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Kinderlärm =“Geräusche der Zukunft“, Selbstkritik

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Kinderlärm =“Geräusche der Zukunft“, Selbstkritik

Freundschaften


Irgendwann in meinen Geschichten habe ich geschrieben: In einem Haus ohne Kinder lebt der Tod. Das ist wahr; ich habe da gelebt, die Hintergrundgeräusche waren Kindergeschrei, Lachen, auch mal weinen; Geräusche von spielenden Kindern; du weißt gar nicht, wie man sich daran gewöhnen kann. Das sind die Geräusche von unserer Zukunft, die gehört ihnen.
Die Tage nach dem Tsunami; diese unerträgliche Stille, kein Lachen, nichts; die haben mich echt gelehrt, es zu geniessen, als dann wieder Kids vorm Haus gespielt haben. Kein Lärm von ihnen hat mich dann noch gestört.
Warum schreibe ich dir das? Wenn ich neben dir sitzen würde, käme das wahrscheinlich nicht aus mir raus. Ich würde mich auch hinter einer Fassade verstecken. Vermutlich bist du genügend weit von mir weg, dass ich irgendwie keine Angst habe, dass du mir „Schmerzen“ zufügen kannst. Irgendwie konnte ich es nie gefühlsmässig rüberbringen, auch im Net nicht; es ging einfach nicht. Auch da habe ich eine falsche Fassade aufgebaut, damit niemand an mein Inneres, an meine echten Gefühle rankommt. Ein fast arroganter Sexrüppel (ui ui ui). Lache, ja ja, das war meine Fassade und wenige haben das durchschaut. Ich habe sie gehütet und tue es sogar oder erst recht hier drinnen.

Loblied auf das thailändische Königspaar

Weiss nicht, ob ich dir das mal geschrieben habe; der König hier hat mal gesagt, Unser Verlust ist unser Gewinn, worauf sie ihn verständnislos angeschaut haben. Er hat’s erklärt: Wenn wir heute Geld in Projekte, Schulbildung etc. stecken, verlieren wir jetzt viel Geld, aber mit besseren Lebensumständen der Armen, mit besseren Produktionsmethoden in der Landwirtschaft wird es sich irgend wann in der nächsten Generation auszahlen. Der König ist der einzige im Land, der von wirklich allen verehrt wird, das Symbol für Freiheit, für keine Korruption, für Gerechtigkeit. Ein Wort gegen ihn und du hast alle Thais als Feinde, egal welcher Religion sie angehören. Noch eine Anmerkung: alle diese Feierlichkeiten zum 60. Krönungstag wurden nicht über Steuergelder finanziert, das hat der Staat nichts, keine müde Baht gekostet. Es wurde alles privat von der Bevölkerung finanziert, freiwillig, mit Freude.
Weißt du, ich habe es ja nach dem Tsunami selbst erlebt, was da passiert. Die Königin höchstpersönlich kam ins Dorf und hat den ärmsten Fischern die alles verloren haben neue Longtails geschenkt (ich habe sie vorher anstreichen geholfen). Es war so, dass eines Tages Tieflader angekommen sind mit den Longtails drauf, alle über Jahre nicht gebraucht, so dass man sie erst neu korken (abdichten) musste. Danach Anstreichen, etwa 15 Longtails. Der Armeeoffizier des Konvois hat den Thais da nur gesagt, dass es eine Spende der Königin sei und dass sie selbst in 3 bis 4 Tagen die den Leuten übergeben werde und ob es Freiwillige hier gäbe, welche die Schiffe herrichten. Du kannst kaum glauben, was da passiert ist. Leute die nach Hause rennen, Werkzeug, Baumwollschnüre, Dichtungsmaterial holen, innert kürzester Zeit waren an jedem Schiff 10 bis 12 Leute am Arbeiten. Freiwillig, mit Freude und als man mich gerufen hat, he Schmusebärchen, mach mit, konnte ich nicht nein sagen, als einziger Ausländer im Dorf. Es war eine richtige Gemeinschaftsarbeit der Dorfbewohner, für jene, die es am härtesten getroffen hat. All diese Gemeinsamkeit, das gegenseitige Helfen habe ich auch an andern betroffenen Orten gesehen, das Versprechen des Königs für die Tsunamiwaisen das Patronat zu übernehmen, ihnen jede mögliche Schulbildung zukommen zu lassen, Häuser, Schulen für sie zu bauen und aus der Tasche der eigenen Finanzen, nicht des Staates zu finanzieren. Der König meinte, in eineinhalb Jahren seien Schulen, Waisenhäuser garantiert fertig und betriebsbereit, worauf die Armee das ganze in ihre Hand genommen hat. Es sei eine Ehre und sie würden nicht mehr als 10 Monate brauchen. Sie haben ihr Versprechen erfüllt. Politiker haben ein Jahr gelabbert, ausser grossen Bildwänden wie es weitergehen soll, ist von da nichts gekommen.war der Auslöser, dass ich auch, wie alle Thaihaushalte ein Bild des Königs an die Wand gehängt habe, von dem Moment an habe ich verstanden, warum er so verehrt wird.bin mit meinen Gedanken wieder total abgeschweift. Ich wollte ja über Tuck schreiben, aber irgendwie möchte ich auch, dass du etwas Hintergrundwissen kriegst, was du brauchst, um zu verstehen, was hier passiert, wie mein normales Leben hier war, mein Umfeld, meine sozialen Kontakte.

