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27.März - "Mein lieber Junge" stellt Fragen

ZUM TAG > 2010 > März 2010

Mein lieber Junge“ hat mir folgendes Mail gesandt:

"Ave Martin ,
Es ist erstaunlich wie jetzt selbst die Kirche mit diesem primitiven Pauschalvorwurf demontiert wird.
Mit was könnte das konkret zu tun haben?

  • Die Frauen wollen eine der letzten Männerbastionen knacken?
  • Kirche destabilisieren zu Gunsten anderer Religionen?
  • Hast du eine Theorie?


Salve (der Junge)!


Meine Antwort:

Ave "Junge"!

Dich mag es erstaunen, dass nun "selbst die Kirche" demontiert werden soll mit dem Pauschalvorwurf, bei der Aufarbeitung von Missetaten einiger ihrer Mitarbeiter kläglich versagt zu haben. Mich wundert das gar nicht, aber ich habe natürlich durch meine diversen Einblicke und Engagements auch einen ganz anderen Bezug zur Kirche.

  • Mit was hat dies konkret zu tun?


Ganz einfach gesagt: mit den persönlichen Hemmungen oder gar Weigerung der zuständigen Menschen, sich unvoreingenommen und sachlich umfassend mit der Problematik zu befassen.

Was konkrete Einzelfälle betrifft, kommt die an sich nicht unberechtigte Angst vor den sensationslüsternen Medien hinzu. Da versucht man lieber, Probleme intern zu lösen. Das heisst bei einem sogenannten "Missbrauchsfall" Lösungen zu suchen durch Gespräche mit den direkt Betroffenen und der Einleitung von Massnahmen zur Vermeidung von weiterem Schaden, sowohl für das geschädigte Kind oder die geschädigten Kinder, aber auch für die betroffene Kirchgemeinde und die Kirche als Ganzes und -last but not least - zur Einhaltung der Verhältnismässigkeit und Gerechtigkeit auch gegenüber dem "Täter"!

Ich habe mich bis zu meiner eigenen "Demontage" durch führende Mitarbeiter dieser Kirche immer für diesen internen Lösungsweg solcher Probleme im Namen der Kirche stark gemacht und sie in ihrer Taktik verteidigt, sofern nachgewiesenermassen interne Lösungen gefunden werden konnten, die auch für die sogenannten "Opfer" annehmbar waren.

Nun aber sieht alles auch für mich anders aus, und ich sehe keinen Anlass mehr, dass ich "die Kirche" weiter zu verteidigen hätte.

Du bekamst ja durch mich einen Dir vorher ganz unbekannten Einblick in die konkreten Aufgaben eines Kirchenverwaltungsrates und in die lebensbereichernen Auswirkungen, die ein aktiver Mitarbeitsstab für eine Kirchgemeinde haben kann.

Dein Erstaunen über den „Grossangriff“ auf die Kirche und Deine Frage zu den Gründen für diese Aktion, mag auch mit Deinen eigenen Erfahrungen zusammenhängen, die Du mit der Kirchgemeinde Murg - insbesondere mit unserem Pfarrer -(
vor seiner "Wandlung"! )- gemacht hast. Du hast für die neue Orgel in der Murger-Kirche vier Pfeifen gespendet, weil Du so überrascht warst und Dich mit mir darüber freutest, dass ich in dieser Kirchgemeinde so gut integriert war und selbst der Pfarrer die positiven Eigenschaften unserer Freundschaft und meine Engagement in der Beratung zum Thema "Pädophilie" anerkannte! Du konntest teilhaben an der im wahrsten Sinne aufbauenden Teamarbeit im Kirchenverwaltungsrat und erlebtest den Aufbau der neuen Orgel bis sie inklusive Deinen gespendeten Pfeifen für ihre wohltönende Aufgabe in Betrieb genommen werden konnte. Wie Deine und meine Mitwirkung an diesem Projekt "belohnt" wurde, weisst Du ja...
Weil in Dir nun wohl gerade ungute Gefühle aufsteigen werden, möchte ich von Deinen Fragen die letzte als erste zu beantworten versuchen. Sie tangiert nämlich sehr direkt auch Deine Erfahrungen mit "der Kirche":

  • Hast du eine Theorie?


Da gibt es ja zuerst einmal unser ganz individuelles Beispiel dazu, wie oben erwähnt Noch mehr darüber kannst Du hier nachlesen.

Aus diesem Beispiel aus eigener Erfahrung, in dem Du ja indirekt entscheidend mitgewirkt hast, ergab sich für mich folgende Theorie, die ich unter folgenden Leitsatz stelle:

"Alles wirkliche Leben ist Begegnung"!
(Martin Buber, jüdischer Philosoph und Theologe!)


  • Nichts scheuen gewisse Kirchenverantwortliche mehr als eine konstruktive Begegnung mit Menschen, die ihren Glauben an ihre eigene Unfehlbarkeit ins Wanken bringen.


  • Weil kein Mensch unfehlbar ist, dürfte hier die Bezeichnung "Voreingenommenheit" treffender sein.


  • Weil der Kern jeden Glaubens nichts Fassbares ist, steckt gerade darin die grosse Gefahr der Machtausübung durch den Zwang zum Glauben an etwas! Darum haben Religionen seit Menschengedenken eine so bedeutende und oft problematische Auswirkung auf unser Leben!


  • Voreingenommenheit ist Glauben an etwas, das bei ernsthaftem Bemühen zur Wahrheitsfindung, in sich zusammenfällt. Bezogen auf den Umgang der Kirche mit den "Missbrauchsskandalen", ist diese gar nicht zu einer Alle befriedigenden Lösung fähig. Im Glauben an einen Gott oder an Götter kann niemand jemandem beweisen, dass sein Glaube falsch ist, weil man Gott oder Göttern nicht so begegnen kann wie einem Mitmenschen.


