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10.November - der" Fall Rappaz" muss Folgen haben

ZUM TAG > 2010 > November 2010

Der Fall Rappaz muss Folgen haben!

Heute war er wieder einmal auch im Radio das Tagesgespräch, der Herr Rappaz mit seinem Hungerstreik. Eigentlich wären da gar keine weiteren Diskussion mehr notwendig. Wenn jemand im Zustand voller Zurechnungsfähigkeit in einer Verfügung festlegt, dass er in einer bestimmten Situation nicht davon abgehalten werden darf, sein Leben zu beendigen, dann hat man sich daran zu halten. Es sei denn, sein psychischer Zustand habe sich derart verändert, dass fraglich wird, ob er seinen früheren Entscheid immer noch treffen würde.
Da fängt aber das Dilemma an.
>>>weiter im
Blog, oder unten! ( siehe auch "Hanfbauer aus Leidenschaft" und "Entspannung im Wallis")

Ein Vergleich aus anderer Perspektive:
Angenommen, ich möchte zu meinem Privatvergnügen die Eigernordwand besteigen und bin dazu gut vorbereitet und trainiert. Trotzdem gehe ich das Risiko ein, dass während der Tour etwas schief gehen kann. Ich muss mir also der möglichen Konsequenzen meines Unternehmens bewusst sein.

Heute kann sich allerdings ein Bergsteiger darauf verlassen, dass alles Menschenmögliche zu seiner Rettung unternommen wird, falls ihm etwas zustossen sollte. Er darf damit rechnen, dass andere wegen seiner ganz persönlichen Entscheidung selber ein gewisses Risiko eingehen und ihre eigene berufliche Zukunft, vielleicht sogar ihr Leben, aufs Spiel setzen.

Aus diesem Vergleich könnte man nun aus der entgegengesetzten Perspektive in der Situation von Rappaz schliessen, dass seine „Rettungskräfte“, d.h. die zuständigen Ärzte, alles Zumutbare zur Lebensrettung unternehmen müssten, ohne lange ethische Diskussionen. Verweigerung wäre Rechtsbruch und müsste bestraft werden!

Da ist was dran, wenn man bedenkt, dass Rappaz sich zwar die erhaltene Strafe durch seine illegalen Tätigkeiten selbst eingehandelt hat und er sich die Konsequenzen ausmalen konnte. Er ist ein Risiko eingegangenund hat sich seiner Freiheit selbst beraubt. Jetzt untersteht er der "Staatsgewalt", die nun befiehlt, was zu tun und was zu lassen ist!

Vergleichen wir, was einem Bergsteiger an öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung stehen, der aus rein privatem Vergnügen sich eine riskante Tour leistet und welche einem Rappaz drohen, der es riskierte, mit einer illegalen Hanfpflanzung viel Geld zu verdienen!

Beiden stehen politisch geforderte und gesellschaftlich akzeptierte Einrichtungen ganz unterschiedlcher Art zu Diensten. Dem einen in positiver, dem andern in negativer Hinsicht. Beide gingen bewusst ein Risiko ein. Beide hatten die Chance, dass alles ohne Probleme abläuft. Die Voraussetzungen und die möglichen Konsequenzen jedoch sind sehr verschieden.

Was soll der Vergleich also?

Der "Fall Rappaz" hätte eigentlich gar nicht zu einer Frage über Leben und Tod werden dürfen. Sein Risiko, das er eingegangen ist, war weder für ihn noch für andere direkt lebensbedrohend. Er hatte ganz einfach ausserordentliche Wünsche, die er verwirklichen wollte, genau wie der Bergsteiger, den niemand zu seinem riskanten Unternehmen verpflichtet hat. Das nun drohende Todesrisiko bei Rappaz ist nicht die direkte Folge seines (illegalen) Handelns, sondern die Konsequenz dessen, dass der Staat und die Gesellschaft ihm keine für ihn lebenswürdige Lösung zu bieten bereit sind. Er hat für sich eine Lösung getroffen. Wenn es keine andere Lösung gibt, als eine Strafe sinnlos (nach seiner Auffassung) abzusitzen, zieht er den Tod. vor. Seine allfällige Lebenserhaltung ist nicht vergleichbar mit der Rettung von in Not Geratenen oder handlungsunfähigen Menschen.

