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Die Sehnsucht nach dem Knaben

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Die Sehnsucht nach dem Knaben
von Markus Dieth

Die männliche Zuneigung zu Knaben aus der individualpsychologischen Sicht

411 Seiten
Asanger Verlag
ISBN: 3-89334-427-6

Auf meiner Buchablage ist ein Fachbuch liegen geblieben und wartet seit seinem Erscheinen darauf, dass ich mich eingehender damit befasse.

Mit recht eindrücklichem Umfang (411 Seiten) und einem Inhaltsverzeichnis, das durch seine Fachausdrücke eher abschreckt, wenn man sich in der Psychologie Adlers nicht schon zuhause fühlt, ist ist dieses Fachbuch vom deutschen Asanger-Verlag 2004 herausgegeben worden.

Markus Dieth, Dr. phil I, Jahrgang 1958, geboren in Zürich, zur Zeit der Herausgabe noch in leitender Stellung im Adler-Institut in Zürich, verheiratet, Vater von zwei Kindern, hat sich mit einem in der psychologischen Fachwelt nicht so selbstverständlichen Wagemut an das heikle Thema „Pädophilie“ herangewagt.
Heute als Senior Coach im Bereich Learning & Development tätig.



Ich zitiere daraus:


„Erwachsene, die ihr Begehren auf infantile Züge und einen unreifen Körper richten müssen, damit ihnen sexuelle Befriedigung nicht versagt bleibt, sind aus erster Sicht zu bedauern. Angesichts des hohen Preises, den sie für ihre Zuneigung bezahlen müssen, verdienen sie dennoch Respekt“ ( S.28)

Diese Aussage Dieths lässt schon darauf schliessen, dass er die Not des pädophil empfindenden Menschen erkannt hat und dass es ihm nicht nur um rein wissenschaftliche Ergänzungen und Bestätigungen bereits gemachter Aussagen geht. Obwohl mit vielen (z.T. unübersetzten englischen und französischen) Zitaten anderer Forscher abgesichert, zeigen seine persönlichen Forschungsergebnisse und Ansichten, was ihm das besondere Anliegen ist, auch wenn er zu eher konservativen Schlussfolgerungen kommt.

Dennoch kommen Zweifel auf, ob er mit folgender Aussage dem pädophil Empfindenden gerecht wird: „Permanent daran zu erinnern, dass dabei der ganze Mensch im Spiel ist, bleibt prioritärer Auftrag“ (S. 38)


Das Buch ist in vier Teile aufgegliedert:

Im ersten Teil versucht er dem Phänomen „Pädophilie“ nachzuspüren und auf dessen Grund zu kommen. Es weist auf die Doppelschichtigkeit der Problematik hin, nämlich „dass das Phänomen des homopädophilen Erlebens und Handelns sowohl ein individuelles als auch ein diagnostisches ist“. Daraus ergeben sich „zwei Problemkreise: die konfliktbesetzte psychische Wirklichkeit des Individuums und die psychologische Problematik der Diagnostik und Behandlung.“

Daraus lässt sich bereits die Tendenz dieses Werkes erkennen, dass es sich beim "Phänomen Pädophilie" um eine behandlungsbedürftige sexuelle Präferenz handelt.

Im zweiten Teil wird die „Methodische Anlage der Studie“ erklärt (S.116) : Es geht ihm darum „die Zusammenhänge zwischen homopädophilen Äusserungsformen und Lebensstil aufzuzeigen“. Das geschieht mit einer dreifachen Zielsetzung:“ Zum ersten soll es dem interessierten Laien eine Klärung seiner Alltagserfahrungen und Ängste ermöglichen. Zum zweiten soll es zu einer mutigen Bewältigung der homopädophilen Lebens- und Liebesprobleme anleiten und Erleichterung für die Lebenssituation des Knabenliebhabers verschaffen. Durch die Darstellung pragmatischer Herangehensweisen sollen schliesslich nicht nur die akademischen Überlegungen bereichert werden, es soll auch Schaden verhindert werden.“

Im dritten Teil wird nach Ursachen und Zusammenhängen gesucht, die zum Ausgangspunkt für die Praxis führen: „Zum einen ist Knabenliebe nicht nur die Folge eines Leidenszustandes infolge eines Konfliktes zwischen Individuum und Gesellschaft, sondern auch der Ausdruck und deshalb stets sozial motiviert. Zum andern wird jeder Versuch, sie objektiv zu betrachten, unweigerlich zu Urteilen wie Devianz, Perversion, sexuelle Ausbeutung, Kindmissbrauch und ähnliches führen.“ (S.155)

