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ZUM TAG > 2010 > März 2010
Mein lieber Junge“ hat mir folgendes Mail gesandt:
"Ave Martin ,
Es ist erstaunlich wie jetzt selbst die Kirche mit diesem primitiven Pauschalvorwurf demontiert wird.
Mit was könnte das konkret zu tun haben?
Salve (der Junge)!
Meine Antwort:
Ave "Junge"!
Dich mag es erstaunen, dass nun "selbst die Kirche" demontiert werden soll mit dem Pauschalvorwurf, bei der Aufarbeitung von Missetaten einiger ihrer Mitarbeiter kläglich versagt zu haben. Mich wundert das gar nicht, aber ich habe natürlich durch meine diversen Einblicke und Engagements auch einen ganz anderen Bezug zur Kirche.
Ganz einfach gesagt: mit den persönlichen Hemmungen oder gar Weigerung der zuständigen Menschen, sich unvoreingenommen und sachlich umfassend mit der Problematik zu befassen.
Was konkrete Einzelfälle betrifft, kommt die an sich nicht unberechtigte Angst vor den sensationslüsternen Medien hinzu. Da versucht man lieber, Probleme intern zu lösen. Das heisst bei einem sogenannten "Missbrauchsfall" Lösungen zu suchen durch Gespräche mit den direkt Betroffenen und der Einleitung von Massnahmen zur Vermeidung von weiterem Schaden, sowohl für das geschädigte Kind oder die geschädigten Kinder, aber auch für die betroffene Kirchgemeinde und die Kirche als Ganzes und -last but not least - zur Einhaltung der Verhältnismässigkeit und Gerechtigkeit auch gegenüber dem "Täter"!
Ich habe mich bis zu meiner eigenen "Demontage" durch führende Mitarbeiter dieser Kirche immer für diesen internen Lösungsweg solcher Probleme im Namen der Kirche stark gemacht und sie in ihrer Taktik verteidigt, sofern nachgewiesenermassen interne Lösungen gefunden werden konnten, die auch für die sogenannten "Opfer" annehmbar waren.
Nun aber sieht alles auch für mich anders aus, und ich sehe keinen Anlass mehr, dass ich "die Kirche" weiter zu verteidigen hätte.
Du bekamst ja durch mich einen Dir vorher ganz unbekannten Einblick in die konkreten Aufgaben eines Kirchenverwaltungsrates und in die lebensbereichernen Auswirkungen, die ein aktiver Mitarbeitsstab für eine Kirchgemeinde haben kann.
Dein Erstaunen über den „Grossangriff“ auf die Kirche und Deine Frage zu den Gründen für diese Aktion, mag auch mit Deinen eigenen Erfahrungen zusammenhängen, die Du mit der Kirchgemeinde Murg - insbesondere mit unserem Pfarrer -( vor seiner "Wandlung"! )- gemacht hast. Du hast für die neue Orgel in der Murger-Kirche vier Pfeifen gespendet, weil Du so überrascht warst und Dich mit mir darüber freutest, dass ich in dieser Kirchgemeinde so gut integriert war und selbst der Pfarrer die positiven Eigenschaften unserer Freundschaft und meine Engagement in der Beratung zum Thema "Pädophilie" anerkannte! Du konntest teilhaben an der im wahrsten Sinne aufbauenden Teamarbeit im Kirchenverwaltungsrat und erlebtest den Aufbau der neuen Orgel bis sie inklusive Deinen gespendeten Pfeifen für ihre wohltönende Aufgabe in Betrieb genommen werden konnte. Wie Deine und meine Mitwirkung an diesem Projekt "belohnt" wurde, weisst Du ja...
Weil in Dir nun wohl gerade ungute Gefühle aufsteigen werden, möchte ich von Deinen Fragen die letzte als erste zu beantworten versuchen. Sie tangiert nämlich sehr direkt auch Deine Erfahrungen mit "der Kirche":
Da gibt es ja zuerst einmal unser ganz individuelles Beispiel dazu, wie oben erwähnt Noch mehr darüber kannst Du hier nachlesen.
Aus diesem Beispiel aus eigener Erfahrung, in dem Du ja indirekt entscheidend mitgewirkt hast, ergab sich für mich folgende Theorie, die ich unter folgenden Leitsatz stelle:
"Alles wirkliche Leben ist Begegnung"!
(Martin Buber, jüdischer Philosoph und Theologe!)
Daraus ergibt sich auch eine Antwort auf Deine zweite Frage:
Das führt zu Deiner ersten Frage:
Tatsächlich sind es bereits seit Jahrzehnten die Frauen, die Bewegung in die Kirche/n gebracht haben. Am wenigsten Erfolg hatten sie bis heute mit ihren Forderungen bei der katholischen Kirche.
Obwohl heute schon sehr viele kirchliche Mitarbeiter/innen, Priester, Bischöfe und auch Kardinäle - und der Grossteil der Gläubigen - aus persönlicher Sicht nichts gegen die Weihe von Frauen und weitere Kompetenzen für Frauen hätten, wird sich da nicht so schnell etwas ändern.
Ich vermute, dass die nun so heftig ausgebrochenen Angriffe auf die Kirche sehr viel mit einer in gewissen anliegen berechtigten Frauenemanzipation zu tun hat. Parallel zu dieser Aktualität laufen ja z.B. heftige Diskussionen und Proteste im Zusammenhang mit der ungleichen Entlöhnung von Männern und Frauen für gleiche Arbeitsleistung. ( Ein Thema, das ja auch schon seit Jahrzehnten immer wieder einmal in den Medien grosse Wellen wirft und sich Veränderungen nur schleppend einstellen! )
Die "Missbrauchshysterie" schwappt ja auch schon seit Jahrzehnten immer dann wieder wie ein Tsunami durch die Medien, wenn ein spektakulärer Fall ein "Beben" ausgelöst hat.
Federführend sind dabei seit Anbeginn die Frauen. (Z.B "Marche blanche", oder die Initiantinnen der Verwahrungs- und Nichtverjährungsinitiative!)
Allerdings steht hinter dem aktuellen, unglaublich heftig ausgebrochenen "Beben" und der Ausrichtung der "Tsunamiwellen" nach meiner Ansicht eine viel umfassendere Angriffsmacht:
Weil Du mir diese Fragen stellst, will ich nochmals auf unsere ganz individuelle Betroffenheit zurückkommen und selbst eine Frage stellen, die wohl nie befriedigend beantwortet werden kann:
Wie Du ja selbst feststellen kannst, lasse ich mich nicht so schnell abwimmeln und einschüchtern in meinen Bestrebungen, die "Mächtigen", nicht einfach unbehelligt in ihrer Voreingenommenheit und verlogenen Moral suhlen zu lassen.
Im Bewusstsein, dass ich wie der David vor dem Goliath stehe, aber niemals über gleiche Kräfte und Waffen verfügen werde, grüsse ich Dich trotzdem voller Zuversicht, dass mein Engagement einmal wieder positive Folgen haben wird!
Salve, Dein alter Martin
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