Tuck - nie mehr „Ware Mensch“!

Wenn ich nun über Tuck schreiben werde, werde ich zum ersten Mal die knallharten Worte über Sex etc. benutzen, nur damit allen klar ist, was es heisst, eine „Ware Mensch“ zu sein. Da kommen die tiefsten Abgründe zum Vorschein. „Ware Mensch“ hat nichts mehr mit Mensch zu tun. Seit ich seine Geschichte kenne; nein nein, ich könnte es nicht, ich könnte es nicht, ich werde es nie tun! Nicht mit „Ware Mensch“. Dann würde ich mich wie ein Tier fühlen und genau dahin gehören, wo mich die Presse jetzt hinstellt.


Rettung aus Knabenbordell

Also Tuck, bevor wir abgehauen sind; es war in einem Drive-In, wo unten die Autos parkiert werden, ein Vorhang gezogen wird, damit man keine Nummernschilder lesen kann, oben jeweils ein Zimmer. Man hat mich mit dem Tuck-Tuck dahin gefahren, mich ins Zimmer gebracht und dann so 30 Minuten später den Jungen gebracht. Er war so 13 Jahre alt. 100 Dollar und du kannst tun was du willst, er muss nur noch gehen können, alles andere egal, sagt der Typ bevor er die Türe hinter sich zumacht. Im Zimmer gibt’s eine Dusche, ein breites Bett, sonst nichts. Da steht er also, der Junge mit ernstem Gesicht, mager. Er will ab in die Dusche, sich ausziehen und duschen. Irgendwie hat mich sein Gesichtsausdruck berührt, keine Ahnung warum. Ich versuche mein Englisch und frage ihn, was er denn gerne möchte. Er zuckt mehr oder weniger mit den Schultern, ich setze ihn aufs Bett, lege meine Hànde auf seine Schultern, schaue ihn an. Bereits jetzt ist es vorbei, kein sexuelles Interesse mehr, der Junge interessiert mich mehr, keine Ahnung warum. Vermutlich diese Augen, der hoffnungslose Blick darin, da ist keine Freude, nur grenzenlose Leere in diesen Augen. Ich schaue ihn an und mache diese Fickgeste und verneine, schüttle meinen Kopf. Nein! Was willst du, frage ich ihn wieder und lächle. Es kommt ein stockendes „Go home“ raus. Da ist es für mich endgültig aus, ich fühle mich total mies, wie wenn ich der Letzte Dreck sei. Ich sage, komm mit mir. Er meint, das gehe nicht, der Typ wartet draussen. Ich überlege und schaue hinten raus. Da ist kein Gitter am Fenster. Frage ihn, woher er komme; Isan Chayapoon, die Reisregion. Überlegen was machen. Er sitzt immer noch so unsicher auf dem Bett. Hm, kommen wir beide hinten raus? Es sind so Glasfenster, waagerechte Glasplatten, die man drehen kann, gibt’s in CH bei Kuhställen. Die Halter waren aus Alu, so haben wir die Gläser einfach demontiert. Der Junge hatte echt panische Angst und ich musste ihn beruhigen. Also dann ab hinten raus, über den Balkon des Nebenzimmers runter und ab über die rückseitige Mauer. Sofort ein Taxi organisiert und damit zur Nordbusstation. Da hab ich ein Busticket nach Chajapoon gekauft für den nächsten möglichen Bus, dem Jungen 3000.- Bath in die Hand gedrückt und ihn in den Bus gesetzt. Er fragte mich, woher ich sei und ich hab nur Patong gesagt. Er fährt mit dem Bus in die andere Richtung, zum ersten Mal ein Leuchten in seinen Augen, ein ganz anderer Gesichtsausdruck, etwas, was mir innerlich Freude macht. Das war mein erster und letzter Versuch, die „Ware Mensch“ zu kaufen.

