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13.März - "Männer, die zu sehr lieben"

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Männer, die zu sehr lieben
Von Tanjev Schultz. 13.03.2010
Er preist Becker bis heute
13.03.2010
Der deutsche Starpädagoge Hartmut von Hentig hat das Bildungssystem verändert. Jetzt ist sein Lebensgefährte Gerold Becker, der ehemalige Leiter der Odenwaldschule, Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt.


Ein happiger Vorwurf an Hartmut von Hentig:

" Er leugnet, verdrängt und bagatellisiert."


Hartmut von Hentig wird dieses Jahr 85 Jahre alt und ist "Deutschlands berühmtester Pädagoge, Vorbild und Idol für Generationen von Lehrern."

Er hat seit Jahren einen Freund und Lebenspartner: Gerold Becker

"Es ist nicht mehr nur mein Leben", schreibt Hentig in seiner Autobiografie. Es ist "unser Leben". Hentig und Gerold Becker sind unzertrennlich."

Doch Hertig hat ein fast unlösbares Problem. Sein Lebenspartner Gerold Becker war Leiter der Odenwaldschule, als in den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts offenbar Dutzende Schüler von ihren Lehrern missbraucht worden sind.

Die Odenwaldschule ist ein berühmtes, weltliches Internat im hessischen Heppenheim und ist bekannt als liberaler Hort der Reformpädagogik.

Doch nun wird diese Schule den Vorwurf nicht mehr los, sie sei " jahrelang ein Hort für Pädophile
gewesen."

In seinem sehr polemischen Bericht mockiert sich Tanjev Schultz über Hentigs Verteidigung seines Freundes. "Hentig ist alt und schwerhörig, und er ist blind vor Liebe und Loyalität. Er weint." / "Hentig leugnet, verdrängt und bagatellisiert"

Tanjev Schultz. Verschweigt aber auch nicht, dass Hartmut von Hentig Spuren hinterlassen habe, "weit über die Pädagogik hinaus."

"Er hat die Laborschule in Bielefeld gegründet, und er hat sich eingemischt in die Politik, war aktiv in der Friedensbewegung, hat Willy Brandt beraten, Freundschaften gepflegt mit den Weizsäckers, mit Golo Mann und vielen anderen Dichtern und Denkern."

Tanjev Schultz stellt sich in seinem Bericht schon fast selber als Opfer dar. Er, als der einzige Journalist, den dieser berühmte Mann und Freund eines "Kinderschänders" zu einem Interview empfängt und über den er nun aus Pflicht und Schuldigkeit gegenüber den Opfern seines Täterfreundes den Stab brechen muss. "Es gibt auch eine Verantwortung vor den Opfern." schreibt er. Er schildert dann Einzelheiten der angeblichen verruchten Taten von Hentigs Freund.

Er weiss auch, dass die heutige Leiterin des Internats ein Gutachten in Auftrag gab, in dem der Frankfurter Psychologe Walter Schwertl schreibt, der sexuelle Missbrauch an der Odenwaldschule sei geradezu Ausdruck eines "Kulturprogramms" gewesen. Es habe auch Veranstaltungen zur Würdigung des antiken Griechenland und der Knabenliebe gegeben.

Er betont fairerweise, dass Hartmut von Hentig dieses Gutachten für unwissenschaftlich halte und findet dessen Zweifel wegen fehlender genauer Dokumentation der angeblichen Taten " zumindest nicht völlig unberechtigt."

Immerhin stand ja Becker nie vor einem Gericht, denn was ihm vorgeworfen wird, ist seit Ende der Neunzigerjahre verjährt.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat trotzdem wieder mit Ermittelt begonnen, weil nicht auszuschliessen sei, "dass Übergriffe ans Licht kommen würden, die noch nicht verjährt seien".

Auch wenn Tanjev Schultz immer wieder auch Einwände Hentigs gelten lässt, ist er doch überzeugt, dass dieser seinen Freund wider besseres Wissen in Schutz nimmt und sich sogar in Unterstellungen ergehe. Während Hentig die Anschuldigungen eines ehemaligen Schülers als eine Einflüsterung eines Therapeuten zur Erklärung sieht, dass dieser wegen dem damaligen Missbrauch mit seinem Leben nicht klargekommen sei, erachtet Tanjev Schultz solche " Theorien" als Ausflüchte, mit denen Hentig seinen Freund schützen möchte.

Hentig habe in einem Vortrag über das "Ethos der Erziehung" betont, wie wichtig es sei, Achtung vor Kindern zu haben und wie schädlich es sei, ihren Willen zu brechen. Er habe dabei auch den "pädagogischen Eros" erwähnt. "den Gott, den Platon in die Erziehung einführte" und zitierte auch Pestalozzi, "der fand, dass die elterliche Liebe auf den Erzieher übergehen müsse" und befand "unsere aufgeklärte Gesellschaft kleinmütig".

Weiter habe Hentig gesagt, die "Gesellschaft blicke "misstrauisch auf jede Zärtlichkeit und errichtet fürsorgliche Schutzvorkehrungen gegen den scheuen Gott"."

Dazu bemerkt Tanjev Schultz.: "Wie verhöhnt muss sich ein Missbrauchsopfer bei diesen Sätzen fühlen."

Dann beschwert er sich über die Gesprächsverweigerng Beckers, der während seines Interviewse mit dessen Freund im oberen Stock als schwer kranker Mann so nahe und doch unerreichbar war. Er habe, "mit den Medien schlechte Erfahrungen gemacht. Nach den ersten Vorwürfen gegen ihn habe er beschlossen, sich dazu nicht öffentlich zu äussern".
Er habe schon mehrmals über "Beziehungsgeflechte" gesprochen. "Die "emotionale Verstrickung von Schülern und Lehrern" sei in Internaten meist deutlich höher als an anderen Schulen."
Tanjev Schultz sieht in den Erklärungen seines Gesprächspartners, aber auch bei sich selbst, "einen Mechanismus des Verdrängens."

Tanjev Schultz. stellt am Schluss seines Berichtes eine gute Frage und gibt auch gleich eine logische Antwort.

  • "Ist jetzt wegen der Odenwaldschule die ganze Reformpädagogik hinfällig? Wer so fragt, würde auch die Frage stellen, ob das Christentum wertlos ist, weil es Priester gibt, die Schüler missbrauchen. Die Reformpädagogik ist eine Reaktion auf die Kälte der Schule. Das ist gut. Aber es birgt Gefahren.


Doch seine lezter Satz weist nach meiner Ansicht weit mehr Diskussionsstoff auf, als alles, was in diesem Bericht angeprangert wurde :

  • "Manchmal ist Distanz besser als Liebe."




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