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VORWORT
(im Nachtrag am 1.August 2008)

Aus  1.August-Gedanken eines nicht unbedeutenden Zeitungsmannes zitiere ich folgende Worte und stelle diese hier als Denkanstoss an den Anfang einer Korrespondenz mit dem Chefredaktor einer Schweizer Zeitung:

"Unbequeme und überraschende Ideen werden nur zur Kenntnis genommen, wenn ihre Urheber über Glaubwürdigkeit verfügen - nur dann zählen sie zur wirklichen Elite. ... Schliesslich bleiben die Intellektuellen und die Kulturschaffenden. Sie beklagen sich, im bunten Medienzirkus nicht gehört zu werden. Nachdenkliche Stimmen haben es im Online-Zeitalter der Millionen von schnellen Meinungen tatsächlich schwer." (Quelle)


ZUSAMMENFASSUNG:


Ein vielbeachteter Journalist war bereit zu einem Interview mit mir. Er  plante dies mit folgendem Titel und Einführungstext: 
"Pädophile werden auf ihren Trieb reduziert
Der pädophile Theologe S. L.* fürchtet, dass nach den Vorkommnissen in der Westschweiz die Kirche hinter jedem Bagatellfall sexuelle Ausbeutung wittert. Und das Verantwortungsbewusstsein der Pädophilen ignoriert."

Das Interview durfte nicht erscheinen. Der Chefredaktor fand es zu einseitig,
"weil nur ein Pädophiler zu Wort komme und kein Opfer! " In einer Folge-Korrespondenz mit dem Chefredaktor lehnte dieser jede weitere Kommunikation und ein Zurückkommen auf seinen negativen Entscheid ab mit folgender Begründung:

"Entscheidender Punkt in meinem Widerspruch ist Ihr Abschnitt, in dem Sie sich als "Experte der Pädophilie" bezeichnen, da Sie selbst ein Pädophiler seien. Ich habe dazu eine andere Auffassung: Sie sind für mich kein "Experte", sondern ein potentieller "Täter". Genauso argumentiere ich in der Drogen-Debatte: Ein Drogen-Konsument ist per se kein "Experte" - und umgekehrt erwarte ich von einem Drogen-Experten nicht, dass er selbst LSD oder Heroin konsumiert "



DOKUMENTATION:
Am 02.2.2008 schrieb ich einem Journalisten, den ich wegen seiner kritischen und reflektierenden Berichterstattung bereits seit Jahren besonders beachte:


Sehr geehrter Herr Y

Die heutigen Presseberichte zum  "Genfer Kirchenskandal" geben mir Anlass, Sie anzufragen, ob Sie diese Problematik nicht einmal aus der Sicht der „Pädophilen“  betrachten könnten!
 
Was ich im aktuellen Fall genau beobachte, sind vor allem zwei Fakten:

Das eine ist der immer noch so beliebige Umgang mit dem Begriff "Pädophilie". Da kann ich Ihnen  ein Kompliment machen: Sie wissen zu differenzieren zwischen „pädophil“ und „pädosexuellen Übergriffen". Anders verhält es sich aber mit dem Begriff "Pädophilieverdacht", der in den letzten Tagen fast in jedem einschlägigen Bericht vorkam.

Dieser Begriff führt nahtlos hinüber zu dem, was der Scharfmacher und spätberufene Offizial des Bischofs von Genf  wohl als ein Ding ansieht, das ihm auf Erden wie Im Himmel Ehre und Dankbarkeit einbringen soll:

Die Errichtung eines „Kainszeichens“ für alle pädophilen kirchlichen Mitarbeiter: Er will eine "Datenbank über pädophile Priester schaffen und mit den römischen Stellen kooperieren." Also auch auf diesem Gebiet Wiederbelebung der Inquisition!

Meine Frage an Sie:
Wäre es nicht an der Zeit, einmal von anderer Stelle

1. dafür einzutreten dass endlich einmal klar und wissenschaftlich (und menschenwürdig) differenziert wird zwischen einer pädophilen Veranlagung (meinetwegen kann man sie auch "Prägung" oder "sexuelle Deviation" nennen usw.) und einer "pädosexuellen Gewalthandlung". Dann könnte es vielleicht auch dem skandalgeilen "letzten Menschen" einmal einleuchten, dass nicht jeder "Pädophile" ein potenzieller Verbrecher ist, genauso wenig wie bereits die Bezeichnung "heterosexuell" skandalträchtig wäre! (Interessant ist ja, dass "heterophil" eine kaum gebrauchte Bezeichnung ist - wohl weil sie mit der so selten gewordenen echten Liebe zu tun hat...?)

