Grund, wie andere Leute Fußball mögen oder die Pädophilie. Menschen haben Vorlieben.

SPIEGEL: Sie sind berühmt dafür, Ihre Leidenschaften begründen zu können.

Eco: Aber nicht, indem ich von mir erzähle.

(Mehr über Umberto Eco hier)

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