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29.März - Die Odenwaldschule: nicht nur Opfer

ZUM TAG > 2010 > März 2010

Eine Musterschule gerät in die Missbrauch -Vorwurfs-Welle

ein Bericht von vielen - aus dem



"Die Odenwaldschule gilt als eine der bekanntesten deutschen Reformschulen. Vor 100 Jahren vom Pädagogen Paul Geheeb (1879-1961) gegründet, stellt sie bis heute das Lernen in Gemeinschaft in den Vordergrund. Die gut 200 Internatsschüler wohnen in rund 30 Gruppen, gemischt nach Alter und Geschlecht. Der frühere Leiter der Odenwaldschule, Gerold Becker, hat sexuelle Verfehlungen zugegeben. In einem Brief bedauerte er die Annäherungsversuche und Handlungen «zutiefst» und bat die Betroffenen um Entschuldigung. "


«Ich war der 17-Jährige, der mit der Englischlehrerin geschlafen hat»


Drei ehemalige Absolventen der Odenwaldschule berichten von ihren Erfahrungen mit den Reformpädagogen.
Einer davon sagt, dass er „alles mitgemacht habe, was auf dieser Schule gut und schlecht war.“
Er hätte eine gute Zeit gehabt in dieser Schule, aber Opfer sei er auch gewesen. Eine ehemalige Mitschülerin sagt, er sei „so ein kleiner Star an der Schule“ gewesen.

Dieser „Star" sagt von sich: «Ich war dann auch der 17-Jährige, der mit der Englischlehrerin geschlafen hat. Ich sah damals auch nicht ganz schlecht aus und war einfach mittendrin.»

Einer der heute Verleger ist, sagt: «Ich kam in einer Blitzaktion auf die Odenwaldschule, eine Schule mit hervorragendem Ruf, passend zur liberalen Strömung der Zeit. Und ich muss sagen, dass mich diese Schule gerettet hat. Ich hätte mich sonst vollständig verweigert.» Er sei nie missbraucht worden und habe auch keine Kenntnisse von diesen Vorgängen gehabt: «Ich habe nichts, wirklich gar nichts von dem, worüber wir jetzt reden, mitbekommen.»

Erstaunlich, dass er seine Tochter wieder an der Odenwaldschule angemeldet hat.

Weshalb er das gemacht habe, begründet er so:
“Ich glaube nach wie vor an die Schule. Ich glaube an die Selbstreinigung und ihre Ideale. Ich habe meiner Tochter vom Missbrauch erzählt und ihr meine Freunde von damals vorgestellt. Sie wollte danach hin.“

Eine gewisses Risiko besteht in jeder Schule, meint eine ehemalige Schülerin, aber:
«Die Gefahr an dieser Schule ist heute genauso gross wie an jedem anderen Internat. Wenn die Schule endlich anfängt, das aufzuarbeiten und sich externe Hilfe zu holen, dann ist sie in zwei, drei Jahren eine der sichersten Schulen.»

In diesem Bericht kommen diejenigen zu Wort, die andere Erfahrungen gemacht haben, bzw. die Erlebnisse anders verarbeiten konnten, als die, welche sich heute noch als "Opfer" empfinden, also bleibenden Schaden davon getragen haben.

Beides gibt es also. Und dann ist da noch die schweigende Mehrheit der ehmaligen Schülerinnen und Schüler, deren jetziges Leben scheinbar aus viel Wichtigerem besteht, oder ihnen keine Zeit bleibt, sich mit einer Vergangenheit zu befassen, die für sie nichts mehr als der Start ins aktive Erwerbsleben war.

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