2. dass die von Offizial Betticher (und wohl nicht wenigen anderen...) gewünschte Liste ein menschenrechtlich sehr fragwürdiges, wenn nicht gar verbotenes Mittel ist und ganz bestimmt einer "allumfassenden Kirche" und einer christlichen Grundhaltung absolut unwürdig ist!

3. wäre auch endlich einmal ganz klar zu unterscheiden zwischen einer Tat-sächlichen pädosexuellen Vergewaltigung und pädophilen Gefühls-Handlungen! Auch wenn "handliche Übergriffe" für das "Opfer" psychische Folgen haben können, so müsste hier relativiert werden und nicht zuletzt müssten auch einmal objektive, nachgeprüfte Statistiken aufzeigen, ob psychische Schäden wirklich vom "Täter" ausgehen oder nicht eher von der Skandalisierung und Folgeuntersuchungen eines "Falles", der vielleicht gar keiner, oder eben nur ein „menschlicher Fehl-Griff" war!

4. Es müsste auch einmal eine Statistik erstellt werden über die mediale Berichterstattung von diesen sogenannten „Pädophilie-Skandalen“ und dem, was daraus geworden ist. Wenn es nicht gerade Morde waren, wird man kaum je wieder etwas vernehmen über die wirklichen Schäden, die für die Opfer entstanden sind. In nicht wenigen Fällen fanden nämlich „Opfer“ und „Täter“ in sehr einvernehmlicher, ja freundschaftlicher Verbundenheit, wieder zueinander! (Das könnte ich mehrfach belegen und hat auch Lautmann in seinem verfehmten Buch „Die Lust am Kind“ nachgewiesen!)

5. Ich bin der festen Überzeugung, dass viele Medienleute und Akademiker ihren Posten quittieren müssten, wenn sie auf anderen, populäreren Fachgebieten so schluddrig recherchierten und so niederträchtig rapportierten, wie dies meistens geschieht, wenn in einer Skandalflaute wieder mal die Zeit für eine "Pädophilenjagd" fällig ist...!

So hoffe ich auf eine weiter seriöse Berichterstattung, wenigstens von Ihnen und würde mich sehr freuen, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen.

Mit herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit - und gerne zu Ihren Diensten - grüsst Sie freundlich,   tinjo

Auf dieses Mail bekam ich am 05.02.2008 folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr tinjo,
Vielen Dank für Ihre Gedanken, manchen kann ich folgen, anderen weniger. Ich bin aber kein Experte auf diesem Gebiet.Sollte sich das Thema weiterhin in den Medien halten, müssten wir uns Gedanken machen , auch mal eine Stimme wie die Ihrige zu Wort kommen zu lassen.
Ich würde mich bei Ihnen melden.
Herzlichen Dank und Gruss,Y

Meine Antwort gleichentags:

Sehr geehrter Herr Y,
Für Ihre schnelle Antwort danke ich Ihnen herzlich.

Ich verstehe gut, dass Sie nicht alle meine Ansichten teilen können. Das ist ja genau das Problem aller Minderheiten: "Normal" ist, was der Norm, also dem entspricht, was für die Mehrheit (gedanklich) nachvollziehbar ist. Es wäre anmassend, wenn eine Minderheit erwartete, dass man sie voll akzeptiert, also der Norm gleichsetzt! Ein Schweigen der Minderheiten hat jedoch einen Doppeleffekt zu deren Ungunsten:  Sie bleiben weiter  "Exoten", weil sie nur dort auffallen, wo sie im (Medien-)Rampenlicht stehen, dort bestaunt oder verachtet werden und dann wieder. in ihrem Ghetto verschwinden ...
Und weil sie sonst schweigen, wo der Alltag der "Normalen" beginnt, bleiben sie weiter der Kritik ausgesetzt, die sich allein an der Norm orientiert. 
Es freut mich sehr, dass Sie die allfällige Notwendigkeit sehen, dass bei einer objektiven Betrachtung der Problematik auch Experten zum Wort kommen sollten, die aus eigener Betroffenheit und entsprechender Lebenserfahrung sprechen können.