Es folgen dann im vierten Teil Ausführungen zu „Implikationen für die Praxis“. Ich zitiere nur den ersten Satz dieses Teils: „Was würden wir tun, wenn wir nach Liebe und Anerkennung strebten und uns dies beim normal zu erwartenden Geschlechtspartner versagt bliebe?“ ( S. 299)

Die meisten Betroffenen - die Pädophilen - die Dieth zu verstehen und ihre Konflikte mit der Gesellschaft zu beschreiben versucht, werden wenig begeistert sein, wenn Dieth schon in der „Zusammenschau“ auf Seite 14 die „neuen Erkenntnisse in 7 denkwürdigen Punkten zusammenfasst und in Punkt 7 festlegt (auf das schweizerische Strafgesetzbuch abstützend): „ Es gibt keinen Grund, das Schutzalter bei homopädosexuellen Handlungen tiefer zu veranschlagen als bei Homosexualität. Ein Schutzalter von 16 Jahren ist deshalb gerechtfertigt.“ (In Deutschland z.B.ist das Schutzalter auf 14 Jahren festgesetzt. Sind deutsche Kinder reifere Menschen?)

Mit dieser Feststellung stellt Dieth sein Buch in die Bibliothek der „legalen“ Fachliteratur und erreicht hoffentlich damit diejenigen Menschen, die direkten oder indirekten Einfluss auf das (Wohl-)Ergehen Pädophiler haben. Ob sich diese aber auch die Mühe nehmen, das nicht so leicht lesbare Buch unvoreingenommen durchzuarbeiten, kann nur gehofft werden....

Mir gefallen die letzten zwei Sätze des Buches (weniger der letzte Abschnitt im ganzen...) als Abschluss eines solchen Werkes, und sie motivieren mich, dranzubleiben an der Sache, die ja auch mich persönlich, aber besonders die Gesellschaft im Ganzen angeht:

„Die Diagnose ist klar, die Therapie hat aber noch kaum begonnen. Nehmen Sie das Bild, das Sie nach dem Studium dieser Studie gewonnen haben deshalb nicht als Schluss-, sondern als Ausgangspunkt!“

Allerdings möchte ich diese Aussage so verstanden haben, dass mit "Diagnose und Therapie" nicht die Behandlung einer Krankheit oder Störung gemeint ist, sondern die Konflikte, denen sich ein Pädophiler in der heutigen Gesellschaft zu stellen und mit denen er in dieser zu leben hat.

Ich bezweifle aber, dass dieses Buch einen grossen Beitrag leisten kann zum besseren Verständnis und vor allem zu einen menschlicheren Umgang mit pädophilen Menschen. Was sicher neu und vielversprechend ist an diesem Buch, dass es praxisbezogen aufgebaut ist und zumindest in der Ankündigung verspricht, sachliche Erörterungen für das fachpsychologische Verständnis zu liefern und damit moralischen Vorurteilen entgegentreten möchte..

tinjo Herbst, 2004


Anmerkung - April 2006: Inzwischen sind einige neue - und wie mir scheint objektivere - Fachbeiträge erschienen, mit denen ich mich auseinandersetzen möchte. Je mehr ich mich nämlich mit dem hier angeführten Buch kritisch beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, dass ich mich mit den Folgerungen die Dieth aus den Ergebnissen seiner Forschungen und Befragungen von Probanden gezogen hat, nicht einig gehen kann. Und so habe ich es (schon lange...) beiseite gelegt...>>>>> mehr darüber baldmöglichst!

Markus Dieth: Die Sehnsucht nach dem Knaben,
Asanger Verlag GmbH Kröning, ISBN 3-89334-427-6


weitere Kommentare zum Buch:



(aus: http://www.seventeen6.com/index.php und http://www.itp-arcados.net/publik/dieth.htm)

Diese neue wissenschaftliche Veröffentlichung scheint ein zweischneidiges Schwert zu sein.
Zum einen verarbeitet sie die aufklärerischen, seriösen und emanzipatorischen Arbeiten der letzen Jahrzehnte zum anderen wählt sie aber einen veralteten und dem Thema nicht angemessenen wissenschaftlichen Ansatz. Mit der Wahl der individualpsychlogischen Sichtweise nach Adler & Co. werden die empirischen Anteile der Arbeit zur Fassade, da alles in den Rahmen einer veralteten und widerlegten Theorie gepresst werden muss.
Ganz übel wird es wenn auf Basis dieser unsinnigen Theorie Therapieverfahren beschrieben werden in dem ein Knabenliebhaber/Homosexueller nach übelster Pawlow-Art auf "Frau" umkonditioniert werden soll. Das grenzt derart an offensichtlichen Schwachsinn, dass in dem Werk immer wieder hin und her gerudert; realitiviert wird und am Ende bleibt eigentlich nicht viel. Vor allem kein Fazit, dass als solches ernsthaft zu bezeichnen wäre. Da für die aufgestellten Behauptungen keinerlei Beweise gebracht werden kann man dem Buch glauben schenken oder es auch bleiben lassen. Der Autor rettet sich damit, indem er sagt, dass er seine Arbeit nur als Anregung verstanden wissen will, die zum weiterforschen und zu Anschlussarbeiten anregen soll.
Für den eher missbräuchlich verwendeten empirischen Teil der Arbeit konnte die schweizer Organisation ITP-Arcados gewonnen werden. Diese schreiben dazu:

