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22.März - "Das Pädophile ist uns nicht fremd"

ZUM TAG > 2010 > März 2010

Ein sensationeller Beitrag
zur gegenwärtigen „Hochkonjunktur“ an Meldungen
über "sexuellen Kindsmissbrauch“!

Peter Passett ist Psychoanalytiker in Zürich und konnte im

einen Beitrag veröffentlichen, der wirklich als sensationell bezeichnet werden darf, gerade weil er manchen von seinen Berufskolleg/inn/en sauer aufstossen wird.

Nicht nur diesen, auch all jenen, die sofort aufschreien, wenn sich jemand getraut, eine Ansicht zu vertreten, die nicht der „Volksmeinung“ entspricht. Das liegt ja ganz im Trend der Zeit. Denke man nur an die letzten Abstimmungsresultate und an die Reaktionen der Gewinner, die unter Demokratie eine gleichgeschaltete Staatsbürgerschaft verstehen, die nach einem Abstimmungssieg keine andere Meinung mehr öffentlich kund tun darf als jene der Sieger! Die Leser/innen-Kommentare zeigen – neben einigen löblichen Ausnahmen – wie stur die Mehrheit immer noch einer Schwarz-Weiss-Mentalität nachhängt.

Klar, dass solche schon den Titel als unerhörte Provokation empfinden:

«Das Pädophile ist uns nicht fremd»

Wenn dann auch noch vorgewarnt wird, dass Passett in diesem Beitrag erkläre, weshalb nicht jeder Übergriff ein Missbrauch sein soll, dann läuten bei manchen "Expert/inn/en" die Alarmglocken!

Auf die Frage ob ihn die zurzeit gehäuft auftretenden Meldungen über Fälle von sexuellem Missbrauch erstaunen, verneint er. Er nennt als einer der Gründe ein Phänomen, dem sich vor allem die Zuständigen der Kirche ziemlich unbeholfen fügen:

“Es handelt sich um eine Kettenreaktion, die viel mit den Medien zu tun hat.“

Er erachtet die heutige Situation als massiven Rückschlag gegenüber der sexuellen Revolution der 68er Jahre, die aus heutiger Sicht als totaler Fehlschlag gewertet wird.

Passett bleibt gegenüber dieser „Revolution“ durchaus kritisch:
„Genauso wenig wie ihre Vorgänger haben diese Leute verstanden, was es mit der Sexualität auf sich hat.“

Aus Sexualität könne man keinen
„gesunden Sport fürs Volk machen“. Sexualität sei in unserer Kultur „immer und überall mit Übertretung gekoppelt“

Er sagt sogar
„Sexualität ist heute im öffentlichen Diskurs praktisch identisch mit Missbrauch“. Er erzählt von einem Priester, der von den Schülern «Tööpli-Franz» genannt wurde. Wegen seiner „Tööplerei“ sei einigen Schülern „die Sexualität verdorben“ worden. Ob das so ist, könne er nicht beurteilen, aber er habe seine Zweifel. Kein Wunder, dass hier „Missbrauchsopfer“ aufheulen!

Sie heulen aber zu früh und zu Unrecht, denn Passett weiss sehr wohl, dass zwar auf
„inadäquate Annäherungen und Übertretungen " nicht "notwendig traumatisierend“ reagiert werden muss, schliesst aber auch nicht aus, dass es geschehen kann.

Und jetzt kommt Sensationelles, das so Wenige zu sagen wagen:

“ Ein guter Pädagoge spürt diese variablen Grenzen und geht mit den Schülerinnen und Schülern unterschiedlich um.“

Er zeigt brillant auf, wie heute in allen anderen Fällen - ausser im „Puff“ -
„jede Annäherung je nach Situation und Empfindsamkeit als Missbrauch ausgelegt werden“ kann.

Wer ausser Passett hat es bisher gewagt, in der nicht erst in diesen Tagen so aufgeladenen Situation klar und deutlich zu sagen?:

„Die reine Sexualität gibt es genauso wenig wie die reine Freundschaft oder Libido. Der edelste pädagogische Eros hat eine eindeutig sexuelle Komponente, auch wenn diese nicht ins Auge springt.“

Haben die Kritiker von Passett übersehen, dass er gesagt hat, bei der Pädophilie
„gehe es im Kern um die Nicht-Einhaltung der Generationenschranke“?