Das Thema müsste eigentlich genau jetzt in den Medien bleiben. Doch die Gefahr ist gross, dass - nach dem aktuellsten Vorfall, dem Suizid des Priesters - erst einmal wieder der  Deckel des Schweigens auf  das Übergekochte  kommt und  auf kleiner Flamme  alles warm gehalten wird, bis wieder ein den Medien eher schmeichelnder  Vorfall zu neuem Aufkochen reizt!

Ich vergass, Sie noch auf meine Homepage aufmerksam zu machen, wo ich das aktuelle Geschehnis aus meiner Sicht kommentiere:      http://www.tinjo.ch/herg_kapuz.htm

Gerne bin ich zu gegebener Zeit bereit, mit Ihnen wieder in Kontakt zu treten
Mit freundlichen Grüssen, tinjo

Darauf erhielt ich einen Anruf dieses Journalisten. Nach dem Suizid des Priesters war nun auch er daran interessiert, einmal mit einem „Pädophilen“ zu sprechen und nicht nur erst mit sogenannten „Pädophiliefällen“ konfrontiert zu werden. Darauf fand ein Treffen bei mir zuhause statt. Nach einem vierstündigen Gespräch erstellte der Journalist ein Interview, das ich zur Begutachtung bereits am  13.02. zugesandt bekam. Es waren aus meiner Sicht nur wenige Änderungen nötig. Der Journalist schrieb darauf am 13.02.2008:

Lieber Herr tinjo,Freut mich, wenn ich Sie nicht verzeichnet habe. Könnten wir morgen in derFrüh miteinander telefonieren - so gegen 8. 30 Uhr?Herzlichen Dank und bis später, Y

Es war also alles auf dem besten Weg.
Das Interview sollte übermorgen erscheinen  
Doch es kam anders.Ich suchte in der Zeitung vergebens.
Das führte am 18.02.2008 zu einer Nachfrage beim Journalisten:


Lieber Herr Y,
Wissen Sie, wann unser Interview nun erscheinen wird?

Ein interessantes Interview zum Thema ist übrigens im Beobachter zu finden (
http://www.beobachter.ch/artikel.asp?session=30632085-F0C3-4EDC-B8B3-D9E4CF96ECE1&AssetID=12304 )

Da muss ich mich wohl nochmals genauer informieren, wie sich das mit den Melde-Bedingungen  bei einem Offizialdelikt verhält. Wenn Riklin Recht hat, wäre das gerade nochmals Grund genug, "der Kirche" Vorwürfe zu machen, dass sie nicht intern selber besser zum Rechten schauen kann und ihre schwarzen Schäfchen der weltlichen Macht ausliefern will!

Was mich natürlich stört bei Riklin, ist seine Pauschalmeinung zu "den Pädophilen"!    

Dass ich es mit meinem Engagement auch mit  dummen und "gefährlichen" Leuten zu tun bekomme, habe ich  gerade wieder erfahren, dokumentiert im Beitrag hier.

Nun bin ich gespannt, wie es weitergeht mit unserem Interview!

Freundliche Grüsse, tinjo

Auf diese Nachfrage telefonierte mir der Journalist und informierte mich über die entscheidende Redaktionssitzung. Alle Redaktorinnen und Redaktoren fanden das Interview gut und richtig.

Ausser dem Chefredaktor..!

Und wenn der Chef nicht will, dann müssen sich die Untergebenen ducken…
 
Das führte mich am 27.02.2008  zu folgendem Schreiben an den Chefredaktor:

Sehr geehrter Herr Chefredaktor,
Sie gehen nicht nur etwas hart um mit ihrem Journalisten, sondern auch mit mir, wenn Sie das wohldurchdachte und nach recht langem Zusammensitzen entstandene Interview zum Thema Pädophilie einfach ablehnen!
Ich schreibe Ihnen  aus aktuellem Anlass  - im Anschluss an die Ausstrahlung des "Zischtigclub" vom 26.02,2008, das dieses Thema berührte.

Hier zeigte sich einmal mehr, dass Pädosexualität nur aus der Perspektive  „sexuelle Übergriffe“ wahrgenommen wird und somit also Pädophilie gar nie als „Philie“ zur Sprache kommt. Das „Problem Pädophilie“ wird in jedem Fall als kriminelle Tat qualifiziert und auf die Sexualität reduziert, und so muss es scheinbar auch bleiben.

