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25.August - "Kirchenführer müssen sich persönlich mit Opfern treffen"

ZUM TAG > 2011 > August 2011

"Die Missbrauchskrise hat die Kirche nach Ansicht des Einsiedler Abtes Martin Werlen weiter gebracht. 'Wir sind wahrhaftiger geworden. Wir haben uns Menschen zugewendet, die durch uns grosses Leid erfahren haben', sagte Werlen im Interview mit der katholischen Wochenzeitschrift 'Sonntag' (Ausgabe 25.08.2011). Der Abt vertritt die Schweizer Bischofskonferenz seit 2002 im Fachgremium 'Sexuelle Übergriffe in der Pastoral'." (KIPA, 25.08.2011)

„Prägend ist, dass endlich ein Neuanfang im Umgang mit sexuellen Übergriffen gemacht wurde: in der Sensibilisierung für das Thema, in der Begegnung mit Opfern, in der Begegnung mit Tätern und im Weitergeben von Erfahrungen.“ sagt Abt Martin.

Ein „Neuanfang“ ist zwar gemacht. Das war auch höchste Zeit. Aber in einem wichtigen Punkt bleibt alles wie schon lange gehabt, weil die wahre Situation weiterhin verschleiert wird:

Pädophile Priester und kirchliche Mitarbeiter hat es schon immer gegeben und wird es weiterhin geben.

Mit diesen wird aber nicht gesprochen, höchstens mit „Tätern“, also solchen „Pädophilen“, die durch Aufdeckung eines pädosexuellen Übergriffes aktenkundig geworden sind.

Weiterhin werden aber „die Pädophilen“ als nun einmal existierende Minderheit in einer Weise diskriminiert, wie es einer „weltumfassenden Kirche" unwürdig ist.

Vielleicht darf man in der Aussage von Abt Martin spüren, er müsse
„eingestehen, dass mir die Sensibilisierung bei Weitem nicht so gelungen ist, wie ich mir das selber gewünscht hätte“ , dass er fortschrittlicher in seinem Denken ist als viele seiner Brüder im Herrn und würde gerne anders handeln: nämlich Priester und kirchliche Mitarbeiter nicht ausschliessen, die sich zu ihren pädophilen Neigungen bekennen und bereit sind, sich mit den damit verbundenen Gefahren und Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Das geht nur in gegenseitiger Offenheit und gegenseitigem Vertrauen. Doch so weit kann nicht einmal der mediengewandte Abt von Einsiedeln sich aus seinem Klosterfenster lehnen!

„Im ganzen Leid“
habe „die Krise der Kirche viel Positives gebracht. Wirsind wahrhaftiger geworden. Wir haben uns Menschen zugewendet, die durch uns grosses Leid erfahren haben. Diese Menschen finden nun hoffentlich Gehör, nachdem sie lange Zeit einfach abgewiesen worden sind“

Ja, wenn und wo es wirklich so war, dass „Opfer“ einfach abgewiesen wurden, dann ist eine Aufarbeitung und Ent- Schuldigung (nicht nur mit Worten!) in gebührendem Masse wirklich am Platz und wäre in manchen Fällen längst fällig gewesen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Kirche – und im hier diskutierten Bereich insbesondere Abt Martin – gut daran täte, auch solche Menschen nicht einfach abzuweisen, die aus wohl überlegten Gründen und mit gutem Recht darauf aufmerksam machen wollen, dass nicht alle „Pädophilen“ in einen Topf geworfen und generell als „Täter“ hingestellt werden dürfen.

Die Kirche tut sich selbst einen Bärendienst, wenn sie die in ihren Reihen garantiert noch in nicht geringer Zahl vorhandenen „Pädophilen“ durch solcherlei Dämonisierung noch tiefer in die Einsamkeit treibt. Damit sind neue sogenannte „Kirchenskandale“ (die zudem längst nicht so häufig und immer so dramatisch waren, sind und sein werden, wie sie von den Medien präsentiert werden...) vorprogrammiert.

Mit Abt Martin habe ich meine eigenen Erfahrungen gemacht. Diese können hier nachgelesen werden.


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