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Tsunami, Weihnachtsessen am Abend davor

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Tsunami, Weihnachtsessen am Abend davor

Am Nachmittag des 25. Dezembers 2004 kochten wir Truthahn, Blaukraut etc. bei Michael, dem deutschen Bäcker in Khoo Lak an der Banjiang Beach. Am Abend so gegen 19 Uhr trafen die ersten Gäste vom Weihnachtsessen ein. Das Haus stand zwischen Lai 3 und Lai 4. Ernst brachte das übliche Kontingent Himbi (Schnaps) mit. Es wurde ein lustiger Abend, wir waren zwischen 15 und 20 Personen am grossen Tisch vor dem Haus. Wir haben getrunken, gegessen und viel Spass gehabt. Michael rief den Eigner des Ressorts in Deutschland an, um ihm eine frohe Weihnachten zu wünschen. Auch mit ihm machten wir unsere Spässe übers Telefon.
So gegen 23 Uhr will ich so langsam nach Hause gehen. Michael meint, ich solle mir diese 15 km Motorradfahrt ersparen und bei ihm im Haus schlafen. Ich lehne ab, weil ich sicher sein will, wenn das Schiff am Morgen rausfährt, muss alles an Bord sein. Also fahre ich nach Hause. Die anderen Gäste haben noch bis in den frühen Morgen hinein gefeiert.
Der Morgen kurz davor
26. Dezember 2004. Morgens um 5:30 Uhr stehe ich wie üblich auf, gehe an die Pier um die Tauchtanks aufs Schiff zu bringen. Alle Arbeiten sind fertig und so um sieben Uhr gehe ich nach Hause, mache mir Kaffee, setze mich im ersten Stock an den Computer, um meine e-mails abzurufen und eventuell mit meinem Bruder über MSN zu chatten. So irgendwann um 8 Uhr fängt mein Stuhl an, sich zu bewegen. Ich stehe auf, nichts, setze mich wieder hin, es wackelt. Also doch zuviel Alkohol gestern, denke ich. Dann entscheide ich mich, an die Fischerpier zu gehen, wo jeweils zwischen 8 und 11 Uhr die Fischerboote ankommen. Viele meiner Freunde haben da gearbeitet, darunter auch mein Sohn Gani. Jeweils am Morgen gehe ich dahin, habe zugeschaut, wie sie die Fische ausgeladen haben, sortiert und verpackt.
Rettungsversuche
Plötzlich reissen sich die Fischerboote von den Leinen los, das Wasser verschwindet wie wenn jemand den Stöpsel aus der Wanne gezogen hätte. Ich sage noch, das kann nicht normal sein, weg von hier! Einen Moment später sieht man eine braune, brodelnde Wasserwand von der Buchtmündung herankommen. Totale Panik bricht aus, Leute schreien, rennen, andere stehen stocksteif da. Ich renne zu einem Haus, an einem Betonpfeiler steht ein altes Ölfass. Aufs Fass klettern und versuchen, auf das Dach zu klettern ist in meinem Kopf. Als ich auf dem Fass stehe, klettern Frauen und Kinder über mich hoch aufs Dach. Ich versuche, höher zu kommen. Halb mit dem Oberkörper auf dem Dach, mit meiner linken Hand halte ich einen etwa 8jährigen Jungen, das Wasser steigt, das Dach bricht ein, Frauen, Kinder verschwinden im braungrauen Wasser, ich kann den Kleinen nicht halten, er rutscht aus meiner linken Hand, er verschwindet in der Flut, diese Augen diese Angst werde ich mein ganzes Leben nie vergessen können.
Noch heute träume ich davon...
Bis heute kommen diese Träume immer wieder, auch diese Panik kommt immer wieder. Wie lange ich da an diesem Pfeiler gehangen bin weiss ich nicht, habe nicht die geringste Ahnung. Irgendwann habe ich den Weg nach Hause gefunden und versucht, von da wegzukommen. Ich habe mein Motorrad gefunden und bin mit ihm durchs verwüstete Dorf gefahren. Unterwegs habe ich den kleinen Manu umherirrend getroffen und aufgeladen, danach Nochs älterer Bruder zusammen mit einem unserer Kunden, sie waren auf dem Wasserturm. Also sind wir zu viert mit dem Motorrad nach Lamkem gefahren, durch Trümmer, an weggespülten Autos vorbei, immer noch nicht wissend, was echt passiert ist. In Wat Lamkem wurden die Überlebenden gesammelt. Hier gab es auch erste Hilfe für die Verletzten. Ich habe da über 12 Stunden erste Hilfe geleistet und Listen erstellt, meine Freunde gesucht und irgendwann auch Noch und Gani gefunden. Irgendwann ist auch Uh zu uns gekommen. Wir hatten vor dem Tsunami ein paar persönliche Probleme, aber das war alles vergessen. Dann am späten Abend sind wir, Noch, Gani und ich nach Bantaplamu zurückgefahren. Es waren vielleicht so 15 bis 20 Leute im Dorf, kein Strom, kein Wasser. Also habe ich meinen Generator angehängt, 5 KW mit einem Kuhota-11PS-1Zylinder-Dieselmotor. So hatten wir Licht, haben die Strasse beleuchtet, dass die Leute wussten, hier ist jemand. Viel geschlafen haben wir nicht. Übrigens am späten Nachmittag haben wir Manus Eltern gefunden, sie haben ihren Sohn verzweifelt gesucht. Das war eine Freude.

Kinderlärm =“Geräusche der Zukunft“, Selbstkritik (Fassade)


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