In diesem "Zischtigsclub" kam zur Sprache, dass es für viele Priester eine tägliche Aufgabe ist, sich an ihr Versprechen zum zölibatären Leben zu halten und sich dieser Anforderung zu stellen, ohne sich in den negativen Seiten dieser Lebensart zu verkrampfen. Ein Kapuzinerpater fand es sogar sehr wichtig, dass er Kontakte zu Frauen pflegt - natürlich in der Distanz, die ihm das Zölibat auferlegt. Der Psychotherapeut Udo Rauchfleisch schliesst - was auch meine Ansicht ist - nicht aus, dass durch das Zölibat auch "normal" veranlagte Priester in Versuchung kommen, sich an Kindern zu vergreifen, weil ihnen eine Beziehung zu einer Frau verwehrt ist. (Ich würde sogar behaupten, dass die meisten wirklich folgenschweren Übergriffe darauf zurückzuführen sind.)  Bezeichnenderweise machte gerade er darauf aufmerksam, dass man nicht von Pädophilie, sondern von Pädosexualität sprechen sollte und diese nicht gleichzusetzen sei mit einer pädophilen Veranlagung.  Es kam aber auch  ihm kein Gedanke, dass es auch Priester geben könnte, die ihre pädophilen Neigungen im Griffe haben könnten. Im Gegenteil: Auch er plädiert strikte auf ein Verbot, Pädophile je wieder in Arbeitskontakte mit Kindern zu bringen.

Sie haben mein Mail an Ihren Journalisten gelesen, in dem ich ihm meine Beweggründe mitteilte, weshalb die ganze Problematik einmal von einer anderen Seite her zur Sprache kommen müsste.

Zudem werden Sie in diesem Schreiben eine Bemerkung finden, weshalb ich z.B. auch eine Überschrift in einer Meldung in den Medien von gestern als diskriminierend empfinde: 

"Primarlehrer unter Pädophilie-Verdacht".

In gleicher Sache habe ich schon einmal an eine Redaktion geschrieben und hatte Erfolg, der aber scheinbar nicht anhält:
 http://www.tinjo.ch/da_aenderung.htm

Vor Jahren gab es in Ihrer Zeitung einmal einen Bericht über eine pädophile Beziehung, in der weder von Tätern noch von Opfern die Rede war. Darauf gab es nicht nur negative Reaktionen.
Grosse gesellschaftliche Veränderungen in den Ansichten zu solchen Beziehungen waren zwar damals so wenig zu erwarten wie jetzt. Und dies vor allem deshalb, weil von allen Seiten her weiterhin eifrig darüber gewacht wird, dass sich einmal eingebürgerte Ansichten - mögen sie noch so falsch sein - nicht Schaden nehmen! Ich behaupte - und könnte das mit vielen Beispielen belegen - dass auf keinem anderen Gebiet in den Medien ein solch unsachliches und wissenschaftlich schluddriges  Durcheinander akzeptiert wird, wie dies bei Meldungen über "Pädophilie" möglich ist und auch an oberster Stelle toleriert wird. Es muss scheinbar einfach Tatsache bleiben, dass jeder Pädophile ein Pädokrimineller ist und bleiben wird, wenn er nicht durch die Mange jener Fachleute geht, die wissen und dafür sorgen, wie er zu sein hat und was er darf und was nicht.

Weshalb darf ein "Pädophiler" nicht mit Kindern umgehen? Weshalb darf er seine Ansichten nicht genauso frei äussern, wie dies jedem "Normalen" zugestanden wird? Ist denn jeder "Pädophile" ein "geistig Zürückgebliebener", wie es  die Bischofskonferenz in ihrem Fachbericht zum Thema "Sexuelle Übergriffe in der Kirche" behauptet?

Ich bin heute bereit, mich mit meinem Namen zu meinen pädophilen Neigungen zu bekennen, weil ich existenziell nicht viel zu verlieren habe und mir nicht gar so wichtig vorkomme, als dass ich deswegen meine Unversehrtheit oder gar mein Leben in Gefahr zu bringen befürchte!  Es müsste eigentlich so selbstverständlich sein, wie wenn ich mich als Homophiler oder Heterophiler  bezeichne. Interessant ist ja, dass letztere Bezeichnungen "altmodisch"  wirken. Liebe spielt hier also scheinbar eine Nebenrolle!
Weshalb also darf ein Mensch, dem "Philie" mehr bedeutet als „Sex“ sich nicht offen äussern über seine Gefühle, weshalb werden etwas provokative Aussagen von solchen Menschen auf die Goldwaage gelegt oder eben  ausser Reichweite der Öffentlichkeit gekippt?