Tucks Rückkehr

Nur, die Geschichte ist bis heute nicht zu Ende. Sie ging 2 Monate später weiter. Er ist irgendwann plötzlich in unserem Laden in Patong gestanden, 1000 km von zuhause weg, abgerissen, schmutzig. Hat sich durch die halbe Insel gefragt und mich irgendwann gefunden. Zuhause keine Arbeit, keine Zukunft bei seiner Familie. In dem Alter müssen sich da die meisten selbst durchbringen. Und an einen der sogenannten Arbeitsvermittler, die den Eltern Geld geben und die Kinder müssen dann die Schulden abarbeiten, wollte er sich nicht mehr ausliefern. So hat er sich auf eigene Faust durchgeschlagen.
Wie weiter, was soll ich tun, habe ich mich da fragen müssen. Eine schwierige Situation. Also habe ich ihn erst mal nach Hause in mein kleines Zimmerchen genommen, ein paar Kleider auf dem Markt organisiert. Immer die Frage im Kopf, kannst ihm trauen, wird er dich beklauen... Was absolut keine Seltenheit wäre. Wird er dich versuchen zu erpressen; nicht 15, kann er nicht bei dir zuhause sein; das ist ja, was sie mir jetzt vorwerfen mit dem Burmesen.ich vom Markt zurückkam, sitzt er auf dem Bett, mit nur einem Handtuch bekleidet, er hat in der Zeit als ich einkaufen ging seine und meine Kleider gewaschen, mein Zimmer aufgeräumt. Ein irgendwie verträumtes Lächeln im Gesicht. Er schaut auf die Plastiktüte; Kleider? Für mich? Alles mehr mit Gesten und basic english. Was, auch Unterhosen? Die wenigsten hier tragen vor 15 oder 16 Unterwäsche; für das muss man ein Mann sein. Kleider sind ja für uns Ausländer günstig, ich habe zu der Zeit das 10fache eines Thai-Familienvaters verdient, das meiste davon mit Kumpels und Kunden versoffen, so waren die paar Kleider soviel wie 3 Biere in der Mouri Bar. Bis zu dem Zeitpunkt habe ich mit und unter Ausländern gelebt, praktisch keine Ahnung vom Leben der Thais gehabt. Dann kam die Frage auf, was mache ich mit ihm, was will er lernen, arbeiten...

