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DU und ICH

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Martin Buber



Martin Bubers Sprache ist für mich so „wohltönend“ wie die Musik von Gustav Mahler!

Weder Buber noch Mahler kann ich zur Unterhaltung „konsumieren“.

Höre ich zufällig Mahler, bin ich sofort von dieser Musik erfüllt und fasziniert, oder ich wende mich ab, weil ich im Moment nicht bereit dazu bin, mich in Mahlers Musikwelt einzufühlen. Da gibt es keine Kompromisse!

Der Leitsatz zu Bubers bekanntestem Werk „ Ich und Du“ lautet:



Wenn ich das lese, „erklingen“ diese Worte in mir! Ich spüre, dass etwas in Schwingung gerät. Erst dann erfasse ich ihren wunderbaren Sinn!


„In allen Elementen Gottes Gegenwart“



Löst das die Schwingung in mir aus:

"Gottes Gegenwart"?



Wo erleben wir bewusst Schwingungen der „Elemente“ angenehmer und direkter als in der Musik?

Aber auch Worte können Schwingungen auslösen. Ihre Wirkung auf uns kommt zuerst der von Tönen nahe, bevor sich der Verstand ihrer annimmt! Werden sie dann von diesem erfasst und mit dem bereits „Gehörten“ in Einklang gebracht, „öffnet sich die Seele“!

Gustav Mahler


Mahlers Musik ist für mich in bestimmten Gefühlslagen das wirkungsvollste und vollkommenste „Seelenelixier“! Das ist Musik, die Gefühlen Schwingen verleiht und von der Erdenschwere löst!

Diese Leit-Worte Bubers wirken ähnlich.

So leicht zugänglich sind sie aber nicht, wie die Töne der Musik!

"So habe ich endlich von DIR erharrt"


" Erharrt" - Wieviel Sehnsucht klingt da heraus: „ was habe ich doch gesucht, wie habe ich gewartet darauf, endlich zu erkennen!" Wie viel Seufzen auch: „wie habe ich mich bemüht“! Zum Schluss dieses erlösende Aufatmen: Endlich habe ich gefunden:"Jetzt bin ich im Einklang mit DIR":

"In allen Elementen Gottes Gegenwart"



Ist das nicht himmlische Musik? Ein Blick dort hin, zu göttlichem Erkennen, ohne dass ich die Noten sehe und verstehe, die Instrumente nicht selber spiele und doch erfüllt bin von diesem göttlichen Klang?

Kann ich da noch traurig, mutlos sein?
Ich bin ein Teil von Gottes Gegenwart, also kann es nur gut sein! Ich will doch meine Seele dieser Erkenntnis, diesem „Klang“, nicht verschliessen!

Gustav Mahler     * 7. Juli 1860 in Kalischt, Böhmen; † 18. Mai 1911 in Wien

Ich habe geschrieben: Bei Mahlers Musik gibt es keine Kompromisse: Entweder lasse ich mich von ihr in Schwingung versetzen, oder ich kann aus irgendwelchen Gründen nicht „in Stimmung“, gebracht werden! Ich habe die glückliche Wahl!

Bei Bubers Worten, die ich an den Anfang gestellt habe, schwingen Urworte mit:

„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Und Gott war das Wort!“



Im Gegensatz zur Musik die alle hören, die gesunde Ohren haben, muss man sich um das Verstehen und "Hören" dieses „Wortes“ bemühen.
Obwohl es schon in mir ist, ja mich selber und alles ist! Auch da gibt es keine Kompromisse! Im Gegensatz aber zur Musik, kann ich nicht einfach dem ausweichen, was in mir ist – was ich selber bin. Ich kann mich aber dem die Seele erfreuenden „Wohlklang des Wortes“ verschliessen oder mich selbst mit ihm in Harmonie bringen.

Sie können diesen Abschnitt auch erst einmal überspringen und gleich beim untersten Abschnitt weiterlesen. Folgendem Zitat Bubers werden Sie in meinen gesammelten Texten zu Martin Buber wieder stossen.

Ich kann mich angenommen wissen in meiner Ganzhaftigkeit, so wie ich bin, mit allen "Unreinheiten" und in der Abartigkeit vom Gängigen... Das dispensiert jedoch nicht vor einer "Einsammlung der Kräfte in den Kern". Das heisst, ich bin aufgerufen zum Wagnis, das „Reine“, das Eigentliche, das Dauernde zu wahren und alles andere abzustreifen!
Ganz wörtlich möchte ich folgendes Zitat aus Bubers "Ich und Du" aus dem dritten Teil in mein Empfinden übernehmen.
Wer kennt ihn nicht, den Zustand der Verliebtheit! Wer träumt nicht von einer Vereinigung mit einem geliebten Du, ob je einmal erlebt oder nur ersehnt...:


"Ich nehme die Menschen zum Gleichnis, die in der Leidenschaft des erfüllenden Eros so vom Wunder der Umschlingung verzückt werden, dass ihnen das Wissen um Ich und Du im Gefühl einer Einheit untergeht, die nicht besteht und nicht bestehen kann. Was der Ekstatiker Einung nennt, das ist die verzückende Dynamik der Beziehung; nicht eine in diesem Augenblick der Weltzeit entstandene Einheit, die Ich und Du verschmilzt, sondern die Dynamik der Beziehung selbst, die sich vor deren einander unverrückbar gegenüberstehende Träger stellen und sie dem Gefühl des Verzückten verdecken kann. Hier waltet dann eine randhafte Übersteigerung des Beziehungsakts; die Beziehung selbst, ihre vitale Einheit wird so vehement empfunden, dass ihre Glieder vor ihr zu erblassen scheinen, dass über ihrem Leben das Ich und das Du, zwischen denen sie gestiftet ist, vergessen werden. Hier ist eine der Erscheinungen des Randes, zu dem sich die Wirklichkeit hinbreitet und an dem sie verschwimmt. Aber grösser als alle Rätselwebe am Rande des Seins ist uns die zentrale Wirklichkeit der alltäglichen Erdenstunde, mit einem Streifen Sonne auf einem Ahornzweig und der Ahnung des ewigen Du."