Selbstverständlich werden mit solchen Aussagen die wirklichen Probleme nicht gelöst, die es zu lösen gilt, wie oder wenn es zu pädophilen Übergriffen kommt. Wenn man aber die ganze Problematik einmal etwas nüchterner, sachlicher und objektiver anginge, könnten sich  langsam - aber nach meiner Ansicht sicher -  die Auswirkungen  wesentlich  zu Gunsten aller Betroffener und auch der ganzen Gesellschaft ändern.

Aber es braucht den Mut, heikle Themen aufzugreifen!
I
n der NZZ am Sonntag hat dies z.B. am 3.Februar Mathias Ninck  tun dürfen mit seinem  Hintergrund-Artikel: "Der Strafvollzug steckt in der Sackgasse der Angst."  (oder hier)
Endlich  hatte  einmal eine Zeitung den Mut, das Thema aufzugreifen, dass erstens Verwahrte, insbesondere verwahrte Gewaltsverbrecher  - entgegen der Volksmeinung  (und  den damaligen Behauptungen unseres Ex-Bundesrates Blocher) im schlimmsten Fall lebenslänglich wie Strafgefangene "gehalten" werden, ohne jegliche "Haft"erleichterungen. (Auch wenn er dies - bezeichnenderweise -  etwas unkorrekt dadurch tat, indem er die Ausdrücke "Gefangener" und "Verwahrter" vermischte.) Er wagte auch, darauf aufmerksam zu machen, dass ein Verwahrter, dem keine Chance mehr zur Bewährung geboten wird, auch nichts mehr zu verlieren hat und so vielleicht noch die grössere Gefahr für die Betreuer und die Gesellschaft wird, als wenn er  irgendwann wieder auf gewisse Freiheiten  Aussicht hätte. Und was wohl als das Mutigste zu bezeichnen ist: Seine zutreffender Hinweis, wo wirklich die meisten kindlichen Opfer zu suchen sind.

Aber das ist ein anderes Kapitel.

Vielleicht kommen Sie doch noch einmal auf  Ihren Entschluss zurück und überprüfen den Beitrag nochmals.

Es wäre eine Chance, die bestimmt Beachtung finden würde und nicht nur negative Reaktionen brächte!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüssen, tinjo

weil keine Antwort kam schrieb ich am 06.03.2008 dem Journalisten folgendes Mail:

Ihr gekipptes Interview mit mir... / mein Brief an den Chefredaktor

Guten Tag Herr X,
Am 27.2. habe ich Ihnen eine Kopie meines Schreibens an den Chefredaktor gesandt. Ich habe ihm dieses sowohl als Mail wie auch als Brief zukommen lassen und erhielt bis heute keine Antwort, auch keine Bestätigung für den Erhalt des Schreibens.
Dies verwundert mich doch sehr. Ich denke, dass er eine Sekretärin hat, der er doch zumindest eine kurze Antwort hätte diktieren können, dass er den Brief erhalten habe und nicht oder später darauf antworten werde!
Mich irritiert solches Schweigen, und ich frage mich, ob das mit dem Thema, bzw. mit der Haltung gegenüber einer Minderheit zusammenhängt, was doch recht bezeichnend wäre.
Der unsägliche Vorstoss Darbellay, von dem ich heute aus 10vor10 vernahm, ist ja ein haarsträubendes Beispiel mehr.
Ich frage mich wirklich, wohin diese wieder auflebende Hexenjagdmentalität noch hinführen wird.
Und die Presse schweigt dazu, bzw. heizt wacker selber mit an....

Freundliche Grüsse, tinjo

Dann aber kam ein am 14.3.2008 geschriebener Brief:

Sehr geehrter Herr tinjo
Ihr langer Brief, in dem Sie uns Ihre Meinung zur Pädophilie und der damit zusammenhängenden Problematik von homosexuellen Priestern darlegen, hat mich sehr beeindruckt.
Trotzdem bleibe ich bei der Auffassung, dass unsere Entscheidung, den Beitrag in dieser Form abzusetzen, richtig war.
Schutz der Kinder hat in allen Fragen der Sexualität, der Gewaltanwendung allererste Priorität.  Der in der vorliegenden Form abgefasste Beitrag hätte einen falschen Eindruck erwecken können, Mit anderen Worten: Es ging uns überhaupt nicht darum, das Thema nicht im .unserer Zeitung  abzuhandeln. sondern ausschliesslich um die Art und Weise.
Mit der Absetzung haben wir ganz einfach unsere journalistische Verantwortung wahrgenommen.Ich bin sicher, dass wir auch in Zukunft über diese wichtige und tragische Problematik berichten und einen neuen journalistischen Zugang finden werden.
Mit freundlichen Grüssen,  YZ,   Chefredaktor

