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25.März - Kinder-und Erwachsenensexualität

ZUM TAG > 2010 > März 2010

Kindliche Sexualität sei nicht mit jener von Erwachsenen gleichzusetzen, schreibt die Soziologin Andrea Hauri heute im unter dem Titel:


«Hören wir auf, von Missbrauch zu sprechen»


Die Soziologin Andrea Hauri kritisiert „namhafte Persönlichkeiten wie etwa Adolf Muschg“ und findet, dass sie „deutlich zu weit“ gehen.

Sie meint dass sich „namhafte Persönlichkeiten .... mit einer täterfreundlichen und die sexuelle Gewalt verharmlosenden Haltung in die öffentliche Debatte eingeschaltet“ hätten. Sie findet es daneben, wenn über Reformpädagogik gestritten und Platon zitiert werde.

„ Es ist genug. „ findet sie.

Man solle jetzt „endlich“ von den „Kindern, den Jugendlichen, jenen, die Opfer wurden und es werden könnten“, reden!

Nach ihrer Ansicht sei das Kind bisher „vorwiegend als Ding, als Objekt sexueller Befriedigung in Erscheinung getreten“. Sie kritisiert den Psychoanalytiker Peter Passett, weil er es „als problematisch“ erachtet, dass die Kinderpornografie grundsätzlich verboten sei.

Sie mag zwar Recht haben, dass ein Kind bei der Herstellung pornografischen Materials auch dann als Kind „ausgebeutet“ wird, wenn die Bilder verändert werden. Was jedoch weder sie und leider auch Passet nicht zur Sprache bringen, ist die Tatsache, dass jegliches Bildmaterial mit nackten Kindern als „harte Pornographie“ qualifiziert wird, wenn solche bei einem „Pädophilen“ beschlagnahmt wird. Es ist sicher auch ein Unterschied, ob z.B. pubertierende Knaben sich nackt präsentieren und stolz zeigen, oder ob ein Erwachsener zu sehen ist, der mit Gewalt seine Lust an einem Kinde befriedigt. Leider hat Passet es verpasst, in seinem ansonsten sensationell wirklichkeitsgerechten und deshalb äusserst mutigen Beitrag zur wohl noch lange anhaltenden „Missbrauchsdebatte" zu betonen, dass unter „Kinderpornographie“ einfach alles fällt, was den Betrachter sexuell erregen könnte. Also auch harmlose Nacktbilder, auch wenn das offiziell dementiert wird. (Ich kann dies aus eigener Erfahrung bezeugen!)

Dass Kinder bereits von Geburt an
„eine Sexualität“ haben, ist keine neue Erkenntnis, auch nicht, dass diese „in keiner Weise mit jener von Erwachsenen gleichzusetzen“ sei.

Wer behauptet denn solches?

  • Es stimmt, dass Kinder traumatisiet werden können, wenn sie mit der Erwachsenensexualität konfrontiert werden.


  • Es stimmt, dass Kinder nicht von Erwachsenen zur eigenen Lustbefriedigung missbraucht werden dürfen.


Zu behaupten, der Schriftsteller Adolf Muschg versuche mit dem Verweis
„auf die Antike und den Wandel in der Beurteilung von sexuellen Handlungen zwischen Erwachsenen und Kindern die heutige Kriminalisierung und moralische Verurteilung von sexuellen Handlungen mit Kindern zu relativieren“ , ist eine überhebliche Fehleinschätzung eigener Unvoreingenommenheit und Kompetenz.

Frau Hauri glaubt, die Gesellschaft habe sich
„glücklicherweise weiterentwickelt“, sodass „Vergleiche unserer heutigen Normen und Werte mit der Antike“ unangebracht seien. Sicher gelten heute andere Normen und Werte. Ob diese aber alle so viel besser sind und die Kinder nicht total überfordert sind mit dem, was ihnen die Erwachsenen in ihrem alleinseligmachenden Glauben an die Marktwirtschaft aufdrängen, wäre bei dieser Expertin nachzufragen.