(http://www.itp-arcados.net/publik/dieth.htm)
"Gegen Ende des Jahres 2000 erreichte das Beratungsteam von ITP-arcados eine Anfrage des Psychologen und damaligen Leiters des Zürcher Alfred Adler Instituts Markus Dieth. Herr Dieth bat um Unterstützung bei einer empirischen Untersuchung, in deren Mittelpunkt Entstehung, Lebenssituation und mögliche Therapieansätze einer pädophilen sexuellen Orientierung im Mittelpunkt stehen. Herr Dieth konnte bei der Ausarbeitung seines Untersuchungsdesigns von der langjährigen Beratungspraxis der Beratung für Pädophilie profitieren. Schliesslich ist es gelungen, über 30 mit der Beratung für Pädophilie in Kontakt stehende Männer zur Mitarbeit an der Untersuchung entweder in Form von Interviews oder durch Beantwortung des Fragebogens zu gewinnen. Im Herbst 2004 sind die Ergebnisse der Untersuchung in Buchform im Asanger Verlag erschienen:


Kurzzusammenfassung

Der Autor nähert sich dem Thema Pädophilie aus der Sichtweise der durch Alfred Adler begründeten Individualpsychologie. Er trägt drei Hauptgesichtspunkte der Individualpsychologie an die homopädophile Orientierung heran: Das Minderwertigkeitsgefühl, das Gemeinschaftsgefühl und das Geltungsstreben. Aus der individuellen psychischen Entwicklung im Kindesalter ergibt sich laut Dieth im späteren Leben der Umgang mit diesen drei Hauptgesichtspunkten eines jeden seelischen Phänomens.

Der Autor geht bei Pädophilie vom Vorhandensein einer neurotischen Störung aus, bei der das Individuum durch die homopädophile Orientierung ein Bewältigungskonzept für Probleme des Selbstwertgefühls und mangelnde Kontaktfähigkeit gefunden hat. Daher bezeichnet Dieth die homopädophile Orientierung zunächst als subjektiv sinnvolles Bewältigungskonzept. Hauptaspekt der Stabilisierungsfunktion ist laut Dieth allerdings nicht die sexuelle Komponente sondern die emotionale Komponente der homopädophilen Orientierung. Die empirischen Ergebnisse der Untersuchung stützen die Auffassung, dass der Beziehungswunsch der Probanden primär nicht sexueller Natur ist.

"Die Beziehungsmotivation der Probanden hat primär wenig mit Sexualität zu tun. Sie sehnen sich vielmehr nach ehrlicher Zuneigung, Respekt, Vertrauen und körperlicher Nähe zum Knaben und wollen sich von ihm ganz einfach verstanden wissen. Das Motiv der Fürsorge überwiegt das der Sexualität klar." (Seite 268)

Eine Therapie der homopädophilen Orientierung sollte demnach nicht auf die sexuelle Komponente abstellen, welche lediglich eine Überkompensation darstellt, sondern auf die zugrundeliegenden Defizite des Selbstwertes und der mangelnden Kontaktfähigkeit. Der Autor stellt sich im Fazit des Buches gegen die sich immer weiter durchsetzende Überzeugung der Unabänderlichkeit der pädophilen Orientierung: Er ist von der Möglichkeit des Wandels der sexuellen Orientierung überzeugt, da diese nicht anders strukturiert sei als eine neurotische Störung."

Schlussbemerkung aus: http://www.seventeen6.com/index.php
Ein sicherlich interessantes Werk, welches aber sowohl inhaltlich, wie wissenschaftlich methodisch so viele Kardinalfehler begeht, dass es nicht empfohlen werden kann. Vor allem zum Einstieg in die Thematik ist es völlig ungeeignet.
Es muss aufgrund des gewählten Ansatzes diese Fehler begehen und einen Identitätsbestandteil mit einer Störung verwechseln und auch noch glauben, dass man die tiefverankerte Identität eines Menschen verändern kann ohne ihm schweren Schaden zuzufügen. Strengenommen stellt dieses Buch mit seinen falschen Aussagen bezüglich Therapie und Therapierbarkeit sogar eine Gefahr da.

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