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14.März - Entzauberte Pädagogik

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Entzauberte Pädagogik

Ein Kommentar zum Bericht von gestern im
Von Guido Kalberer.




Der Kommentar von Guido Kalberer könnte den Eindruck erwecken, die 68er Jahre hätten nur Übles gebracht.

Ja sicher, wenn man in diesen Tagen die Schlagzeilen und Hintergrundberichte in den Print-Medien liest und Spezialbeiträge im Radio und Fernsehen hört, wundert es kaum, dass sich die meisten den Ansichten dieses Schwarzmalers anschliessen.

Ich kann das nicht.

Klar, denken wohl manche: als bekennender Pädophiler müsse ich ja verharmlosen, was diesem Gerold Becker vorgeworfen wird!

Mag sein, dass dieser damals zehnjährige Junge Schlimmes erleben musste mit dem Rektor der Schule. Im vorliegenden Bericht lese ich jedoch mit grossen Vorbehalten von den Vowürfen, welche von der heutigen Rektorin dem früheren Rektor angelastet werden.

  • Weshalb kommt denn dies alles erst jetzt ans Tageslicht?
  • Hat diese heutige Rektorin Margarita Kaufmann geschwiegen, weil sie nur so diesen Posten übernehmen konnte?
  • War Becker nichts als ein elender Kinderschänder?


Wir erfahren nichts weiteres über seine Wirkungszeit als Rektor in diesem Bericht, ausser dass ihm auch noch vorgeworfen wird, die Odenwaldschule, sei "
ein Hort für Lehrer, die jahrelang ihre Zöglinge sexuell missbrauchten, und für Pädophile, die von der erotischen Atmosphäre der linken Reformpädagogik angelockt wurden."

  • Weshalb schweigt Becker zu diesen Vorwürfen?


Und dann noch dies: Beckers langjähriger Lebenspartner, Hartmut von Hentig, verteidige seinen Freund!

Kalberer schreibt zwar in seinem Bericht, dieser sei
"der grosse, unumstrittene Vordenker der Reformpädagogik" . Also ein anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet! Er habe in den 70er und 80er-Jahren " massgebliche Bücher über die neue Erziehung" verfasst. Er wirft ihm vor, dass die antike Knabenliebe darin "einen nicht unbedeutenden Part" spiele. Man habe das Negative daran entschuldigt weil es als "Ausdruck seiner ungemeinen Bildung" angesehen wurde! Weil seine Ansichten dem damaligen Zeitgeist entsprachen, habe man sie "nie kritisch unter die Lupe genommen."

Kalberer schliesst seinen Bericht mit der Feststellung: "In diesen Tagen wird die linke Pädagogik endgültig entzaubert."

  • Besteht denn "die linke Pädagogik" nur in der Verteidigung von pädosexuellen Übergriffen?
  • Haben die 68er Jahre die Pädagogik nur negativ beeinflusst?


Endlich kann so richtig Kahlschlag betrieben werden!

(Es muss sich um eine Erscheinung unserer Zeit handeln, die sich u.a. auch in den restriktiven Rauchverboten und den Vorgängen im Bankenwesen manifestiert und sogar im radikalen Abholzen von strassennahem Gehölz und der vollständigen Denaturierung der Autobahn-Trennstreifen!)

Der
"linken Pädagogik" soll nun eine Radikalabfuhr erteilt werden, weil sie sich an der antiken Knabenliebe orientiert habe und diese auch praktiziert und propagandiert wurde.

Mir geht es keineswegs ums Verharmlosen von Gewalteinwirkungen auf Kinder. Was Becker vorgeworfen wird, mag wahr sein und könnte wirklich einmal so geschehen sein, wie ihm das heute vorgeworfen wird. Zwischen der mutmasslichen Tat liegt aber eine lange Zeit. "Zeit heilt Wunden", sagt man. Nicht alle Wunden verheilen aber so, dass nichts von dem zurück bleibt, was die Verletzung verursacht hat. Möglich ist auch, dass alte Wunden durch besondere Vorfälle unbewusst oder durch äussere Umstände wieder aufgerissen werden. Die Zeit kann also nicht alle Wunden ungeschehen machen. Schon gar nicht, wenn es sich um ein so brisantes Dauerthema handelt wie der sogenannte "Kindmissbrauch"!

Ich will nichts beschönigen, erwarte aber etwas mehr Objektivität, auch wenn sich ein Journalist wie Kalberer mit solchen Pauschalverurteilungen in guter Gesellschaft befindet und nicht nur im rechten Lager der Politik auf Zustimmung stossen wird.

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