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Menschen besser verstehen...

ARCHIV > 2006

Menschen besser verstehen

«Menschenkenntnis lehrt uns nicht nur,
was der Mensch nicht ist und nicht sein kann.
Sie lehrt uns vor allem,
was er ist und sein kann.
Fremdheit, 
diese so reiche Quelle von Intoleranz, 
nimmt im gleichen Mass ab, 
wie Menschenkenntnis zunimmt.

Wenn du weisst und verstehst, 
warum ein Mensch so denkt, 
so handelt wie er es tut, 
das heisst, wenn du dich 
in seine Lage,
in den Bau seines Körpers, 
seine physische Bildung, 
seine Sinne,
sein Temperament, 
sein Empfinden, 
sein Leben und Sein
hineindenken kannst, 
dann hört in dem Masse, 
in dem du dies tust, 
die Intoleranz auf 
und Verständnis und Mitgefühl 
treten an die Stelle von Verdammung,
Nachsicht tritt an die Stelle
des Hasses. (...)

Je mehr der Mensch studiert wird,
umso mehr Gutes ist an ihm
zu beobachten.»

Johann Caspar Lavater (1741-1801)


Aus persönlichem Interesse habe ich mich im Internet um die Grundlagen der

"Huter'schen Psychophysiognomik"


interessiert. Dabei bin ich hier auf obenstehende Worte von J.C.Lavater gestossen. Zwar kann ich mich mit dieser Methode nicht anfreunden. Aber die Worte von Lavater könnten  Leitworte meines Homepage - Anliegens sein, besonders der letzte Satz:

"Je mehr der Mensch studiert wird, umso mehr Gutes ist an ihm zu beobachten.»

Ich meine aber, dass es vor allem darauf  ankommt, was ein Mensch denkt bei seinem Tun  und dass man sein Denken genauso zur Kenntnis nimmt und es zu seiner Erscheinung zählt wie der "Bau seines Körpers, seine physische Bildung, seine Sinne, sein Temperament, sein Empfinden".

Als ein Aussenseiter in der Gesellschaft, in der ich zu leben und mich einzufügen habe, fühle ich mich als Experte, was das Feingefühl angeht für Toleranzwerte in Bezug auf die Handlungsmotivation und der Reflexion auf die Auswirkungen seines Tuns. Man wird mir dabei natürlicherweise Voreingenommenheit vorwerfen.  

Mir aber kommt es unheimlich vor, wenn man Menschen, - vor allem solche, die aufgrund einer Handlung ins Schussfeld der Kritik geraten - aufgrund ihres Handelns  (nur) nach ihrer Physiognomie studiert und charakterisiert, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meinem Mitmenschen in meiner Beurteilung gerecht werde. 

Es sei denn, ich hielte mich genau an die Worte Lavaters:

Fremdheit, diese so reiche Quelle von Intoleranz, nimmt im gleichen Mass ab, wie Menschenkenntnis zunimmt.


In seinem Hauptwerk "Physiognomische Fragmente" vertritt Lavater "die Überzeugung, dass die hauptsächlich durch die Silhouette zu gewinnende Kenntnis der unbewegten Gesichtszüge des Menschen Aufschluss über den jeweiligen Charakter gibt. Die Physiognomik bildete demnach den einzigen Zugang zur Beurteilung des Wesens jedes Menschen, seines "dreifachen Lebens", das sich aus "Kraft" (Physiologie), "Verstand" (Intellekt) und "Herz" (Moral) zusammensetze."(Johann Caspar Lavater (1741-1801)

Ich masse mir nicht an, Lavaters oder die Huter'sche Methode zu kritisieren, weil ich mich zu wenig damit befasst habe.

Die Gefahr besteht aber nach meiner Erfahrung, dass ich andere Menschen zwar aufgrund wissenschaftlicher Erfahrungswerte bei entsprechender Ausbildung recht gut einordnen kann, aber eben einordnen, "schubladisieren" (nach meinen Moralbegriffen!). Und das Möbel mit den Schubladen, das bin ich oder meine erworbene Weltanschauung, die naturbedingt eine begrenzte Dimension hat und sich nach meinem Standpunkt,  persönlicher Biographie, Bildungsstand und  Einfühlungsvermögen richtet und verändert! 
Allzuviele Intellektuelle, die sich gemäss ihrer beruflichen Ausbildung und ihrem Studium mit ihren Mitmenschen befassen (müssen), sind so wenig bereit, andersartiges Denken und Handeln unvoreingenommen zur Kenntnis zu nehmen. Sie haben Mühe mit der Akzeptanz, dass es auch auch bei andersdenkenden Menschen solche gibt, welche zwischen Gut und Böse unterscheiden können. 
Es  gibt Menschen, die sich sehr kompetent fühlen in der Be- und Verurteilung von anderen Menschen und sich gar nicht bewusst sind, dass sie das Wichtigste dabei vergessen.

Nämlich das, was Lavater so treffend in nebenstehenden Worten uns hinterlassen hat.

Ich denke da aktuell - im November 2006 - an ganz bestimmte Intellektuelle, denen ich raten möchte, sich diese Worte in ihr eigenes Herz und ihre eigene Seele zu schreiben (und weniger auf Papier dies anderen vorzuschreiben,) 

"dann  hört in dem Masse, in dem du dies tust, die Intoleranz auf und Verständnis und Mitgefühl treten an die Stelle von Verdammung, Nachsicht tritt an die Stelle des Hasses..."



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