Verantwortung für Tuck’s Bildung, Versorgung

Zudem brauchte er eine Genehmigung der Eltern, Papiere um hier sein zu können, was sich als das kleinste Problem herausgestellt hat. Das andere, er wollte lernen, zur Schule gehen. Irgendwie haben wir es geschafft, dass er da zur Schule gehen konnte, es hat gedauert, aber irgendwie... du weißt, ein bisschen hier, ein Couvert da, das übliche in diesen Ländern. So 6:30 auf den Schulbus, ich an die Arbeit. Es ging gerade 3 Monate gut, dann kam er fast weinend nach Hause; sie hatten ihn aus der Schule geworfen, hat den Lehrern widersprochen und er hatte eine Riesenangst, dass ich ihn nun auch rauswerfen würde. Es hat sich herausgestellt, dass der Lehrer das typische Thai-Nationale hervorgehoben hat, die einzige Nation mit Kultur, wir Ausländer seien alles Barbaren. Nun, damit hatte der Lehrer nach Tucks Meinung mich beleidigt und er hat eigentlich nur mich verteidigt. Oi oi, war das ein Theater. Da wir da eh daran gedacht haben, umzuziehen, weil meine Firma am Hafen 150 km nördlich die Schiffe stationiert hat, hab ich’s so belassen. Wir sind nach Typ... gezogen, ja ja, das Dorf, wo man mich Jahre danach verhaftet hat. Nun ja, was davor passiert ist, muss ich hier auch noch erzählen.
Wir hatten ja nur ein kleines Zimmer, Tisch, Stuhl, meinen Uralt-PC mit dem ich eben in diesem erwähnten Chat war. Irgendwann in diesen Monaten; Tuck und ich haben ja im gleichen Bett gepennt, nein, da war eben nichts, für mich war es absolut klar, dass er garantiert keinen Sex braucht. Das musste er als halbes Tier erleben, Wärme, Zuneigung ja, Sex nein. Er ist aber plötzlich nachts näher gerückt, hat Annäherungsversuche gemacht, ich habe total, aber wirklich total blockiert. In meinem Kopf war: will er mit dem bezahlen was ich für ihn tue? Das darf nicht sein. Gespräche haben fast nichts gebracht, der Junge kannte ja meine Neigungen, sonst hätten wir uns ja nie kennen gelernt.

Tuck - Erinnerung, Phantasie...?

Juni 06. Weißt du, das tönt irgendwie fade, blöde, es ist schwierig, seine Gefühle zu beschreiben. Nachträglich sieht es immer irgendwie komisch aus. Wenn man Gefühle, Erinnerungen niederschreibt, ist da nicht etwas von meinen heimlichen Wünschen hängen geblieben? Was ist echt, was ist deine Erinnerung, was Phantasie? Wunschträume? Wenn ich jetzt durchlese, was ich die letzten Tage geschrieben habe, sehe ich wie viel ich da nicht geschrieben habe. In deinem Kopf bleibt das Gute und eventuell extrem Schlimme hängen. Eins muss dir klar sein, es ist nicht einfach, so einen Strassenjungen im Haus zu haben. Ich war einige Male am Ende meiner Nerven. Sie haben trotz allem ihren Stolz, eine Art Stammeszugehörigkeit. Das kannst nicht ändern. Und sogar da, am absolut untersten Ende der sozialen Schicht habe ich es erlebt. Das Teilen mit jenen, die noch weniger haben, das kleinste Restchen von Essen etc.

Tuck - Chaträume

Also weiter mit Tuck. Ich war fast jeden späteren Abend im vorgenannten Chat und irgendwann hat sich Tuck zu mir gesetzt und gefragt, was ich da tue. Ich hab’s ihm erklärt, den Leuten da gesagt, dass er neben mir sitzt und höchstens ein bisschen Englisch versteht. Genau in diesem Chat habe ich versucht, die Meinung anderer zu meinem Problem mit Tuck zu hören. Das meiste, das da kam, waren die üblichen frustrierten Sprüche, wie, dann f... ihn doch etc. Nur ein Einzelner hat versucht, darauf einzugehen. Tuck wollte auch mal ran und so hat er versucht, da mit diesen zu plaudern, von wie alt bist du, wo wohnst du etc., einfach das Minimum. War eigentlich recht lustig.
Ich habe da diesem Chater etwa das erzählt, was ich hier geschrieben habe und warum ich so blocke, wir hatten offene lange Gespräche. Es war gut so, ich konnte jemandem über meine Probleme sprechen, das hilft einem viel. Es ist wie Druck ablassen. Und schon schweife ich wieder ab.war so, dass er eines Tages, als ich abends mit Kunden durch die Bars von Butony gezogen bin, begonnen hat, auf eigene Faust da zu chaten, mit meinem Englisch-Thai-Lexikon als Hilfe. Ich habe das erst ein paar Tage später bemerkt, das Lexikon zerfleddert, alle möglichen Notizen im Abfall. Ja er hat genau mit dem Chater, mit dem ich da gesprochen habe, gechatet. Der hat versucht, ihm zu erklären, warum ich so ablehnend sei (ich hab die Logfiles gelesen, ihm aber nie gesagt). Es hat wirklich zur Entspannung der Situation beigetragen.

