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ZUM TAG > 2010 > April 2010
Michael Meier hat den ehemaligen St. Galler Bischof Ivo Fürer im Zusammenhang mit den “Missbrauchsskandalen“ im
interviewt und hat ihn gefragt, ob er froh sei, nicht mehr im Amt zu sein.
Seine Antwort: "Wir hatten schon früher einen Fall im Bistum St. Gallen: Alois F. von Walenstadt, der verurteilt worden ist. Damals war ich Bischof. Die ganze Karwoche 2002 war ich unter Beschuss der Medien.“
Es ist doch nun wirklich bezeichnend für das Denken gewisser Kirchenoberen, dass sie in erster Linie ihr eigenes „Gesicht“ zu wahren versuchen und sich persönlich angegriffen fühlen, weil sie sich – wohl unbewusst – in ihrer Selbstgerechtigkeit verletzt fühlen. Was sie wirklich falsch gemacht haben und wie sie glaubwürdig bleiben könnten - und mit ihr "die Kirche" - lassen sie sich nur von jenen sagen, die ihre eigenen Position bestärken. Darum bleiben sie unglaubhaft und weiterhin zu Recht angegriffen.
Bischof Fürer ist kein Befürworter eines zentralen „Missbrauchsregisters“ in Rom. Dort könnten ja nur gerichtlich verurteilte Priester registriert werden. Er möchte es den Bischöfen überlassen, bei der Anstellung eines Priesters genau zu prüfen, ob gegen diesen etwas vorliegt.
Ich will hier Bischof Ivo auch nicht weiter kritisieren, weil ich seine sonstigen Ansichten, in diesem Interview nur unterstützen kann. Es ging ja auch in erster Linie um die Frage, wie es weiter gehen soll in der Frage der Sinnhaftigkeit der Beibehaltung des Zölibats. Dass er ziemlich unverblümt seine Meinung zum Zentralismus unter Johannes Paul II. und zum jetzigen Papst sagt, kann er wohl so erst als eremitierter Bischof.
Auf die letzte Frage, ob die Kirche eine Zukunft habe, meint Ivo Fürer:
„Wir sind in einem grossen Umbruch. Noch leben wir sehr stark von früheren Erfahrungen als Volkskirche, zu der jeder praktisch von Geburt weg angehörte. Ich denke, der Weg des Menschen wird in Zukunft ein anderer sein: Man wird nicht einfach in eine Kirche hineingeboren und kann dann noch Christ werden. Man wächst umgekehrt in den Glauben und in die Kirche hinein.“
Oder man wird, auf Verlangen der Medien, von den Kirchenoberen zur Befriedigung des sensationsgeilen Volkes aus der Kirche hinauskatapultiert...
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