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29.Januar - Pädophilie-einfach nicht heilbar?

ZUM TAG > 2010 > Januar 2010

Interview zu Kindesmissbrauch


"Pädophilie ist einfach nicht heilbar"


Diese Überschrift kann zweierlei heissen:

  • es ist nicht so einfach, Pädophilie zu heilen
  • Pädophilie ist keinesfalls heilbar


Beides trifft nicht zu!

Pädophilie ist keine Krankheit, sondern eine auf Kinder vor der Pubertät gerichtete Sexualpräferenz. Nach Wikipedia ist „-philie (von griech. philos - der Freund)... eine Vorliebe oder Neigung insbesondere eines Menschen zu einer bestimmten Gattung von Objekten oder Personen. Pädophilie ist also eine (sexuelle) Neigung zu Kindern.
Nach Wikipedia bezeichnet der Begriff „Pädophilie“ nur die sexuelle Präferenz, aus der sich Handlungsimpulse ergeben können, aber nicht müssen. Kommt es jedoch zu strafbaren Handlungen - also zu real ausgelebter Sexualität mit Kindern - spricht man nicht mehr von „Pädophilie“, sondern von „Pädosexualität“.
Sexualstraftäter zu outen verhindere keinen Rückfall, sagt der Therapeut Christoph Joseph Ahlers.
Im Interview geht es um einen mutmaßlich rückfällig gewordenen Sexualstraftäter.

Christoph Joseph Ahlers wird gefragt, weshalb die Volksseele beim Thema sexueller Kindesmissbrauch immer so hoch kocht.

Weil es um schutzlose Kinder gehe und es sich um Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung handelt. Das löse bei allen Menschen maximale Empathie aus, gegen die mit Abscheu und Wut reagiert werde.

Was Ahlers beifügt, verdient hohe Beachtung:

  • „Wichtig ist in diesem Kontext, zwischen sexuellem Kindesmissbrauch und Pädophilie zu unterscheiden. Die überwiegende Mehrzahl von sexuellem Kindesmissbrauch wird von nichtpädophilen Tätern begangen.


Zwei wichige Aspekte erwähnt er damit:

1. Pädophilie ist nicht gleichzusetzen mit sexuellem Kindmissbrauch
2. Es sind nicht Pädophile, die in überwiegender Mehrzahl für den sexuellen Kindesmissbrauch verantwortlich gemacht werden müssen, sondern nichtpädophile Täter!

Auf die Frage, ob Anwohner zu warnen seien, wenn ein ehemaliger Sexualstraftäter im Quartier wohnt, meint Ahlers:
„ was aus der Bekanntmachung von Sexualstraftätern folgt, ist aus den USA bekannt: Die entlassenen Männer wurden stigmatisiert. In keinem Fall ist eine kriminalpräventive Wirkung nachgewiesen worden. Dadurch wird einer Resozialisierung und Wiedereingliederung solcher Menschen entgegengewirkt."

Zwei wichtige Faktoren, die gegen eine solche Warnung sprechen:

1. Stigmatisierung wirkt nicht präventiv
2. der Resozialisierung und Wiedereingliederung solcher Menschen wird entgegengewirkt.

Folge ist, dass „die Nachbarschaft auf die Barrikaden geht; Bürgerwehren entstehen, die vor den Häusern Wache halten. Die Männer werden ausgegrenzt und isoliert. All das erhöht das Risiko neuer Straftaten.“

Ahlers rät zu wirkungsvollerem Verhalten:

  • Eltern sollen in engem Kontakt zu ihren Kindern stehen, viel Zeit mit ihnen verbringen und eine enge Beziehung zu ihnen haben.
  • So wissen Kinder, dass sie mit allem, was sie bewegt und was sie erleben, zu ihren Eltern kommen können.
  • Kinder sind besonders gefährdet, wenn sie wenig Aufmerksamkeit, Fürsorge, Geborgenheit und Aufgehobenheit in ihren Elternhäusern erfahren.


