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Demissionsanzeige

ARCHIV > Der zweite "Fall" > Dokumente

13.August 2008

Martin Joos, KVR und Aktuar der Kirchgemeinde 8877 Murg


OFFENER BRIEF UND DEMISSIONSANZEIGE


Lieber Urs, liebe Ratskollegin und –kollege, lieber Emil, geschätzte Kirchbürgerinnen und Kirchbürger in Nah und Fern,

Ich verstehe Euch alle, dass durch diesen Eingriff eines Boulevard-Journalisten in unser Dorf-Kirchenleben eine unhaltbare Situation entstanden ist, die sich zu einem Flächenbrand ausgebreitet hat. Ich habe volles Verständnis, dass Ihr weder bereit noch motiviert seid, Euch weiter mit dem Euch von aussen aufgedrängten Thema Pädophilie zu befassen. Dass auch Du, Urs jetzt nicht mehr hinter mir stehen kannst, hat nichts mehr direkt mit mir zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie jetzt die Problematik dieser Eigenschaft an meiner Person abgehandelt wird und wie man mich in die Pfanne haut. Ich selber fühle mich absolut unfähig, je wieder mein Amt aufzunehmen. Es kommt mir vor, wie wenn ich nackt unter lauter anständig gekleideten Leuten stünde. Ich muss mir zuerst neue Kleider beschaffen, in denen ich wieder existieren kann, ohne dass jedes Wort, das ich sage, jede Tat, die ich begangen haben soll oder mir noch zugemutet wird, Euer Leben belastet.

Ich weiss, dass Ihr alle vom Rat liebend gerne weiter mit mir zusammen gearbeitet hättet. Allein schon deshalb, weil es so schwierig ist, Leute für solche Ämter zu finden. Ich weiss auch, dass Ihr bis jetzt voll hinter mir gestanden seid, was nicht heisst, dass Ihr Euch mit mir identifiziert habt. Ist ja gar nicht möglich! Ich danke Euch allen ganz herzlich für die so gute Zusammenarbeit und Euere so unvoreingenommene Haltung und Euer Vertrauen mir gegenüber, ganz besonders Urs. Es wird mir ein Inhalt meines Lebens in Murg genommen, den ich schmerzlich vermissen werde. Ich habe Euer Vertrauen nie missbraucht und werde es auch in Zukunft nicht tun. Ich weiss, dass Ihr in mir und nicht im Blick gelesen habt, wer ich wirklich bin.

Die Haltung der Administration war für mich bis heute entscheidend, dass ich mich weigerte, zurückzutreten. Niemand hat Einhalt geboten, als ich zum Schuldigen an allem gemacht wurde, niemand hat mich selbst gefragt. Ein Angeklagter vor Gericht hat einen Verteidiger. Dem Angeklagten wird das letzte Wort gegeben vor seiner Verurteilung. In der katholischen Administration lässt man sich das Vorgehen vom Blick diktieren. Enttäuschend, aber dennoch verständlich, ist für mich die Haltung von unserem Pfarrer Emil Hobi. Ich kann mir vorstellen, wie er von allen Seiten attackiert wird. Ein nicht enden wollender Sturm, der normales Weiterarbeiten und -leben verunmöglicht. Da will man einfach wieder Normalität.

Noch vor einer Woche hätte wohl kaum jemand von mir und meiner Arbeit besondere Notiz genommen oder mich anders behandelt als die andern, oder gar weg haben wollen.

Doch jetzt ist es unwiderruflich anders. Mich kann man als Stütze des Baus nicht mehr gebrauchen. Ich habe ganz einfach nicht die tragfähigen Eigenschaften, die es braucht. Das ist keine Schuldfrage, sondern eine solche der Struktur. Die Frage ist nicht mehr, ob ich bleibe, sondern wie der Abgang vollzogen wird. Ich weigere mich, als der Schuldige zurückzutreten, aber nicht als derjenige, der eine normale Weiterarbeit verhindert, weil man mich absolut unnötigerweise vor der total überforderten Öffentlichkeit geoutet hat.
Ich danke allen herzlich, die mir Vertrauen und Achtung geschenkt haben. Ich weiss dass Viele es mir auch weiter schenken werden.

Mit besten Grüssen, Martin Joos

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