  • Wenn ich aber einem Mitmenschen, der Erwartungen an mich hat, nicht unvoreingenommen begegnen kann, gehe ich "am Leben vorbei". Das ist das Problem der "Kirche"! Sie kann es anscheinend nicht! Sie geht an allzu vielen vorbei, die von ihr eine Lebenshilfe erwarten.


  • Statt echte Lebenshilfe zu bieten, geht die "Kirche" vor der teuflischen Macht der Sensationsmedien in die Knie und lässt sich von diesen nach deren Lust, Laune und Profitgier manipulieren!


Daraus ergibt sich auch eine Antwort auf Deine zweite Frage:

  • Kirche destabilisieren zu Gunsten anderer Religionen?


  • Religion mit steigendem Zuwachs sind die Medien im umfassenden Sinn! Wir sollen kaufen, was uns von diesen aufgedrängt wird und daran glauben, dass uns das Beste angeboten wird. (Blöder kann Werbung oft kaum mehr sein – weshalb wird sie denn so gemacht?!)


  • Wahres Glück und Lebenssinn liegt im Konsumieren! Das ist die MIssions-Botschaft der freien Marktwirtschaft! Sie befriedigt unsere Lust und vertreibt alle Sorgen!


  • Wir sollen glauben, was uns die Sensationsmedien als Tatsachen vermitteln. Kaum jemand würde zwar bei direkter Frage: "Glaubst du das?" rückhaltlos mit "ja" antworten. Und doch ist es schwer, wieder ungeschehen zu machen, was durch unzutreffende Sensationsmeldungen an Schaden angerichtet wurde!


  • Wer sich der masslosen Marktwirtschaft widersetzt, findet in unzähligen Alternativangeboten jeglicher Art das vielleicht Passende für sich.


  • Am wenigsten passen heute die Angebote der alteingesessenen Kirchen. Wer heute noch den Landeskirchen angehört, tut dies zum grösseren Teil aus praktischen und/oder gesellschaftlichen Gründen. Einen wirklichen Lebenssinn in der Zugehörigkeit zu einer solchen finden heute nur noch wenige.


Das führt zu Deiner ersten Frage:

  • Die Frauen wollen eine der letzten Männerbastionen knacken?


Tatsächlich sind es bereits seit Jahrzehnten die Frauen, die Bewegung in die Kirche/n gebracht haben. Am wenigsten Erfolg hatten sie bis heute mit ihren Forderungen bei der katholischen Kirche.
Obwohl heute schon sehr viele kirchliche Mitarbeiter/innen, Priester, Bischöfe und auch Kardinäle - und der Grossteil der Gläubigen - aus persönlicher Sicht nichts gegen die Weihe von Frauen und weitere Kompetenzen für Frauen hätten, wird sich da nicht so schnell etwas ändern.

Ich vermute, dass die nun so heftig ausgebrochenen Angriffe auf die Kirche sehr viel mit einer in gewissen anliegen berechtigten Frauenemanzipation zu tun hat. Parallel zu dieser Aktualität laufen ja z.B. heftige Diskussionen und Proteste im Zusammenhang mit der ungleichen Entlöhnung von Männern und Frauen für gleiche Arbeitsleistung. ( Ein Thema, das ja auch schon seit Jahrzehnten immer wieder einmal in den Medien grosse Wellen wirft und sich Veränderungen nur schleppend einstellen! )

Die "Missbrauchshysterie" schwappt ja auch schon seit Jahrzehnten immer dann wieder wie ein Tsunami durch die Medien, wenn ein spektakulärer Fall ein "Beben" ausgelöst hat.
Federführend sind dabei seit Anbeginn die Frauen. (Z.B "Marche blanche", oder die Initiantinnen der Verwahrungs- und Nichtverjährungsinitiative!)

Allerdings steht hinter dem aktuellen, unglaublich heftig ausgebrochenen "Beben" und der Ausrichtung der "Tsunamiwellen" nach meiner Ansicht eine viel umfassendere Angriffsmacht:

  • die Macht der Verlogenheit – oder im Klartext: die Macht und Verlogenheit der Moralist/inn/en in allen Lagern, die dahinter ihr eigenes schlechtes Gewissen verdrängen können.


Weil Du mir diese Fragen stellst, will ich nochmals auf unsere ganz individuelle Betroffenheit zurückkommen und selbst eine Frage stellen, die wohl nie befriedigend beantwortet werden kann:

  • Wie kann man von einer ins Beben geratenen Kirche eine ehrliche und effiziente Haltung erwarten, wenn sie nicht einmal da bereit ist zur Wahrheit zu stehen, wo sie sich durch ihre Voreingenommenheit (=Sturheit – Bequemlichkeit - Angst?) selbst Schaden zufügt, weil sie sich durch kirchenfeindliche Dummköpfe eigene Mitarbeiter ohne jegliche Gegenwehr "abschiessen" lässt?


Wie Du ja selbst feststellen kannst, lasse ich mich nicht so schnell abwimmeln und einschüchtern in meinen Bestrebungen, die "Mächtigen", nicht einfach unbehelligt in ihrer Voreingenommenheit und verlogenen Moral suhlen zu lassen.


Im Bewusstsein, dass ich wie der David vor dem Goliath stehe, aber niemals über gleiche Kräfte und Waffen verfügen werde, grüsse ich Dich trotzdem voller Zuversicht, dass mein Engagement einmal wieder positive Folgen haben wird!

Salve, Dein alter Martin




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