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21.Februar - Die Kritik an Bischof Mixa

ZUM TAG > 2010 > Februar 2010

Wenn der Augsburger Bischof Walter Mixa Kritik an seinen Äußerungen, die sexuelle Revolution der 68er sei mit Schuld am Kindesmissbrauch an katholischen Einrichtungen, zurück weist und dabei von Bayerns Justizministerin Merk (CSU) in Schutz genommen wird, kann ich beiden zumindest so weit zustimmen:

  • Bevor Behauptungen aufgestellt werden, sollen Aussagen richtig und unvoreingenommen zur Kenntnis genommen werden.


Doch vorerst ist festzuhalten, dass es einmal mehr die Kirchengegner und fast unisono die Medien sind, die den Bischof nicht korrekt zitiert haben, weil ja schon längst (im Prinzip nicht unbegründet) die Kirche von allen Seiten attackiert wird und gewissen Medien bald jedes Mittel recht ist, das dem Ruf der Kirche schaden könnte.

Bischof Mixa verteidigt seine Aussagen "ohne auch nur im geringsten zu behaupten, dass darin die alleinige und vorrangige Ursache für solche Verbrechen zu suchen sei".

In einem Interview sagt er: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig."

Das zeigt doch immerhin, dass er sich mit diesem Thema auch wirklich befasst hat, was man längst nicht allen Bischöfen nachsagen kann. Auch hat er scheinbar sehr deutlich gesagt, dass er den Missbrauch von Kindern an den Jesuitenschulen durch Priester als besonders abscheuliches Verbrechen verurteile:

„ Zugleich habe ich auch klar gesagt, dass es in der Vergangenheit schwerwiegende Versäumnisse und Fehler in der Beurteilung und Behandlung solcher Taten durch kirchliche Verantwortliche gegeben hat."

"Selbstverständlich hat die Freizügigkeit dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu senken"
, sagte die CSU-Politikerin, Bayerns Justizministerin Beate Merk "Süddeutschen Zeitung". :
Da stimme ich ihr zu, nicht aber in folgender Äusserung:
"Ich bin dem Bischof sehr dankbar für diese klare Stellungnahme, weil es nach wie vor Tabu ist, über sexuellen Missbrauch zu sprechen und weil uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft"

Da bläst sie in ein so abgegriffenes Horn, dass es höchstens noch mehr Ignoranz auslöst. Dieses angebliche Tabu ist doch seit Jahren, wenn nicht bereits Jahrzehnten, eines der umsatzträchtigsten Themen der Sensationspresse. Da müsste die Frau Merk - und endlich einmal auch viele andere Politiker und Politikerinnen in Deutschland, aber auch bei uns in der Schweiz - viel mehr fordern, dass die richtigen Zusammenhänge mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang gebracht werden.

Es ist eben gerade nicht so, dass „ uns jede öffentliche Diskussion weiterbringt und den Opfern hilft“. Im Gegenteil: Was mit dieser Art der öffentlichen Diskussion gefördert wird, ist die Viktimisierung sowohl auf der „Täter“- aber auch auf der „Opfer“- Seite. Was bringt es den „Opfern“, wenn „Täter“ an die grosse Öffentlichkeit gezerrt werden? Es geht um intime Dinge, die nicht nur für die Täter unangenehme Folgen haben, sondern auch für die „Opfer“. So verachtenswert auch jeder eigenmächtige Übergriff ist, gilt für "Täter" die Unschuldvermutung, die in solchen Fällen kaum je einmal eingehalten wird. Ist aber jemand in dieser "Sache" einmal als "Täter" gebrandmarkt worden, bleibt er es sein Leben lang, auch wenn nachträglich kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden kann. Er teilt dann das gesellschaftlich anerkannte, aber hinterfragenswerte Schicksal der "Opfer":

  • Was einmal passierte, hat lebenslange Folgen.


Einzuwenden ist hier eine grundsätzliche Überlegung:

  • So lange es um ein „Täter-Opfer“-Diskussion geht, wird man nie zu einer hilfreichen Lösung des Problems kommen.


Meines Erachtens müsste stattdessen darüber diskutiert werden, wie man „Macht und Ohnmacht“ zu einem allen dienenden Ausgleich bringt.

Da stellte sich vor allem in den bedenklichsten Fällen die Frage:

  • Weshalb sind Menschen erst nach Jahren oder Jahrzehnten fähig, über Dinge zu sprechen, die sie dann scheinbar zeitlebens belasten?


Da steht nicht zuvorderst die Frage des „Missbrauchs“, sondern die Gefühle der Ohnmacht einem Mächtigeren gegenüber. Es ist eine Frage des Umganges mit erlittener Gewalt. Würde das einmal primärer Gegenstand der Diskussion, könnte das Problem des sogenannten Missbrauchs sehr viel wirksamer angegangen werden. Eigentlich liegt es ja schon an dem völlig unpassenden Wort „Missbrauch“, dass man nie zu einer hilfreichen Lösung in dieser „Sache“ kommen kann.

  • „Missbrauchen“ kann man nur eine Sache, keinen Menschen. Ausser man gebrauche diesen wie eine Sache, aber dann geht es eben in erster Linie um einen Machtmissbrauch und nicht um die Befriedigung auf Kosten eines „Ohnmächtigen“. Es geht aber sowohl beim "Täter" wie beim "Opfer" in der Tat um Gefühle!


Angegangen werden müsste also die Frage:

  • weshalb fühlen sich Menschen ohnmächtig Mächtigeren gegenüber?
  • wie können Schwächere gegen Gewalt der Mächtigeren ihre Souveränität behalten?


Dazu noch ein Einschub:
„Du darfst NEIN sagen“ , und „mein Körper gehört mir“, wie es die „Missbrauchs-Prävention“- Organisationen die Kinder lehren, ist eine wohl ungewollte eigene Machtdemonstration: Es wird den Kindern vorgeschrieben, wo sie keinesfalls JA sagen dürfen und wo sie ihren Körper zum Selbstschutz zu verteidigen haben. Aber das löst das Problem der Ohnmacht gegenüber den Mächtigen (in diesem Zusammenhang die Erwachsenen) eben nicht, weil ihnen damit die eigene Ohnmacht klar gemacht wird: „Es gibt Mächtige, gegen die ich mich nur mit Abwehr behaupten kann!“ So werden in Kindern Feindbilder aufgebaut und man wundert sich weiterhin, warum Menschen ihre Eigensucht mit Machtkämpfen befriedigen. Es fehlt die Einsicht, weshalb man in gewissen Lebenslagen niemals JA sagen darf!...


  • Statt Abwehr müsste das Fremdwort „Souveränität“ kindgerecht übersetzt und gefördert werden!


Der Begriff „souverän gemeistert“ ist uns ja auch bei positiven kindlichen und jugendlichen Leistungen nicht unbekannt! (Bezeichnend wohl, dass bei Wikipedia „Souveränität als menschliche Eigenschaft“, wo es also nicht nur um Leistungen geht, noch nicht detailliert bearbeitet ist!)


Mit der Grünen-Chefin Claudia Roth gehe ich nicht einig. Sie hatte dem Bischof eine Verhöhnung der Opfer vorgeworfen. Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, nannte Mixas Äußerungen sogar "hanebüchen". Es fehle ihm „offenbar der Realitätssinn.“.

Die katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann wirft Bischof Mixa vor, er reagiere mit der Haltung: "Hauptsache, jemand anders ist verantwortlich."

Bischof Mixas Aussage: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt", kann ihm doch wirklich nicht vorgeworfen werden. „Abnorm“ ist nun einmal in der Kirche alles, „was Gott verboten hat“¨was das ist, steht in der Bibel und wird vom katholischen Lehramt nach dessen bestem Wissen und Gewissen interpretiert. Dem kann man sich anschliessen oder es ablehnen, doch Schuld an solchen Bezeichnungen ist nicht der Bischof und dass solche Neigungen „gefördert“ werden, entspricht ganz einfach der Realität!

  • Wer will denn abstreiten, dass „in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit“ stattgefunden hat? Da bellen doch nur „Hunde“, denen man auf den Schwanz getreten ist! .


Auch hier kann man mit guten Gründen verschiedener Ansicht sein. Blauäugig ist jedoch, wenn man meint, die gesamte Jugend komme so weiss und unschuldig ins Erwachsenenalter, wie sie in ihren weissen Kommunionskleidchen ihre Erstkommunion feiern...


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