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ARCHIV > Der zweite "Fall"
Das grosse Schweigen...
"Mir graut bei jedem Schritt,
es schreckt mich selbst das Schweigen."
(Friedrich Schiller, Die Zerstörung von Troja, 127.Gedicht)
Das waren die letzten Schlagzeilen - am 15. August 2008:
Dies die letzten Erfolgs-Mitteilungen der Medien zu einem "Skandal"...
Der "Wolf im Schafspelz" ist weg!
Die Tat eines selbstgefälligen Sittenwächters hatte eingeschlagen! Er wird mit Befriedigung Kenntnis genommen haben über die Auswirkungen seiner "mutigen Tat", und ein Journalist konnte endlich seine Rache nehmen an einem " bösen Kritiker".
Er hat diesen Kritiker - einen "pädophilen Kirchenmann" - nun entlarven können als "Kinderporno-Konsument" und "Bubenschänder"!
Bedauern mancherorts vielleicht darüber, dass man ihn wegen Letzterem nicht verurteilen kann, weil die "gestandene Tat" verjährt ist... (Über das "Geständnis" von dem der Blick-Journalist zu wissen glaubt, hier ein Kommentar!)
In den Medien herrscht seither Schweigen.
Noch nicht ganz: Im Sonntagsblick 24.08.2008 versuchte Walter Hauser, Journalist und Verfasser des Buches Buches " Der Justizmord an Anna Göldi", ein etwas anderes Fazit aus den Geschehnissen in Murg zu ziehen, was ihm allerdings durch redaktionelle Eingriffe verwässert wurde...
Doch seither herrscht wirklich Schweigen allüberall.
Das Schweigen aus meiner Sicht:
Im Pfarreiforum erscheint die trockene Mitteilung:
"Zum Rücktritt aus dem Kirchenrat von Murg".
Darin wird die Widersprüchlichkeit deutlich im Vorgehen des Administrationsrates und das Hauptanliegen der "katholischen Kirche" (s.Kommentar dazu rechts!>>>)
Schweigen auch in der Kirche:
"Unterdessen leitete die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen eine Strafuntersuchung ein wegen des Verdachts auf Sexualdelikte. Bei einer Hausdurchsuchung wurden Kinderpornos beschlagnahmt. (kipa/pem)"
Mit dieser letzten Meldung, die im ganzen Bistum verbreitet wurde, ist auch für das "Pfarreiforum" der "Fall Murg" erledigt.
Kein weiterer Kommentar dazu.
Keine weiteren Reaktionen.
Nichts!
Nur Schweigen...
Weshalb die katholische Kirchenleitung des Bistums St. Gallen mich weghaben wollte...
Kommentar zum Bericht im Pfarreiforum Nr. 12/2008:
Bereits der Untertitel des Berichtes enthält zwei Falschmeldungen, die auf unseriöse und tendenziell einseitige Recherchen zurückzuführen sind :
"Ein Kirchenverwaltungsrat in Murg stand offen zu seinen pädophilen Neigungen. Schliesslich trat er unter dem Druck der Öffentlichkeit zurück. Der Administrationsrat hatte ihm diesen Schritt empfohlen."
Denn:
Die grösste Sorge des Administrationsrates waren "mögliche negative Schlagzeilen":«Die Kirchgemeinde und mit ihr die katholische Kirche könnten in Verbindung mit pädophilen Straftaten gebracht werden.»
Scheinheilig, wie man sich dies aus kirchlichen Stellungnahmen ja vielfach gewohnt ist, wird beigefügt: "Gleichzeitig warnte er vor einer Vorverurteilung. Einem pädophil veranlagten Menschen dürfe nicht automatisch eine pädophile Handlung oder Straftat zur Last gelegt werden. Diese Menschen bräuchten die Unterstützung von Therapeuten und Seelsorgern."
Eine klärende Nachfrage hielt der Administrationsrat offensichtlich nicht für nötig, ob denn wirklich eine Straftat vorliege und ob die Berichte im "Blick" tatsächlich auf ein Schuldeingeständnis zurückzuführen seien. Geradezu beleidigend auf mich wirkt die generelle Behauptung, "diese Menschen" bräuchten "Unterstützung von Therapeuten und Seelsorgern" und die Warnung vor einer "Vorverurteilung", wenn man bedenkt, dass man mich aufgrund einer Behauptung von niederträchtigen Menschen ausgerechnet in der Kirche vor- und verurteilt und existenziell schwerstens geschädigt hat, wo ich doch wohl noch einige Zeit auf das weltgerichtliche Urteil zu warten habe...
In ausführlicher Deutlichkeit wird in diesem Bericht auf die Nicht-Zuständigkeit von "St Gallen" in der vorliegenden Affäre hingewiesen, und man hat scheinbar nicht gemerkt, dass mit jeder weiteren Erklärung der geltenden Bestimmungen klarer wird, wie der Administrationsrat sich in seine eigenen Beteuerungen verheddert und sich selbst unglaubwürdig macht...