Er steht dieser Neigung/Veranlagung durchaus kritisch gegenüber, sagt aber auch klar, wie die Situation in der Wirklichkeit aussieht

Weil aber das Verhältnis des Kindes zu den Erwachsenen sexuell aufgeladen ist, ist diese Grenze ständig in Gefahr, überschritten zu werden. Diese Übertretung wird als Pädophilie bezeichnet. Wie alle sonstigen sogenannten Perversionen ist Pädophilie eine Neigung, gegen die der Betroffene nichts machen kann. Sie lässt sich nicht wegtherapieren.“

Weil sich „Pädophilie“ nicht wegtherapieren lässt, müsse man einen gesellschaftlich noch akzeptablen Umgang damit finden. Da erwähnt er einen Vorschlag, der zu heftiger Kritik Anlass gab: Er findet es „sehr problematisch, dass man die pädophile Pornografie grundsätzlich verbietet.“

Sein Vorschlag:
„Wenn man Material zur Verfügung stellen kann, das nicht unter Missbrauch von Kindern zustande gekommen ist, dann ist dies durchaus eine Möglichkeit, wie Pädophile mit ihrer Sexualität umgehen können.“

Er meint, man könnte „
etwa mittels Computeranimation aus völlig harmlosen Kinderfotos pornografische Bilder herstellen“ Leider erwähnt er etwas sehr Wichtiges erst, nachdem seine Kritiker/innen schon so entsetzt über diesen Vorschlag, nur noch rot sahen:
„....und häufig können auch schon die Fotos eines Kindermodekatalogs diese Funktion erfüllen“

Was sind wohl die Gründe, dass kaum jemand so deutlich zu sagen wagt, dass „viele heterosexuelle Menschen, die in ihren realen Beziehungen unbefriedigt sind, zu künstlichen Mitteln der Befriedigung greifen.“?

Wer sonst hat es bisher gewagt, so etwas laut zu äussern, wo doch fast alle nur eines fordern:
Einem „Pädophilen“ müsse jeglicher Kontakt zu Kindern verwehrt werden!

Auch wenn in einer Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind ein Machtgefälle besteht, dürfe es
„auch hier keine Denkverbote geben“.

Und wieder sagt Passett etwas so nachweisbar Wahres, wie es nachweisbar Geschädigte gibt, dass man sich nur wundern kann, weshalb er deswegen so angegriffen wird:

Auch die scheinbar Ohnmächtigen können in gewissen Fällen die scheinbar Mächtigen für ihre Interessen missbrauchen.“

Im Gegensatz zu den meisten „Expert/inn/en“ findet Passett, die gewaltige Empörung über das Versagen eines Pädagogen inadäquat, weil diese „ nicht mehr und nicht weniger als andere Berufsleute“ versagen. Dabei verkennt er nicht die oft tragischeren Folgen und verurteilt solche Verfehlungen entschieden.

Dann folgt die Aussage, die zum provokativen Titel führte:

„ Das Pädophile, das wir heute so massiv ausgrenzen, ist uns nicht fremd. Doch übersensibilisiert wie wir nun sind, begegnen wir Kindern oder Jugendlichen nicht mehr normal. Jede Annäherung an sie steht unter dem Generalverdacht des Missbrauchs. Die Folge davon ist, dass wir uns öfter als nötig möglichst neutral, ja fast kalt verhalten.“

Ein Appell an „das Volk“, das solches nicht gerne hört, weil es selbst etwas ausgelöst hat, was nur schwer wieder eingerenkt werden kann!

Was Passett am Schluss des Interviews sagte, ist „Balsam für meine Seele“. Ich sage dies frei und offen und danke Herrn Passett ganz herzlich für seine kristallklare Sichtweise der wahren Verhältnisse und seinen Mut zu sagen, was in dem so widersprüchlichen Moralverhalten unserer Gesellschaft auf so heftigen, aber unberechtigten Widerstand stösst:

„Die Pädophilen sind wirklich arm dran: Sie haben die unglücklichste von den zahlreichen seltsamen sexuellen Neigungen, die ein Mensch nur haben kann. Allein das Wort «pädophil» ist negativ konnotiert, viel mehr als etwa «Kinderliebe». Ein guter Lehrer versteht es, diese «Kinderliebe», die für seinen Beruf zentral ist, zu sublimieren: in die Begeisterung für die Sache nämlich, die er lehrt und die dann die Schüler mit ihm teilen.“

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