Eine Klärung zur überschrift zudiesem Interview ergibt sich vielleicht in der Beantwortung der Frage, ob der erwähnte Straftäter deshalb so gefährlich sei, weil er therapieresistent sei, oder direkt gefragt:

Ist Pädophilie denn heilbar?

Nein, meint Ahlers. „Die sexuelle Ansprechbarkeit durch vorpubertäre Kinderkörper ist in der Persönlichkeitsstruktur verankert. Sie lässt sich therapeutisch nicht löschen oder ins Gegenteil verkehren“.

Also doch:

Pädophilie ist nicht heilbar!


Ob ein Pädophiler sich trotzdem verantwortungsvoll verhalten könne, wird Ahlers weiter gefragt.
„Durchaus“, meint er. Er müsse aber ein Problembewusstsein dafür entwickeln, dass er sexuell auf Kinder ansprechbar sei.

Doch dann folgt das, was man auch
„Deformation professionelle“ nennen könnte.

Wörtlich sagt er:
„ Daraus folgt in der Regel ein Leidensdruck. Das sind die bedingenden Voraussetzungen für eine Therapiemotivation und für den eigenen Willen, keine Übergriffe zu begehen. Wenn das erfüllt ist, sind die therapeutischen Optionen groß: Denn dann lernen die Betroffenen, dass sie zwar an ihrer sexuellen Präferenz nicht schuld sind, aber für ihr sexuelles Verhalten verantwortlich.“

Besänftigend könnte man Ahlers zugute halten, dass es keine Regel ohne Ausnahmen gibt. Eher aber spricht er im Folgenden von Ausnahmen und ignoriert ganz einfach, dass der Grossteil der Pädophilen auch ohne Therapie durchs Leben kommt, ohne straffällig zu werden oder einem Kinde geschadet zu haben. Oder zumindest sich dessen so wenig bewusst ist, in "normalen" Verhaltensweisen, wie jeder „normale“ Mensch auch. Fehlerfrei sind wir ja alle nicht!

Der Rest des Interviews ist dann nur noch Reklame für das Projekt der Charité und Aufforderung zur Therapie für alle „Pädophilen“, als der einzige Weg, der ihnen von Experten zur gesellschaftlichen Akzeptanz offen gelassen wird.

Erfreulicherweise kann er dem Ruf aus dem Volk nicht viel abgewinnen, ein Kinderschänder sei für immer wegzusperren. Das sei verfassungsrechtlich sehr schwierig.

Jedoch müsste noch genauer geklärt werden, wie er in konkreten Fällen dazu steht, wenn er sagt:
„Jemand der sich weigert, sich helfen, sprich: behandeln zu lassen, dem ist nicht zu helfen. Gegen den Willen eines Patienten ist keine Behandlung möglich. Wenn er Übergriffe begeht, muss dafür gesorgt werden, dass das nicht passieren kann.“

Das mag im Fall Uwe K. so sein, dass ihm, bzw. der Gesellschaft, anders nicht zu helfen ist, als dass er verwahrt würde.

  • Wie verhält es sich aber, wenn einem "Täter" etwas vorgeworfen wird, das nicht eindeutig bewiesen werden kann?


Auf die komische Frage hin, was er Eltern raten würde,
„die von der Polizei vor einem Sexualstraftäter gewarnt werden und ihre Kinder dennoch mit so einem Mann in ihrer Wohnung allein lassen“, meint er, das sei „der eigentliche Tabubereich in dieser gesamten Thematik: dass Kinder, die zu Hause wenig Zuwendung bekommen, die viel allein, auf sich gestellt oder sogar verwahrlost sind, natürlich empfänglich werden für die Zuwendung anderer Erwachsener. Solche Kinder haben ein signifikant höheres Risiko, Opfer von sexuellen Übergriffen zu werden.“

Das Phänomen sei bekannt dass es sich häufig um allein erziehende Eltern, in der Regel Mütter, handelt, die oft überfordert und deshalb froh seien, wenn sie die Kinder mal vom Hals hätten. Es sei für sie eine Entlastung, wenn jemand sage,
“ ich gehe mit denen auf den Spielplatz.“ Dies sei eben genau diese Einlassstelle, die Personen suchten, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen.