Umzug, gemeinsamer Haushalt, Schule, Marinestipendium

Zurück nach Tap Lama. Mit einer Minimaleinrichtung, was wir gerade so hatten, sind wir da eingezogen in das Haus, ein Liegestuhl, eine Matratze, ein Tauchsieder, ein paar Teller und Besteck und meinen damals schon Uralt-PC. Also, wie du siehst, das Existenzminimum, aber viel mehr braucht man nicht um sogar glücklich leben zu können. Mit Resten von einem Schiffumbau habe ich einen Tisch gebaut, mein Nachbar hat Plastikstühle gebracht und so sind die ersten Kontakte entstanden. Weißt du, das Leben spielt sich hier draussen ab. Dann kam wieder die Frage nach Schule; das Dorf liegt neben der Marinebasis, die hat eine eigene Schule für Kinder der Mitarbeiter und Offiziere. Ja ja, die Eliteschule.
Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, aber er wurde aufgenommen. Klar, dass ich die Schule bezahlen musste, war nicht billig. Da ist dann was ganz anderes zum Vorschein gekommen, der „andere Tuck“, ein Streber würde man es bei uns nennen. In einem Jahr den Stoff der verpassten 3 Schuljahre aufgeholt, der PC bei mir zuhause sein Revier für Aufgaben, Darstellungen etc. Papierverschleiss ohne Ende. Aber weißt du, ein liebenswerter Streber, in der Freizeit mit den Dorfjungs fischen, baden. Er hat bis heute nicht vergessen, was es heisst, im Dreck am untersten Ende leben zu müssen.den sogenannten Pflicht-Schuljahren hat er ein Marinestipendium gekriegt und ist nach Satatip, die grösste Marinebasis-Schule gezogen, in ein Internat, seine Ferien hat er immer bei mir verbracht. Ja, nun ist er 22 Jahre alt, bereits Leutnant und will unbedingt Kapitän werden.


Besuch im Gefängnis, Rückblick auf Mo’s Mutter und die Jungs

Er war hier. Ich habe und musste ihm deutlich machen, dass es eventuell nicht gut für ihn und mich ist, wenn er mich hier besucht. Weißt du, er kennt Nock und Ganu und die ganze Meute, er hat eingesehen und begriffen warum ich nicht will, dass sie vor Gericht kommen müssen. Meine Gefühle als er hier war, kann ich irgendwie nicht beschreiben. Ich habe es irgendwie noch nicht verarbeitet. Weißt du, ich lese das durch, es ist irgendwie wie ein fliegender Schluss, aber wie soll ich diese 8 Jahre in einen Brief packen, beschreiben, erklären? Wenn ich es jetzt so von Weitem ansehe, waren sie irgendwie meine Familie, nur die Mutter hat gefehlt. Aber wen sie da war, meistens die Mutter von Mo oder die von Uh, war es irgendwie komplett. Mo’s Mutter hat die Jungs durchs Haus gejagt, ausgekitzelt, Uh’s Mutter hat Ringkämpfe mit den Jungs gemacht, sie hat gekocht und wir sind im Kreis am Fussboden im Schneidersitz um die Essenspötte gesessen, ich, Mo’s Mama und 5-6 Jungs. Ja klar, nach dem gemeinsamen Mittagessen mussten sie wieder aufs Fischerboot, die ganze Nacht arbeiten. Aber in ihren Augen, Gesichtern siehst du da eine Freude und Zufriedenheit.
Ja, ich sage es, man kann in Kinderaugen alles sehen, wenn man will! An Manu, dem Jungen, den ich da nach dem Tsunami aufgelesen habe, war es überdeutlich zu sehen. Klein, so 145 gross, aber muskulös, nicht dick gebaut, so etwa 13 Jahre alt. Ein ganz anderer Hintergrund, er hat Familie, Vater, Mutter, Brüder und geht mit ihnen gemeinsam arbeiten.
Für diesen Brief reicht’s. Ich werde ihn in ein bis zwei Tagen absenden, wenn ich wieder zu Briefmarken komme. Nebst der roten Augenepidemie (es werden alle isoliert) ist nichts neues. Grüsse von B.

Kaems Treue, Hilfsbereitschaft - Suizidgedanken



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