Doch nur auf das konzentriert sich jetzt die Debatte um seinen Fall. Sein Problem aber ist, dass er - als sicher talentierter Mann seines Berufes - nicht jahrelang in einer Haftanstalt dahinvegetieren will, wo er doch ebensogut mit anderen Mitteln gezwungen werden könnte, auf seinem eigenen Gut künftig gesellschaftskonform und dem Recht entsprechend, seinen Beitrag an die Gesellschaft und Arbeit für seinen Lebensunterhalt zu leisten und dem Staat nicht zur (finanziellen) Last zu fallen! Zu all dem wäre er bereit.
Andernfalls will er lieber sterben.

Dass eine Überwachung eines Bauern auf seinem Hof viel zu aufwändig sei und im Endeffekt viel teurer als ein Gefängnisaufenthalt, müsste erst schwarz auf weiss bewiesen werden. Auch müsste man vernünftig begründen, weshalb teure, extra zu installierende Sicherheitsvorkehrungen wirklich nötig sind, wenn mit Fussfesseln fast jeder Schritt überwacht werden kann.

Es ist doch wirklich höchste Zeit, dass die Schweiz sich endlich vom Gedanken der Rache an ihrer Bürger- und Einwohnerschaft verabschiedet. Strafe muss sein, leider! Aber nicht Rache!

  • Warum investiert man enorme Summen in Haftanstalten (und hat scheinbar immer noch zu wenige) und schliesst arbeitstaugliche Menschen, die bisher niemandem zur Last gefallen sind, einfach weg, weil sie gegen die Norm verstossen haben, wo sie doch ebensogut unter strengen Bedingungen weiter ihrer Arbeit nachgehen könnten?
  • Warum reserviert man solche Anstalten nicht für notorische Gesetzesbrecher und Querschläger, die erst lernen müssen, wie man auf legale Weise sein Leben verdienen kann?
  • Wem nützt es, wenn Normbrecher zwangsweise ihre Arbeit aufgeben müssen, "nur" weil sie nebenbei etwas Illegales getan haben? Es gäbe genügend alternative Strafmethoden, wenn nicht Rache sondern Korrektur einer falschen Handlungsweise beabsichtigt wäre.
  • Der Wille zu lohnenden Erstversuchen von alternativen Methoden müsste in diesem Sinne viel mehr gefördert werden. Dies käme weit günstiger und hätte garantiert sinn- und wertvollere Konsequenzen für den Staat!


Doch leider sind wir noch weit davon entfernt, uns von der staatlichen Stammtischjustiz befreien zu können, solange alles über immer neue Verbote und Gesetze geregelt wird. Das zeigen vergangene und kommende Abstimmungen. Diese Tendenz wird sich kaum ändern, solange jene das Sagen haben, die erst dann Ruhe geben werden, wenn die freie Schweizer Bevölkerung nur noch aus "weissen Schafen" bestehen wird, alle schwarzen eingesperrt und die fremden ausgewiesen sind !

Das Schicksal Rappaz wird sich besiegeln. Ich hoffe, mit nachhaltiger Wirkung auf zukünftige Regelungen, wie eine Strafe zu verbüssen sei.

Mit Rappaz könnte man ein Exempel statuieren.

So oder so.

Der Schweiz würdig wäre aber nur das Exempel, in welchem Leben den höheren Stellenwert hat als Zwangsmassnahmen. Leben heisst nicht, durch Zwang am Leben erhalten, sondern Mittel finden, wie auch in einer Zwangssituation menschenwürdig vorgegangen werden kann.

Nicht jeder Sportler ist ein Roger Federer. Nicht jeder Straftäter ist ein Rappaz!

>>>diskutieren sie mit im
Blog ! ( siehe auch "Hanfbauer aus Leidenschaft" und "Entspannung im Wallis")

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