Er betont jedoch gleichzeitig:

  • „Nicht immer steckt hinter so einer Kontaktaufnahme eine Täterstrategie, also der boshafte, hinterlistige Versuch, ein Kind sexuell zu missbrauchen“
  • Personen mit pädophiler Sexualpräferenz interessieren sich ganzheitlich für Kinder.
  • Sie verlieben sich in Kinder und wünschen sich mit ihnen partnerschaftliche Beziehungen,
  • ein Teil davon ist Sexualität.
  • Wenn die Kinder mit Beginn der Pubertät dem kindlichen Körperstatus entwachsen, verliert sich das Interesse eines Pädophilen nach und nach.“


Ahlers weist auch darauf hin, dass man Eltern, die alle Warnungen ignorieren, nicht ganz von der Verantwortung für allfällige Geschehnisse freisprechen könne..

Der entlassene Straftäter Uwe K. hatte die Auflage, sich keinen Kinderspielplätzen und keinen minderjährigen Mädchen mehr zu nähern.

Aus Sicht der Gesellschaft seien das verständliche Auflagen, aber nach der Einschätzung Ahlers sei eine totale Kontrolle nahezu unmöglich.

Ahlers meint, es wäre viel mehr geholfen, „wenn jede Person, die wegen sexuellen Kindesmissbrauchs aktenkundig wird, einer sachverständigen Begutachtung zugeführt würde. Denn diejenigen, die eine Pädophilie haben, bedürfen einer ganz anderen therapeutischen Herangehensweise als diejenigen, die Ersatzhandlungstäter sind.“

Fazit dieses Interviews:
Was sagte Ahlers am Anfang?

  • „Wichtig ist in diesem Kontext, zwischen sexuellem Kindesmissbrauch und Pädophilie zu unterscheiden. “


Dieses Interview wurde ausgelöst durch die erneuten Verfehlungen des Uwe K., dem rückfällig gewordenen Sexual-Straftäter. Dieser Mann hat pädosexuelle Straftaten begangen.

Ist er wirklich „pädophil“?

Betrachtet man die Statistik über die mutmassiche Anzahl von „Pädophilen“, wäre er zu den verhältnismässig verschwindend wenigen „schwarzen Schafen“ unter diesen Aussenseitern der Gesellschaft zu zählen. Das soll nicht verharmlosend erwähnt werden , aber nach Wikipedia muss davon ausgegangen werden, dass es allein in Deutschland nach vorsichtigen Schätzungen 50.000 bis 200.000 pädophile Männer gibt.
„Internationale Studien gehen davon aus, dass bei etwa 1 % aller erwachsenen Männer eine primärpädophile Ausrichtung vorliegt.“
Die meisten kommen damit also zurecht, ohne straffällig zu werden. Was bei solchen Schätzungen auch noch berücksichtigt werden muss, ist das, was Ahlers nicht verschwiegen hat:

  • „Die überwiegende Mehrzahl von sexuellem Kindesmissbrauch wird von nichtpädophilen Tätern begangen.“


Die Frage bleibt offen, ob bei solchen Schätzungen diese Mehrzahl eingeschlossen ist!

Auch wenn Ahlers darauf aufmerksam macht, dass die meisten Übergriffe von "nichtpädophilen Tätern" verübt werden, bleiben - bei meist oberflächlicher Lesepraxis voreingenommener Leser/innen - doch wieder „die Pädophilen“ als „die grosse Gefahr“ für Kinder und Gesellschaft im Gedächtnis.






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