Aus der Stellungnahme des Administrationsrates zur Affäre wird nämlich zitiert, er halte es «jedoch für problematisch, einen bekennenden und auf einer eigenen Internetseite publizistisch aktiven pädophilen Menschen in ein öffentliches Amt wählen zu lassen».
Dies zeigt sich auch in der Wahl der Untertitel innerhalb des Berichtes:
-Negative Schlagzeilen
- Strafuntersuchung
unter diesem Titel wird darauf hingewiesen, dass ich "dazu anregen will, «sich mit diesem emotionsbeladenen Thema auseinanderzusetzen»" und ich aufzeigen wolle, "dass nicht alle Pädophilen gleichzeitig Straftäter seien." Das wären an sich positive oder zumindest neutrale Hinweise auf meine Absichten, wenn sie nicht unter dem negativen Vorzeichen des (wohl von der Pfarreiforum-Redaktion gewählten) Untertitels stünden... Es folgt ja auch gleich die tendenziöse Bemerkung: "Der Mann macht sich ausserdem stark für einen wegen des Missbrauchs von Kindern verurteilten Verwahrten."
Ich mache mich "stark" für einen zu Unrecht Verwahrten!!!
Auf diese Bemerkungen folgt als Schluss des Berichtes die "erlösende" Mitteilung, die scheinbar eine solche "Abrechnung" mit einem Kirchenmitarbeiter rechtfertigt:
"Unterdessen leitete die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen eine Strafuntersuchung ein wegen des Verdachts auf Sexualdelikte. Bei einer Hausdurchsuchung wurden Kinderpornos beschlagnahmt. (kipa/pem)"
Damit rechtfertigt die Kirche also diese Demontage eines freiwilligen kirchlichen Mitarbeiters.
(In der Strafrechtspraxis nennt man ein präventives, an sich widerrechtliches Vorgehen, als "geheilt", wenn zum Beispiel bei einer bereits vorsorglich durchgeführten Hausdurchsuchung belastendes Material gefunden wird. Würde man dabei nichts finden, wäre das wohl auch kein "Unheil", sondern höchstens der Beweis, dass die Staatsanwaltschaft nicht untätig geblieben ist...)
Christliches Verhalten in Reinkultur..!?
- den Bischof,
- die katholische Administration und
- die Redaktion des "Pfarreiforums",
erhebe aber hier provokativ vor meinen Leserinnen und Lesern diese Anklage zum eigenen Nachdenken...
Wie immer, bin ich für Reaktionen, Kritik und Proteste offen (Vielleicht protestiert ja auch einmal jemand an anderer Stelle zu meinen Gunsten...?)
Das Schweigen in Murg...
Murg, Anfang August 2008:
Ein Dorf und ein Alltagsleben wie an andere Orten auch.
Und dann ein solcher Bericht im "Blick" - und alles ist ganz anders!
Den Murgern wurde durch diese "Enthüllungen" ein Problem aufgelastet, dem sie aus leicht verständlichen und durchaus nachvollziehbaren Gründen nicht gewachsen waren:
1. ist "Pädophilie" ein Thema, über das niemand gerne spricht, weil es durch zu viele tatsächliche und diesem zugeschriebene Verbrechen an Kindern verrufen ist und niemand etwas damit zu tun haben will. Und niemand weiss eigentlich so recht, was er dazu sagen, - was er wirklich darunter verstehen soll.
2. war man schockiert, "Solches" über jemanden zu vernehmen, den man kennt, dem man vielleicht seine Stimme in der Kirchgemeinde-Abstimmung gegeben hat, zu dem man als Kunde hingegangen ist, gegen den man nichts einzuwenden, ihn vielleicht sogar als Mitbewohner des Dorfes geschätzt hat oder sich zumindest nicht durch sein Dasein belästigt gefühlt hat.
...ausser man entzieht sich einer solchen durch Fernbleiben oder Schweigen!
Und dies galt einige Zeit nicht nur für mich sondern für alle am Dorfleben teilnehmenden Murgerinnen und Murger, ob sie wollten oder nicht!
Mein eigenes Schweigen und mein Rückzug aus dem Dorfleben...
Wohlmeinende Mitmenschen ermunterten mich - nach einigen Tagen vollständigen Rückzuges in meine eigenen vier Wände - wieder im Dorfe einzukaufen und mich nicht abzukapseln.
Ich versuchte es. Und gab es schnell wieder auf.
Nun - eine halbes Jahr nach dem ganzen Debakel - und am Anfang eines neuen Jahres voller neuer Möglichkeiten - finde ich langsam zurück und versuche, mich unter den veränderten Bedingungen wieder einzufügen in den Murger Alltag. Noch etwas zurückgezogener als früher, bevor ich mich für das kirchliche Dorfleben engagierte und im Kirchenchor mitsang.
Das sind unwiderruflich tempi passati...
Das Schweigen des Bischofs...
dazu möchte ich jetzt schweigen...
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