Auf eine solche Antwort fand ich jede weiter Diskussion zwecklos.
Dieser Chefredaktor ist in seiner Argumentation das beste Beispiel dafür, dass man in dieser Problematik auf eine Weise argumentieren darf, die auf jedem anderen Gebiet als dogmatisch und dilettantisch eingestuft würde. Was habe ich ihm u.a. geschrieben?  „Hier zeigte sich einmal mehr, dass Pädosexualität nur aus der Perspektive  ´sexuelle Übergriffe´ wahrgenommen wird und somit also Pädophilie gar nie als ´Philie´ zur Sprache kommt. Das ´Problem Pädophilie´ wird in jedem Fall als kriminelle Tat qualifiziert und auf die Sexualität reduziert, und so muss es scheinbar auch bleiben.“
Der vielbeschäftigte Herr Chefredaktor hat natürlich keine Zeit, Argumente zu lesen, die seine eigenen In Frage stellen. Muss er wohl auch nicht. Er redigiert ja eine traditionsreiche Zeitung, in der Tradition und Populismus mehr einbringen als Gesellschaftsreformvorstösse, die dieser gegen den Strich und hinter den Balken vor dem Hirn gehen...
Dann aber geschah, was hier nachzulesen ist.
So konnte ich es nicht bleiben lassen, die Angelegenheit nochmals aufzunehmen und schrieb am 14.06.2009 dem Chefredaktor folgendes Mail:
 


Sehr geehrter Herr Chefredaktor,

Im Februar dieses Jahren hat Ihr Journalist, Herr X,  mit mir ein Interview verfasst unter dem Titel:"Pädophile werden auf ihren Trieb reduziert“

Am 14.März haben Sie mir u.a. geschrieben:
"Es ging uns überhaupt nicht darum, das Thema nicht in unserer Zeitung abzuhandeln, sondern ausschliesslich um die Art und Weise. Mit der Absetzung haben wir ganz einfach unsere journalistische Verantwortung wahrgenommen."

Ich hatte auf diese Antwort nicht reagiert, weil ich es zwecklos fand. Resignation meinerseits, wie ich sie seit langem hinnehmen muss, wo ich versuche, das Thema "Pädophilie" in eine Diskussionslage zu bringen, die nicht nur dem so unantastbaren (auch von mir geforderten) Kinderschutz entspricht, sondern auch der Würde eines erwachsenen Menschen, sogar eines "Pädophilen", auch wenn dieser einmal etwas Widerrechtliches tat! Jedem Mörder - und schon gar jedem, der einmal auf andere Weise Kinder geschädigt oder verletzt hat, wird dies zugestanden.
Nun aber hat der Presserat wieder einmal entschieden, wie mich überhaupt nicht wundert: Er schützt die Presse, auch wenn sich ein wegen einem längst juristisch und strafrechtlich geregelten ehemaligen Vergehen ein Mensch(!) das Leben nimmt! Die Presse hat - wie Sie mir und Herrn X. gegenüber  -ihre "journalistische Verantwortung wahrgenommen, indem sie  über etwas orientierte, das längst "erledigt" ist, aus "scheinheiligem Verantwortungsbedürfnis", das Volk über die Risiken zu informieren, das es eingeht mit einem solchen Menschen !  (Besser also, er ist jetzt tot, es war ja kein Mensch, jedenfalls keiner, dem "man" "NORM"ale Rechte zukommen lassen muss !)

Einem solchen Menschen einmal einen anderen "Nachruf" zu ermöglichen, wie es Herr X. in mutiger und sehr verantwortlicher Weise versuchte, wollten Sie nicht!
(Nochmals, was ich Ihnen schon in meinem ersten Brief geschrieben habe und Herr X. auch offen liess: Änderungen wären ja immer noch möglich gewesen und hätte ich auch gerne akzpetiert!)
Ich weiss nun nicht, ob Sie Herrn X. zu diesem Presseratentscheid etwas zu schreiben, oder er dies bereits getan hat. 
(Anmerkung tinjo: Dieser Presseratsentscheid war nach meinen Nachforschungen keiner „normalen“ Zeitung einen Kommentar wert…)  
Ich kann Ihre Zeitung nur noch über den frei zugänglichen Teil im Internet lesen. Das über Jahre, ja Jahrzehnte gehabte Abonnement habe ich aus Enttäuschung über Ihren rigorosen Entscheid nicht mehr erneuert. (Für Sie wohl  verkraftbar)