Unbemerkt vielleicht, zeigt uns Buber am Ende dieses Textes eine Möglichkeit auf, wie wir aus dieser Verschmelzung aus Wirklichkeit und ekstatischem Gefühl heraus - einer unwirklichen Einheit - wieder festen Boden gewinnen könnten:

"Aber grösser als alle Rätselwebe am Rande des Seins ist uns die zentrale Wirklichkeit der alltäglichen Erdenstunde, mit einem Streifen Sonne auf einem Ahornzweig und der Ahnung des ewigen Du."

Wie wenig Anstrengung kostete der Blick weg von sich selbst hinaus in die Welt, wo der Ahornzweig in der Sonne leuchtet, ungerührt von allem gleichzeitigen Geschehen. Wie gut täte dies, z.B. in einem Moment, wo man sich selbst nicht mehr zu lösen vermag aus einer Bindung, von der man glaubt, ohne sie nicht mehr leben zu können.

Wie schwer dies ist, aber auch wie viel Kraft im Wirken der Natur liegt, habe ich eindringlich selbst erlebt, als ich in einer tiefen Depression steckte und mich ein Freund hinauszog auf einen Frühlings-Spaziergang in die aufblühende Natur. Noch nie zuvor empfand ich den Anblick der sprossenden Blatttriebe an den Sträuchern, noch mehr die Blüten an den Bäumen, jeder zartgrüne schwache Grashalm wie Nadelstiche, - ja Messerstiche! Jeder Blick in die so ungehemmt sich entfaltende Natur löste eine Welle von Schmerzstössen in meinem Inneren aus. Ich musste es hineinfressen, verbergen vor meinem Begleiter, weil es nicht zu erklären gewesen wäre und ich auch selbst es nicht verstehen konnte.
Ich war gefangen in mir selbst, verwickelt in meine eigenen Bindungen und Gefühle, unfähig, Kontakt aufzunehmen mit der so offen und lebensbejahend sich präsentierenden Frühlingswelt, krampfhaft verbissen in die Abwehr alles Lebensbejahenden.
Es gelang mir aber nicht, mich selbst in die innere Dunkelheit zu versenken, sodass mir alle Zeichen des sprossenden Lebens wie eine sadistische Quälerei vorkam. Ich weiss nicht mehr, wie ich damals diese Stimmung überwand und wie ich wieder in den Alltag zurückfand. Irgendwie war es mir gelungen, und ich konnte mich aus dieser Depression lösen. Etwas Gutes blieb davon zurück: Diese lebensabweisenden Gefühlsempfindungen von damals haben sich in mir umgeprägt in ein umso positiveres Empfindungsvermögen. Seither erscheint mir jedes sprossende Zweiglein in der Natur viel eindringlicher als ein Zeichen der Hoffnung, löst jede Blüte eine innere Freude und ein Staunen aus, spüre ich Dankbarkeit gegenüber meinem eigenen Sein auf dieser Welt, auf welche die Strahlen der Leben erhaltenden Sonne scheinen ...!

Und wenn es nur "Opium für das Volk" wäre, dieser Gottesglaube und die Religionen! Der Glaube an ein "ewiges Du" hilft mir über meine eigene Befangenheit hinweg. Tröstet mich in meinen unerfüllten Sehnsüchten!

Erlebte Gefühle und Zeitabschnitte im "Wunder der Umschlingung" - des Einsseins mit einem geliebten Menschen - öffnen sich so aus der Gefangenheit einer selbstsüchtigen Beziehung zum Blick auf ein Du, das sich nicht im Besitzen-Wollen, im "Haben" erfüllt, sondern in der Erkenntnis, dass jede Einigkeit letztlich immer nur eine Auswirkung in unserer Zeit, nie aber ein Ersatz für die Ahnung eines ewigen Du sein kann.

Es liegt ein hoher Anspruch in solchem Denken. Lange Lebenserfahrung und manches Straucheln braucht es, bis es gelingt, sich zufrieden und glücklich zu fühlen, ohne durch Besitzen-Wollen auf Kosten eines "Du" oder im Streben nach einem nie erreichbaren "Es" sich sein Glück erringen zu wollen.

Wir sind alle auf dem Weg:

Alles wirkliche Leben ist Begegnung (Martin Buber)...



Nun haben Sie schon einiges über mich erfahren. Ohne direkte Begegnung zwischen meinem "ICH" und Ihrem "DU"!

Das ist hier nicht anders möglich. Deshalb ist es auch nicht vordringlich, dass Sie mich als den identifizieren, dem Sie persönlich begegnen könnten. Lernen Sie mich erst mal durch die Sprache, meine Gedanken und Gefühle, über den Geist - am liebsten über die "Seele" - kennen!

Ich lade Sie somit ein, mir virtuell auf diesen Seiten zu begegnen, an meinen Gedankengängen möglichst unvoreingenommen teilzunehmen und danke Ihnen herzlich für Ihr Interesse!

Ich freue ich mich auf einen Kontakt mit Ihnen über meine Mailadresse oder das Gästebuch.


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