Frau Hauri findet Muschgs Äusserung unhaltbar,
„dass zwischen sexueller Gewalt und angemessener Zärtlichkeit keine Trennung möglich sei“.

Frau Hauri dürfte es nicht bewusst sein, dass sie selbst im naturgegebenen Machtgefälle zwischen Kind und Erwachsenem folgenschwere Grenzen überschreitet. Wer definiert denn, wann Grenzen überschritten werden? Sie behauptet, Muschg laste die Verantwortung für sexuelle Gewalt an Kindern nicht dem Täter als Individuum zu sondern sie sei Teil der menschlichen Grundverfassung.

Wörtlich sagte Muschg:

Zurzeit fegt eine Welle der Empörung über die katholischen Bildungsinstitutionen. Man findet die dort herrschende Doppelmoral unerträglich. Wenn man jetzt aus Symmetriegründen auch noch die reformpädagogischen Anstalten, die genau diese Doppelmoral bekämpft haben, über den gleichen Leisten schlägt, wird mir unwohl. Die Stimmen ehemaliger Schüler aus den reformpädagogischen Anstalten sind längst nicht so ungeteilt, wie in den Hetzkampagnen der Anschein entsteht. Dass diese Sache auch eine dunkle Kehrseite hat, das bin ich nicht bereit einem Individuum anzulasten, wenn schon der «condition humaine», der menschlichen Grundverfassung.“

Ob Muschg damit eindeutig zu weit geht, könnte man ihm vielleicht anlasten, wenn er nicht im selben Interview schon am Anfang ganz klar gesagt hätte:

„Ich bagatellisiere Gewalt und Missbrauch in keiner Form - genau darum habe ich etwas gegen Hexenjagden wie diese jetzt. Man kann auch aus Korrektheit Gewalt üben, bis in die Sprache hinein.“

Genau um dies geht es:
Um die Sprache. Um Worte.

Mit folgenden Worten glaubt Frau Hauri ein für allemal alles klar gemacht zu haben:

Wer Kinder sexuell ausbeutet, ist als erwachsenes Individuum vollumfänglich dafür verantwortlich. Sexuelle Gewalt darf in keiner Weise legitimiert werden.“

Damit ist aber nur das eine gesagt, nämlich das, was dort gilt, wo Kinder wirklich sexuelle Gewalt erleiden mussten.

Muschg hat an anderer Stelle gesagt:

„Die Übergänge vom Unerlaubten zum Möglichen sind zu delikat und zu subtil, als dass man sie dem Rechenschieber der Pedanten und Moralisten überlassen darf. Und die führen heute das grosse Wort."

Führt Frau Hauri "das grosse Wort", wenn sie meint:

„Wichtig wäre es, darüber zu diskutieren, wie präventive Massnahmen für Heime, Schulen, Kirchen und Sportverbände gegen sexuelle Gewalt aussehen und darauf zu drängen, dass solche umgesetzt werden müssen.“

Diskutieren will Frau Hauri. Da kommt dem kritischen Beobachter das Gähnen auf, weil da zum x-ten Male Dinge wiederholt werden, die schon seit Jahren, ja bereits Jahrzehnten, als dringlich angesehen werden und scheinbar immer noch nicht geschehen ist, was doch so notwendig wäre. Warum profilieren sich diese Fachleute nicht endlich einmal damit, was sie auf diesem Gebiet wirklich kompetent geleistet haben, statt ständig zu fordern und zu jammmern und Andersdenke zu kritisieren?

Der wohl klugste Apell von Frau Hauri ist der:

„Hören wir auf, über Missbrauch zu sprechen. Kinder können weder ge- noch missbraucht werden. Sie sind Subjekte, nicht Objekte in dieser Gesellschaft.“


Wer das fordert und glaubt, sollte Kindern auch subjektive Eigenschaften zugestehen und masst sich als Erwachsene/r nicht an, in Schwarz-Weiss - Mentalität generell und über die Köpfe der Beteiligten hinweg festzulegen, wo in menschlichen Kontakten individuelle Grenzen zu setzen sind.

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