Herr X. wird Ihnen bestätigen können, dass ich in Bezug auf die Problematik "Pädophilie" sehr kompetent informiert bin und ich höchstens in dem Punkt "einseitige Kompetenz" aufweise, dass ich davon selbst betroffen bin und auch dazu stehe. Was auf jedem andern Gebiet eigentlich die beste Voraussetzung ist, Experte zu sein und (auch) angehört zu werden, wird gerade hier total gekappt und ignoriert. Wen wundert's, wenn genau jene "Pädokriminellen", welche ich in keiner Weise unterstütze, die aber alle andere Betroffenen ins schiefe Licht bringen, umso umsatzträchtiger in den Meldungen der Presserzeugnisse gierig breitgeschlagen werden?!

Es ist wirklich eine traurige und absolut menschenunwürdige "Scheinheiligkeit" seitens des Presserates, wie er schon notorisch unwissenschaftlich und ohne Beizug neutraler Begutachter und Experten - oder gar Betroffenen - über das Thema "Pädophilie" fachsimpelt. Merkt er nicht, wie er die Methoden der längst überwunden geglaubten Inquisition selbst praktiziert und gar fördert, während er dieselbe - wird so etwas aus kirchlichen Kreisen vermutet - scharf angreift und diese indirekt der "Scheinheiligkeit" bezichtigt?

Traurige Tatsache ist und bleibt, dass der Presserat mit fadenscheinigen, bzw. papiernen Kinderschutz-Floskeln über einen "Frei"tod hinausgeht, bzw. diesen in Kauf nimmt, zugunsten der Presse"frei"heit. Frage bleibt, wer in diesem Fall freier gehandelt  hat. Ich denke die Presse - und die hat kein Gewissen. Oder nur jenes vom Presserat, das zu verantworten mir nicht nur den Schlaf, sondern auch die Lebensfreude rauben würde...

(Ein anderes Beispiel dieser inquisitorischen Presserats-Praxis habe ich hier  kommentiert:
 http://www.tinjo.ch/bm_presserat.htm
Ein weiteres, noch viel Gravierenderes, das ich aus Persönlichkeitsgründen nicht veröffentlichen darf, habe ich bei meinen Akten).

Ich empfinde diesen neuesten Presseratsentscheid wirklich als widerlich und menschenverachtend, aber auch als eine erneute Bestätigung, dass "Pädophilie" in jedem Fall und immer ein Verbrechen ist, das nie verjährt und nie "abgesessen" oder verbüsst werden kann und keinem "Täter" auch nur die geringste Chance zugestanden wird, nach einem Gerichtsfall - und sei er noch so geringfügig gewesen - neu beginnen zu können ohne Angst, dass alles Vergangene wieder (durch die Medien!) hervorgeholt wird.

Ich bin zutiefst aufgewühlt von diesem neuerlichen Entscheid und der Weigerung der Medien, wirklich einmal differenziert über dieses Thema zu informieren, wie es auf  jedem anderen Gebiet nicht nur gang und gäbe, sondern journalistische Sorgfaltspflicht und gar Voraussetzung ist: Dass nicht nur über eine "Sache" informiert wird, sondern auch über jene, die in eine solche involviert sind. Was nun "Pädophilie" betrifft, haben die wirklich Betroffenen - das Kind und der Erwachsene - nicht nur keine Lobby, es wird auch kein Gehör geschenkt, ausser dort wo solches so manipuliert und zurechtgemacht werden kann, dass es dem Volk gefällt und das tradierte Image der Medien nicht schädigt.

Ich werde mich aber nicht so weit niederdrücken lassen, dass ich nicht doch noch irgendwo einmal jemanden finden werde, der den Mut aufbringen wird, mit mir diesem letzten noch bestehenden "Hexenfluch" die Stirn zu bieten.

