tinjo's HOMEPAGE


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


15.März - keine Worte

ZUM TAG > 2009 > März 2009

Sonntag, 15.März 2009


Seit den tragischen Ereignissen in Nah und Fern in den letzten Wochen, habe ich

keine Worte


mehr gefunden, mit denen ich meinen seelischen Zustand hätte beschreiben können.

Heute habe ich in einem Leserin-Kommentar solche gefunden, die genau das aussagen, was mich die letzte Woche so beschäftigt hat:


"Es ist nur noch Sensationslust die eine Rolle spielt. Genau aus diesem Grund sind ja die Jugendlichen so unzufrieden wie sie eben sind. Was ich persoenlich schade finde; vor lauter Sensationslust kuemmert sich niemand um die furchtbare Trauer die unter den betroffenen Familien, auch der Familie des Taeters, herrscht. Es waere viel gesuender und humaner sich diesem Thema einmal zuwenden, auch als Medien, und sich einmal fragen was man beitragen koennte um die Trauer der Hinterbliebenen zu lindern und dann DAS publizieren, so dass es die Menschen wieder lehrt menschlich zu sein, anstelle computer-und sensationsluestern."

(Rita Sophia - 14. März 2009, 19:56 - in:

"Eltern von Amokläufer dementieren Psychotherapie"


Trauer

war es, die mich sprachlos machte. Aber auch mein eigener Zustand. Ich rechne mit Zustimmung und Verständnis bei Menschen, die selber schon Schweres erlebt haben und damit fertig werden mussten, dass sie in ihren wahren Bedürfnissen nach mitmenschlicher Anteilnahme und Begleitung nicht wirklich verstanden wurden. Das wäre allerdings eine zu einseitige Verständnis-Zuweisung, die jene ausschliesst, welche Anteilnahme und Begleitung bekundet und erwiesen haben. Glücklicherweise steht ja kaum ein Mensch auf dieser Welt so ganz und gar allein da. Nicht einmal in der grössten Not! Trotzdem fühlt sich wohl jeder Mensch manchmal total unverstanden von seiner Umwelt und zieht sich zurück wie die Schnecke in ihr Haus, und verschliesst sich gegen alles, was aussen vor geht.

D:\Eigene Dateien\1-TINJOWEB\TINJOS NEUE HP1\ObjText\schneckenhaus.jpg
Error File Open Error


Bin ich dann allein mit meinen Gedanken, nehme ich mir Zeit zur Neugewinnung innerer Ruhe. Dann wird es mir eher gelingen, alles was ausserhalb vor sich geht, richtig einordnen zu können und langsam wieder die Fühler auszustrecken und meinen Weg weiter zu gehen.

D:\Eigene Dateien\1-TINJOWEB\TINJOS NEUE HP1\ObjText\fuehler3.jpg
Error File Open Error


So war es heute morgen, als ich mir vorgenommen hatte, mit Bedacht nochmals in den elektronischen Medien nach den neuesten Meldungen zu blättern und darauf zu achten, dass ich mich nicht erneut über Berichte ärgere, die nur auf Befriedigung von Sensationsgelüsten und dem egozentrischen Bedürfnis nach Sicherheit, Bequemlichkeit und gefordertem Schutz vor eigenem Unglück ausgerichtet sind.

Es war ja nicht die Trauer über meinen eigenen Zustand, was mich schweigen liess, sondern das Wissen, dass etwas Unabänderliches geschehen ist und die durchlebte Unmöglichkeit, irgendwie "vernünftig" darauf reagieren zu können.

Nach oben erwähnten Bericht streiten sich jetzt scheinbar Eltern und Staatsanwaltschaft um den Wahrheitsgehalt der herumgebotenen Meldung, dass der Amokläufer von Winnenden letztes Jahr in psychiatrischer Behandlung war. Das Interesse an einer solchen Meldung kann ja berechtigterweise nur sein, ob die Tat hätte verhindert werden können. Auch nicht einig ist man sich, ob diese im Internet angekündigt wurde

Bei genauerem Nachdenken jedoch sehe ich keinen grossen Sinn mehr darin, dass man über diese Fragen wahrheitgemäss orientiert. Viel mehr würde mich interessieren, wie dieser junge Mensch gelebt, was er gedacht und wie er sich sein vor ihm liegendes Leben vorgestellt hat und wie seine Begegnungen zu Mitmenschen waren.

Im Bericht wird ein ganz klein wenig davon erzählt. Unter anderem, es sei ihm (im Februar) nicht gut gegangen. Doch was kann ich noch ändern, wenn ich auch davon mehr erfahre?

Also - was soll's? Einfach vergessen und verdrängen? Zur Tagesordnung zurückkehren? Vielleicht weiter in den Medien kontrollieren, was aus diesem "Fall" gelernt wurde, damit "so etwas nie mehr passiert"? Realistischer vielleicht, sich wieder einmal bewusst zu werden, dass immer einmal weder etwas Unvorstellbares passieren kann und niemand mit hundertprozentiger Sicherheit vor jedem Schaden bewahrt werden kann?

Hier hat ein einzelner Mensch eine menschliche Katastrophe ausgelöst und über andere Menschen Tod und Leid gebracht und weit über die Direktbetroffen hinaus Unsicherheit und Unbehagen ausgelöst. Die Abscheu vor einer solchen Tat und dem Täter ist gross.

Doch wäre es nicht besser,
sich einmal zu "fragen was man beitragen koennte um die Trauer der Hinterbliebenen zu lindern und dann DAS publizieren, so dass es die Menschen wieder lehrt menschlich zu sein?"




"Das Gewissen ist der verborgendste Kern und das Heiligtum des Menschen, in dem er allein ist mit Gott, dessen Stimme in seinem Innern widerhallt"

Aus dem römischen Katechismus (Seite 475)



Suche

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü