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1.Mai - vom Stapi zum Papi

ZUM TAG > 2009 > Mai 2009


Jeder Pubertierende braucht seinen Elmar!


Nicht nur der Sohn braucht den Vater, dieser entlastet auch die Mutter.
(Foto:http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Jeder-Pubertierende-braucht-seinen-Elmar/story/25690137 )


Ab heute ist Elmar Ledergerber nicht mehr Stapi von Zürich sondern primär Papi.


Seinen Rücktritt vom Zürcher Stadtpräsidium hatte er bereits im letzten Herbst angekündigt. Nun ist es so weit. Elmar Ledergerber übergibt das Amt heute an seine Nachfolgerin und übernimmt nun die Vaterrolle für seinen Sohn.

Die Begründung für seinen Rücktritt:

«Jetzt ist die Phase, in der der Sohn den Vater braucht»


wurde nicht überall goutiert.

Eines hat er mit seiner Aussage mit Sicherheit erreicht - und das ist vielleicht das Fruchtbarste und Folgenreichste seines Entscheides:

Die Rolle des Vaters in der Kindererziehung wird heftig diskutiert!

Ein gutes Beispiel ist der vorliegende Artikel von Andrea Fischer .


Die Bemerkung in diesem Bericht des Psychologen Andrea Lanfranchi scheint mir besonders zutreffend:

«Die eigene Identität aufbauen heisst auch, den Kampf mit der Figur Vater auszutragen.»


Fehlt diese Figur, dann fehlt die nötige «Oppositionswand», und das könne zu Problemen führen für die Entwicklung.
Gerne hätte ich dazu gewusst, was er für Lösungen sieht, wenn kein Vater da ist. (Ich frage aus eigener Entbehrungs-Erfahrung...)

Darf ein Pubertierender kein "fremder" Vaterersatz suchen und für sich in Anspruch nehmen?


"Die volle Wucht der Pubertät"

heisst ein Untertitel in diesem Bericht.

Weil sich bei abwesendem Vater die "volle Wucht der Pubertät ausschliesslich auf die Mutter konzentriert", wünschte sich wohl so manche Mutter, " der Vater ihres Sohnes würde so handeln wie der Zürcher Stadtpräsident."! Diese Mutter eines mittlerweile 15-jährigen Sohnes berichtet: «Es wäre Gold wert für mich gewesen, wenn mein Sohn zum Vater hätte gehen können.»

Auch sie würde ich gerne dasselbe fragen:

Darf ein Pubertierender kein "fremder" Vaterersatz suchen und für sich in Anspruch nehmen, wenn er zum Vater keine Beziehung hat?

Auch physische Attacken

Diese Mutter wollte sich von ihrem Sohn nicht provozieren lassen und versuchte, ihn in die Schranken zu weisen. Dabei sei sie zunehmend an ihre Grenzen gestossen, "physisch, psychisch wie auch emotional". Der Erfolg sei ausgeblieben. Der Sohn habe sie vereinzelt auch physisch attackiert. Es kam so weit, dass sie sich sagte:

«Man muss nicht unbedingt zusammenleben, nur weil man miteinander verwandt ist.»


Der Psychologe Lanfranchi meint:

«Es macht durchaus Sinn, die Väter wieder einzubinden.»

Nochmals: Und wenn kein Vater da ist, den man einbinden kann?


Der idealisierte Wochenendvater

Ob der Wechsel von der Mutter zum Vater dann auch klappt, sei eine andere Frage. Viele würden den Vater über Jahre nur von den Besuchswochenenden her kennen. «Da erleben sie ihn als denjenigen, der ihnen mehr Freiheiten gewährt als die Mutter, und sie idealisieren ihn», sagt Familientherapeutin Allebes.

Sicher stimmt aus das, was sie sagt: «Wohnen sie dann mit ihm zusammen, stellen sie fest, dass auch der Vater im Alltag Vorschriften macht und Forderungen an sie stellt.»

Dann würden "manche Jugendliche nach einer gewissen Zeit wieder zur Mutter zurückkehren."
Geht denn das so einfach? Andrea Lanfranchi meint, wenn es nicht klappt, dann sei dies auch nicht schlimm:

«Es gibt verschiedene Modelle, die Familie zu leben.»

Also doch ein Ausweg:

"Die fehlende Vaterfigur lässt sich durch andere männliche Bezugspersonen ersetzen"


sagt Psychiater Lanfranchi.

"Etwa im Sportklub, durch Verwandte oder in der Schule, wo die Kinder einen grossen Teil ihrer Zeit verbringen."


Er sieht da aber berechtigte Probleme, denn dort gehe die Entwicklung seit Jahren in eine andere Richtung:

Männliche Lehrpersonen sind in der Primarschule kaum mehr vorhanden, und so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ein Kind in den ersten sechs Schuljahren nie auf einen Lehrer trifft.


Damit verschärfe sich das Problem der Identitätsfindung für die Buben zusätzlich.

Familientherapeutin Allebes fordert:

«Die Politik sollte sich dringend der Sache annehmen und dafür sorgen, dass der Lehrberuf für Männer wieder attraktiver wird.»

Doch abschliessend stellt sie fest:


Das Beste wäre jedoch, darin sind sich alle einig, wenn es den Eltern gelänge, die Trennung so zu gestalten, dass Kinder zu beiden Elternteilen einen regelmässigen Kontakt und Austausch leben können – im Alltag.

Das Beste wäre es sicher...

Und wenn es dieses Beste nicht gibt? Wenn es auch keinen Lehrer, keinen Sporttrainer und keinen Verwandten gibt, der sich um den Bub kümmert?

  • Darf sich der Bub keinen "Fremden" suchen?
  • Muss sein "Ersatzvater" ein Lehrer sein oder ein Verwandter?
  • Darf ein Bub keinen "fremden" erwachsenen Freund oder "Ersatzvater" haben?


Die Diskussion ist offen! (Ab heute gibt es hier den Blog zur Homepage! )


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