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Gedanken vom KVR-Präsident

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11.Januar 2009

Gedanken zur Ächtung eines Kollegen

Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.
Mich beeindruckt, dass die hartherzigen Pharisäer damals die Steine doch fallen liessen. Diese oft geschmähten Frömmler hatten eine wichtige Lektion gelernt! Jesus erkannte ihre Bereitschaft dazu und provozierte sie sachte mit dem genialen Satz. Sie hatten es sofort gelernt und verzichteten auf Verurteilung. Welch grossartiger Fortschritt der Menschlichkeit! Jesus doppelte rethorisch nach: "hat dich keiner verurteilt?" Die Ehebrecherin: "nein Herr". Jesus: "auch ich verurteile Dich nicht, geh hin und sündige nicht mehr!"
Mein Empfinden ist, dass die Exponenten unserer Kirche, welche im Rücktritt von Martin Joos die Lösung eines Problems sahen, diese Lektion noch nicht verinnerlicht haben. Wie ist es möglich, dass spirituell gebildete und fortgeschrittene Leute, die Ihr Leben in den Dienst des Christentums stellen, die sich vom heiligen Geist getragen und dem Christusbewusstsein nahe fühlen dürfen, aus Sorge ums Image der Kirche opportunistisch handeln?

Martin Joos war bei uns voll integriert, er leistete eine vorzügliche Arbeit als Kirchenverwaltungsrat und Aktuar. Niemand sonst hatte sich für dieses Amt zu Verfügung gestellt! Er engagierte sich für unsere Kirche und nahm sie vor Angriffen in Schutz. Gerade, wenn die Medien der Kirche Vertuschung pädophiler Machenschaften unterstellten, war er es der betonte, die Kirche hätte solches nie geduldet.

Wir wissen nicht, "ob es Gott gefällt", dass Menschen mit problematischen Veranlagungen auf ihren Lebensweg gehen müssen. Der Lebensweg von Martin Joos muss jeden beeindrucken, der gewillt ist hinzuschauen: Sein Bemühen um eine verantwortbare Lebensführung äusserte sich in Kursen und "Therapien" die er sich angedeihen liess. Der Höhepunkt der Suche war sein Theologiestudium als evangelischer Christ in der katholischen Hochschule Chur. Er erlebte die Fragen um die Ökumene ganz direkt zu einer schwierigen Zeit im Bistum Chur. Martin Joos konvertierte zum römisch-katholischen Bekenntnis, was gewiss keine leichte Entscheidung war.

Wir haben Martin Joos als überzeugten und in ethischer Grundhaltung engagierten Christen erlebt, ehrlich und idealistisch. Wir können uns nicht vorstellen, dass er Kinder direkt oder indirekt zu schädigen vermag. Seine Liebe zu den Kindern geht mit einem ebenso grossen Respekt vor diesen einher. Er geht bewusst auf Distanz zu Kindern. Mit seiner Integration bei uns hatte er eine einzigartige Phase verdienter Anerkennung und durch uns immerhin eine Begleitung.

Ob der faktische Ausschluss unseres Kollegen den Imageschaden der Kirche verbessert oder verschlimmert hat und welches Problem damit überhaupt gelöst wurde, möge jede interessierte Person selbst festzustellen versuchen. Vielen geht es nur um eine periodisch zu konsumierende Ration oberflächlicher Empörung, nach welcher die Gleichgültigkeit ihren Fortgang nehmen darf.

Urs Lachenmeier


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