Mit freundlichen Grüssen, tinjo

(Kopie an Herrn X,Journalist )

Darauf kam am 16.6.2008 folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr tinjo,
mit grosser Betroffenheit habe ich Ihr Mail gelesen. Aus Ihren  Zeilen sind  Ihr Schmerz und Ihr Unverstanden-sein  spürbar. Es fällt deshalb nicht einfach, Ihnen in aller Offenheit zu widersprechen. Wenn ich es tue, dann deshalb, weil ich Sie Ernst nehme - nicht nur in Ihrem Schmerz, sondern auch mit Ihrer Argumentation.
Entscheidender Punkt in meinem Widerspruch ist Ihr Abschnitt, in dem Sie sich als "Experte der Pädophilie" bezeichnen, da Sie selbst ein Pädophiler seien. Ich habe dazu eine andere Auffassung:
Sie sind für mich kein "Experte", sondern ein potentieller "Täter". Genauso argumentiere ich in der Drogen-Debatte: Ein Drogen-Konsument ist per se kein "Experte" - und umgekehrt erwarte ich von einem Drogen-Experten nicht, dass er selbst LSD oder Heroin konsumiert.
Ueber Sie ist kein "Hexenfluch" ausgesprochen worden, wie Sie schreiben. Vielmehr geht es um den Schutz unserer Kinder - den Schwächsten in unserer Gesellschaft. Und beim Schutz unserer Kinder dürfen wir keine Kompromisse eingehen. Dieser Verantwortung können wir nicht ausweichen.
Ich hoffe, ich habe Sie nicht verletzt mit meiner Offenheit. Aus dieser Offenheit spricht wirklich einzig und allein der Wille, Sie, Ihre Veranlagung und Ihre Argumentation Ernst zu nehmen. Unseren Entscheid, das damalige Interview in der vorliegenden Fassung auf der Hintergrund-Seite  nicht zu publizieren, halte ich auch heute noch für richtig.
Ich grüsse Sie freundlich, YZ

Diese Antwort machte mich wirklich sprachlos. Es brauchte einige Zeit, bis ich meine Gedanken wieder in Sprache umsetzen konnte.
Eigentlich wäre hier ein Klage wegen Ehr- oder Persönlichkeitsverletzung angebracht.
Aber welcher Anwalt übernimmt eine solche Aufgabe für einen „potentiellen Täter“?

Herrn YZ,  Chefredaktor 
Sehr geehrter Herr Kollege,

Bitte nehmen Sie mir diese Anrede nicht übel. Ihr Mail hat mich ziemlich sprachlos gemacht, und ich brauchte einige Zeit, die Sprache wieder zu finden!
Heute möchte ich Ihnen für Ihre prompte Antwort danken.Je länger ich über Ihre Worte nachgedacht habe, desto mehr spüre ich, dass ich ja in bester Gesellschaft bin und ich Sie also ruhig so ansprechen darf als ein Zeichen der potenziellen Gleichheit und Kollegialtät  in unseren geheimen, nicht auslebbaren Begierden.Sie haben ja sicher  - wie ich -  ein höheres Fachstudium absolviert. So können wir auch hier kollegial und offen darüber sprechen, dass auch wir manchmal gerne etwas täten, an dessen Ausführung uns aber unser geschulter Verstand hindert.
Eine kleine Bemerkung aber noch, damit wir uns richtig verstehen:
Selbstverständlich gibt es zwischen uns beiden einen wesen-tlichen Unterschied. Ich stehe zu meinen pädophilen Neigungen, bei Ihnen aber nehme ich nun mal an, dass Ihnen das weibliche Geschlecht Gefühle bereiten kann, die ich zu Ihrer Privatangelegenheit zähle.
Allerdings dürfen wir – als durch unsere Bildung zu den Verantwortungsträgern gezählt – nicht ausser Acht lassen, dass es sowohl  bei  Ihrer  bevorzugten „Kategorie“ wie auch bei meiner, sogenannt schwarze Schafe gibt, also solche, die ihre Neigungen und Gelüste so ausleben, dass sie Mitmenschen zu Opfern und sich selbst zum Täter machen.
Noch ein weiterer Unterschied besteht zwischen uns: Während ich Ihnen keineswegs absprechen will, dass Sie nichts von Frauen und den Umgang mit diesen verstehen, ja vielleicht sogar als Experte gelten dürfen, wie man sich als Mann einer Frau gegenüber verhält, gebe ich unumwunden zu, dass man mich – was Frauen betrifft -  nie als Experte bezeichnet dürfte.. Trotzdem, in einem wichtigen Punkt bleiben wir Kollegen:
Wir sind potentielle „Täter“.
In diesem Sinne,  mit verbindlich kollegialem Gruss,  tinjo





NACHTRAG:

Der Presserat

musste sich damit befassen - mit bedenklichem Resultat...

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