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21.März - stimmt das, Roland?

ZUM TAG > 2010 > März 2010

Offener Brief an Pater Roland Trauffer



Bild http://www.sonntagonli1311ZORAmeitane.ch/



Lieber Roland,
Meine Zeit im Couvent St.Hyacinthe liegt zwar schon einige Jahre zurück und wir haben uns schon lange nicht mehr direkt gesehen und gesprochen.


Deine Fernseh- und Radiopräsenz ist aber sehr viel häufiger und nicht vergleichbar mit meinem kurzen aber radikalen "Verriss" in den Medien. So bin ich Dir wenigstens medial immer einmal wieder begegnet. Deine Auftritte werden und wurden zwar auch nicht von allen nur positiv gewürdigt, was ich als ein gutes Zeichen werte. Allen recht getan ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wer vorgibt, er könne dies, macht sich verdächtig oder gar unglaubwürdig.

Du hattest schon immer den Mut, laut, deutlich - und manchmal ziemlich aufdringlich - Deine Ansichten durchzubringen. Ich kenne einige, die schon zum Vorneherein abwinken, wenn Dein Name in einer Diskussion erwähnt wird oder umschalten, wenn Du im Radio oder Fernsehen auftrittst. Das finde ich schade. Du weisst, dass auch ich ein ziemlich kritischer Gesprächspartner war und wir uns auch schon gestritten haben in unseren verschiedenen Ansichten. Davon haben wir sicher beide zur Weiterentwicklung unserer Weltanschauung nur profitiert!

Heute aber drängt es mich ganz spontan, Dir meine grosse Enttäuschung über eine angeblich von Dir gemachte Aussage mitzuteilen. (So dies wirklich stimmt-was ich bezweifle!) Ich tue dies hier öffentlich, weil ich nicht mehr wage, mit Dir persönlich Kontakt aufzunehmen. In der gegenwärtigen "Alarmstufe rot" könntest Du ja in Verruf kommen, "pädofreundlich" gesinnt zu sein, nur schon, wenn Du mit mir Kontakt aufnähmest. Ich spreche aus Erfahrung und habe mich schon längst damit abgefunden, (und bedaure das je länger je mehr...) dass viele frühere Gesprächspartner, Freunde, Studienkollegen und Bekannte mit mir nichts (mehr) zu tun haben wollen, aus Angst, selbst in Verruf zu kommen.

Das die Erklärung, weshalb ich hier öffentlich, (aber wohl nur für einen kleinen Interessentenkreis), meine Erstaunen und meine Enttäuschung über Deine Dir nachgesagte positive Einstellung mitteile, zur Erstellung einer "Schwarzen Liste von fehlbaren Priestern" im Zusammenhang mit der zur Zeit wieder einmal herrschenden unsäglichen "Padophilie-Hysterie"! Ich berufe mich hier auf die Meldung in der heutigen
online-Ausgabe von Da steht:

CVP-Präsident Christophe Darbellay will pädophile Priester schweizweit erfassen. Selbst der Generalvikar des Bistums Basel, Roland-Bernhard Trauffer, ist dafür.

Von Darbellay konnte man ja nichts anderes erwarten nach all seinen populistischen Vorstössen und seinen Aussagen und späteren Rückziehern. Er wird auch weiterhin ein Volk hinter sich haben, das mit ihm in der gerade vorherrschenden (Wind-)Strömung flattert.

Lieber Roland, ich glaube nicht, dass Du in derselben Weise "dafür" bist, wie das dieser Windfahne-Pragmaitker fordert. Wörtlich zitiert wirst Du so:

«Persönlich wäre ich einverstanden, wenn Übergriffe vermieden werden können»

Ich höre darin eine Deiner "berühmten" diplomatischen Antworten. Du willst nicht anecken, wo es Dir in Deiner Stellung schaden könnte, bzw. Deiner zu vertretenden "General"ansicht (in Deiner Position als "Generallvikar!"), aber aus Deinen konkreten Worten scheint Deine persönliche Ansicht durch. Und die ist in diesem Fall wohl, dass Du "dafür" bist, wenn man alles tut, was weitere "Missbrauchsfälle" verhüten könnte. Ich spüre aber aus Deinen zitierten Worten eine Unsicherheit, ob ein solche Liste wirklich das richtige Vorgehen ist.

Da will ich Dir ein Zitat von einem anderen Ordensmann entgegenhalten. Von einem übrigens, dessen Aussagen ich - im Gegensatz zu Deinen - generell sehr kritisch und meist in ablehnender Haltung goutiere. (Ich hatte da mal so meine Erfahrungen mit ihm gemacht...) Ihm will ich hier und heute aber öffentlich meine volle Zustimmung bekunden und ihm sogar
gratulieren für diese weise und mutige Aussage!.

Ich zitiere aus der


:

"Abt Martin Werlen aus Einsiedeln fordert nicht nur wirksamere Mittel zur Verhinderung solcher Fälle - er warnt auch vor einer «Hexenjagd» gegen mutmassliche Täter: «Es besteht unter dem Druck der Ereignisse die Gefahr, dass Persönlichkeitsrechte verletzt werden.»"


Das war nun wirklich einmal Zeit, dass ein Mann seines Formates und Amtes so etwas laut und deutlich auspricht! (Daran könnte sich auch der Herr Bischof Markus Büchel ein Beispiel nehmen, falls ihn doch einmal das Gewissen plagt...)

Lieber Roland, Du hast ja viel grössere Erfahrung im Umgang mit den Medien. Du wirst Dich auch kaum mehr gross ärgern, wenn Deine Aussagen wieder einmal falsch zitiert oder so manipuliert werden, dass sie tendenziell zur gerade vorherrschenden Volksmeinung passen.

Das mag vielleicht auch die einzig richtige Verhaltensweise sein: nichts ist schon morgen so überholt, was die Medien heute verkünden. Es wäre für manche ein Segen, könnten sie auch so schnell vergessen, was "gestern" über sie in der Öffentlichkeit ausgebreitet wurde.

Doch das ist oft nicht so einfach, wenn das passiert ist, was Abt Martin mit sehr realistischem Hintergrund befürchtet..

Deshalb ist Abt Martin in meiner ganz persönlichen "Werteskala" etliche Stufen nach oben geklettert.
So wie ich Dich kenne, lieber Roland, muss ich Dich aber in dieser "Skala" nicht zurückstufen, weil ich eigentlich überzeugt bin, dass auch Du Dich entschieden dagegen wehren wirst, wenn die Kirche glaubt, sich mit "Hexenjagden" ihre verlorenen Ehre zurück erobern zu können.

Mit besten Grüssen und Wünschen, besonders auch für Deine angeschlagene Gesundheit, Martin




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