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4.Mai - The Times of Harvey Milk

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Montag, 4.Mai


The Times of Harvey Milk




Das
brachte am Sonntag in der Sternstunde den legendären Dokumentarfilm von Rob Ebstein über Harvey Milk

Harvey Milk war der erste homosexuelle Stadtradt der US-Geschichte in San Francisco in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Rund um die Castro Street entstand die erste von Schwulen geprägte Nachbarschaft. Die früher unsichtbare Minderheit entwickelte ein neues Selbstbewusstsein und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich dieses auch politisch manifestierte.

In diesem Klima der Emanzipation wurde der charismatische Schwulen-Aktivist Harvey Milk zum ersten offen homosexuellen Stadtverordneten. Kaum im Amt, wird der mutige Kämpfer für Bürgerrechte und Gerechtigkeit am 27. November 1987 vom früheren Stadtrat von San Francisco, Dan White, erschossen.

Der Film THE TIMES OF HARVEY MILK, schon selbst ein Stück Filmgeschichte, rekonstruiert Milks Leben, das beispielhaft für Mut und Engagement steht, für die frühe Lesben- und Schwulenbewegung.

Grundgerüst des Films war auch ein von Harvey Milk aufgenommenes Tonband, das nach seinem Willen nur dann abgespielt werden sollte, falls er durch einen Anschlag ums Leben käme.

Harvey Milk gelang es erst im vierten Versuch, 1977, den Stuhl des Supervisors im Wahlbezirk 5 zu erobern.

Die Schwulen und andere Minderheiten hatten endlich einen gewählten Vertreter ihrer Interessen.

Harvey Milks Fotoladen im Castro-Distrikt, in dem sich überdurchschnittlich viele Schwulen und Lesben niedergelassen hatten, war zum Mittelpunkt der Schwulenbewegung, zur Info-Börse der Szene geworden.

Ein freies Ghetto, in dem sich immer mehr junge und alte Schwule „verführt“ fühlen, ihr Anderssein zu bekennen, sich ohne Komplexe und Ängste auszuleben.

The Times of Harvey Milk ist ein ergreifendes Filmdokument.

Über diese Zeit der Schwulen-Emanzipation wurde schon viel geschrieben und diskutiert, und das Thema erhält zur Zeit besondere, erlebbare Aktualität während der Europride, die zur Zeit in Zürich stattfindet.

Dass Harvey Milk und die ganze Homosexuellen-Bewegung sich mit einer so grossen Gegnerschaft herumzuschlagen hatte, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Ansicht vorherrschte, Homosexuelle könnten Heranwachsende zu homosexuellem Leben verleiten.

Die Widerstand kam - und das ist auch heute noch nicht aus der Welt geschafft - (Beispiel ist der Protest gegen die Europride aus evangelikalen Kreisen) aus der Angst, Kinder könnten auf den falschen Weg geführt oder gar verführt werden!

Indirekt also hat der Tod Harvey Milks und die immer noch anhaltenden Widerstände und poltischen Einschränkungsversuche gegen die Emanzipations-Fortschritte der Homosexuellen-Bewegung einiges mit der "Pädophilie-Hysterie" zu tun. Der Angst der Gesellschaft um ihre Kinder!

Nicht ohne Grund distanzieren sich praktisch alle Homosexuellen-Verbände vehement von den "Pädophilen", ja geraten nur allzu schnell und unüberlegt ins Lager der militanten Gegner, nicht bedenkend, wie wenig Zeir vergangen ist, als sie selber noch existenziell bedroht waren und viele es heute noch sind! (Ganz abgesehen davon, dass ein nicht unbedeutender Teil der Homosexuellen ihre ersten einschlägigen Erfahrungen mit einem älteren Freund gemacht haben und dies keineswegs als "Kindsmissbrauch" bezeichnen würden, auch wenn sie nach gesellschaftlicher Defintion noch "Kinder" waren..!)

Der Dokumentarfilm über das dramatische Ende dieses Homosexuellen-Aktivisten gibt zu denken.
Wer ihn unvoreingenommen auf sich wirken lässt, wird spüren, dass Machtgelüste, Gewalt und Vorurteile zwar ein Leben vernichten können, aber nie eine Bewegung, die mit Herzblut durchflutet ist!

Ob es "Pädophilen" je einmal gelingen wird, sich so outen zu können, wie es Harvey Milk von seinen "Artgenoss/innen" forderte, ist fraglich. Unmöglich sollte es nicht bleiben, denn es geht auch da um Menschen, die nicht als solche verachtet werden dürfen. Das schliesst nicht aus, dass deren Tun und Lassen kritisch beobachtet und diskutiert werden darf!

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