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Peter Schneider, Psychoanalytiker

Offene Briefe > Brief/Mail an:

Offener Brief an
PD Dr. Peter Schneider
Psychoanalytische Praxis
Bergstrasse 122
CH-8032 Zürich



Sehr geehrter Herr Doktor Schneider,


Ihr Mail-Austausch mit Katrin Hafner im


unter dem Titel
«Der Glanz der anderen ist erhebend, wenn er schattenfrei auf uns fällt»

kann ich nicht unkommentiert hinnehmen!

Eines vorweg: Hier versucht ein „Pädophiler“ , mit Ihnen in Kontakt zu kommen. Ein „komischer Vogel“ also in Ihren Augen! Mich stört das nicht,wenn man mich als komisch und als Vogel bezeichnet.

Im Gegenteil – ich fühle mich nämlich frei wie ein Vogel! Das wirkt wohl auf Menschen komisch. Als solcher fühle ich mich nicht, wenn man meine "Art" so beschreibt wie Sie!

Weil Sie offensichtlich mit Ironie umzugehen verstehen, muss ich nicht damit rechnen, dass Sie jetzt schon die Delete-Taste drücken, um sich meinem Kontaktversuch zu entziehen.

Aus langer Erfahrung weiss ich, dass dies die meisten tun, wenn ich als „Pädophiler“ mit interessanten Menschen in Kontakt zu kommen versuche.

Sollten Sie jetzt aber doch noch am Lesen sein, so freut mich das ganz besonders. Ich betrachte das bereits als ein Geschenk und danke Ihnen herzlich.

Sicher fiel Ihnen schon auf, dass ich mich bereits zwei Mal als „Pädophiler“ zu erkennen gab (...und jetzt das dritte Mal!)

Das mache ich normalerweise nicht, dass ich mich als „Pädophiler“ vorstelle. Ich bin sonst ganz einfach ein Mensch, wie Sie auch!

Ich musste fünfzig Jahre alt werden, bis ich das in mir selbst unbewusst Verdrängte als „pädophil“ anerkannte. Ich realisierte erst dann, was mein Leben bisher so schwierig machte, weil ich mich nirgends richtig einordnen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt verstand auch ich unter einem „Pädophilen“ dasselbe wie Sie!

Was darauf geschah, darüber steht einiges in meiner Homepage www.tinjos.ch . Und wenn Sie dort nicht finden, was Sie eventuell interessieren könnte, dann bin ich gerne bereit, Ihnen weitere Auskünfte zu geben. Darin besteht nämlich mein Engagement in dieser Sache: Ich möchte, dass ein „Pädophiler“ auch als Mensch unter Menschen gelten darf und er es bleibt, wenn er sich zu erkennen gibt. Erst dann bin ich Ihnen und allen Menschen gegenüber auch Rechenschaft schuldig über mein Tun und Lassen! Sonst bleibe ich vor Ihren und vielen anderen Augen als solcher ein Monster.

So komme ich nun zu dem, was mich an Ihren Ausführungen besonders missfällt:
Sie unterscheiden zwischen gesunder, sogenannt natürlicher und kranker, widernatürlicher Sexualität.
Sie nennen es „eine sehr katholische Unterscheidung.“

Stimmt. Die „Kirche“ hat festgelegt, was natürlich ist und was nicht. Sie soll dies von ihrem Gott gesagt bekommen haben, was als „widernatürlich“ abzulehnen sei. Ich habe katholische Theologie studiert und widmete meine Diplomarbeit der Frage, ob die Natur als Grundlage für die Moral diene.

Ja, - aber...!

...Ich kann nicht glauben, dass Gott auch nur einen Menschen "als sein Ebenbild" so geschaffen hat, dass er über sein Werk unzufrieden sein müsste. "Wider die Natur" geschaffen sein, wäre Gotteslästerung, also ein Sünde oder gar ein sich über den Schöpfer stellen.

Da kann also etwas nicht stimmen. Ich bin nicht, wie ich „naturgemäss“ sein sollte. Also muss auch etwas mit diesem Gott nicht stimmen! Solche Zweifel kann „natürlich“ nur jemand haben, der wider dem empfindet, was ihm von Natur aus vorbestimmt sein sollte.

Ich glaube trotzdem an die Schöpfung und etwas, das vor dieser da war. Aber es ist nicht dieser Gott, der mich wider die Natur erschaffen hat.

Sie behaupten, es gebe widernatürliche Sexualität. Ich behaupte, es „gibt“ keine widernatürliche Menschen. Sexualität gehört aber zum Menschen. Es gibt nur ein schädigendes Verhalten und Handeln gegen "die Natur."

Sie finden unter anderem, dass zur natürlichen Sexualität all jenes gehöre „womit alle Beteiligten einverstanden sind“. Stimmt für Sie aber wohl nur so weit, wie es in Ihr Konzept passt!

Sie fordern „umso dringender einen unverrückbaren Orientierungspunkt des Unnatürlichen, Krankhaften, Bösen: Das ist die Pädophilie.“

Sehr geehrter Herr Schneider, ich erinnere Sie nochmals daran - sofern Sie noch mitlesen – ich bin einer von denen, die man als „pädophil“ bezeichnet, auch wenn ich selber meine primäre Eigenschaft als „menschlich“ bezeichnen möchte. Ich verhalte und verhielt mich immer so. Auch - sogar besonders - gegenüber Kindern.

Sofern Sie immer noch gegen die Entkriminalisierung der Pädophile plädieren, bleiben mir Ihre Ansichten komisch, weil ich ganz einfach desorientiert bin und nicht wüsste, wo ich mich nach Ihnen nun einzuordnen hätte.

Sind Sie doch noch da, Herr Schneider?

Dann erlauben Sie mir doch bitte die Frage: Wie soll ich mich bezeichnen, damit ich auch in Ihren Augen weiterhin ein anständiger Mensch bleibe?

Ein „komischer Vogel bleibe ich gerne, aber was Sie hier zum Thema „Pädophilie“ zwitschern, macht mich so unsicher, dass ich nicht mehr weiss, wer hier wirklich der komischere Vogel ist.

Mit freundlichem Zwitschern, Martin Joos

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